SAMSTAGS I 18:00

Ameisen

Ameisen. Foto: VOX/VP

Das große Krabbeln im Wohnzimmer

hundkatzemaus-Reporterin Diana Eichhorn besucht heute Bianca und Dirk Drenske, die ihr Wohnzimmer mit rund 40.000 Haustieren teilen: Vor 10 Jahren entdeckte das Paar seine Faszination für Ameisen und beherbergt mittlerweile mehrere Kolonien unterschiedlicher Arten.

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Weltweit gibt es ungefähr 10.000 Ameisenarten, von denen die kleinsten weniger als 1 mm, die größten an die 7 cm messen. In Zoos werden vermehrt Blattschneiderameisen (Gattung Atta) gehalten, die mit ihren langen, mit Blättern beladenen, Straßen für das Publikum gut zu beobachten sind. Doch auch im heimischen Wohnzimmer werden die flinken Krabbler immer beliebter - es gibt rund um die Uhr etwas zu beobachten! ´

Bianca und Dirks Blattschneiderameisenkolonie ist liebevoll und aufwändig gestaltet und besteht aus insgesamt drei Terrarien aus Plexiglas, so genannten Formicarien, die durch kleine Röhren miteinander verbunden sind. Die Blattschneiderameisen ernähren sich von einem speziellen Pilz, der besonders gut auf einem zerkauten Brei aus Blättern gedeiht. Im Freien sind die Arbeiterinnen für das Sammeln und Zerkleinern der Blätter zuständig, im heimischen Wohnzimmer müssen Bianca und Dirk natürlich nachhelfen und ihre Kolonie regelmäßig mit frischem Laub versorgen. Für eine optimale Entwicklung benötigt der Pilz eine hohe Luftfeuchtigkeit und ist dadurch anfällig für Krankheiten. Aus diesem Grund liegt das Pilz-Formicarium auch am einen Ende des Baus, und der Abfallplatz der Ameisen am anderen Ende. Denn auch in der freien Natur halten die Ameisen ihren Abfall so weit wie möglich von ihrer Nahrungsquelle fern.

Umzug bei den Zuckerameisen

hundkatzemaus-Reporterin Diana Eichhorn mit Bianca Drenske. Foto: VOX/VP

Neben ihren Blattschneiderameisen beherbergen die Drenskes auch eine Kolonie australischer Zuckerameisen. Doch das Formicarium dieser Kolonie ist zu klein geworden und die Tierchen müssen umziehen. Für den Umzug muss die Nestkammer aufgebrochen werden und die Königin mit ihren Larven und Arbeiterinnen in kniffliger Feinstarbeit vorsichtig mit einer Pinzette umgesetzt werden. Das neue Zuhause der australischen Zuckerameisen besteht aus einem stabilen Gemisch aus Lehm und Sand, damit die feinen Gänge und Kammern nicht so leicht

zusammenbrechen können. Bis das neue Nest fertiggestellt ist, benötigen die Tierchen allerdings eine vorgefertigte Brutkammer.

Generell ist für jeden heimischen Ameisenbau sehr wichtig, dass das Formicarium auch wirklich ausbruchsicher ist: Die Bewohner sind wahre Ausbrecherkönige und gehen durch die kleinsten Spalten und Ritzen. Hierfür hat Bianca einen guten Tipp: Winzige Öffnungen kann man mit Paraffinöl bestreichen. Kommen die Antennen der Ameisen mit dem Öl in Berührung, verkleben sie und die Ameise ist kurz irritiert und abgeschreckt. Dieser Trick lässt sich von Ameisenart zu Ameisenart variieren. So kann man sich bei der australischen Weberameise (Gattung Oecophylla) das Paraffinöl sparen und stattdessen einen kleinen Wassergraben um ihren Pflanzen- bzw. Baumbau legen - die Tiere sind nämlich absolut wasserscheu und das ist nicht ihre einzige Eigenart: Weberameisen leben auf Bäumen und bauen kunstvolle Nester, in dem sie mehrere Blätter mit Spinnfäden ihrer Larven verweben. Stellt man den Topf des Baums auf einen großen, mit Wasser gefüllten Unterteller, können die Ameisen nicht entkommen. Die Allesfresser mögen neben Spinnen und Grillen besonders gern Süßes. Vor allem verdünnter Honig ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel und enthält Stoffe, die für die Entwicklung der Brut wichtig sind.

Exotische Krabbeltiere wie die Blattschneider- oder Weberameise sind nur für fortgeschrittene Insektenhalter zu empfehlen, da ihre Pflege aufwendig und recht kompliziert ist. Für Anfänger eignen sich einheimische Arten, wie die schwarze Wegameise - die sind nicht nur einfacher zu halten, sondern auch in der Anschaffung günstiger!

Übrigens: Bis heute ist noch nicht ganz erforscht, welche Faktoren bestimmen, ob aus einer Larve eine Arbeiterin, Königin oder ein Männchen wird. Dies entscheidet sich hauptsächlich über die Futtergabe, kann aber auch von der Temperatur und verschiedenen Duftstoffen abhängen.

Buchtipp: Die Ameisen.
Biologie und Verhalten
Kirchner, Walter
C.H. Beck Verlag, 2001
ISBN 3-406-44752-X, EUR 7,50
125 Seiten, 16 Abbildungen
Buchtipp: Ameisen
Kommunikations- und Gesellschaftsformen
Moesch, Anna
Informationslücke-Verlag, 2009
ISBN 978-3952346167, 13,60 EUR
66 Seiten
Kontakt Bianca und Dirk Drenske
Bianca und Dirk Drenske haben folgendes Buch geschrieben, dass auch über ihre Homepage erhältlich ist:
Im VOX-Tierlexikon

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