Amiaz Habtu: "Habe schon zur Schulzeit gerne den Pausenclown gegeben"

Interview mit "Wer weiß es, wer weiß es nicht?"-Moderator Amiaz Habtu
Ermias "Amiaz" Habtu im Interview © Bernd-Michael Maurer

Interview mit "Wer weiß es, wer weiß es nicht?"-Moderator Amiaz Habtu

Was reizt Sie an der Moderation eines Straßen-Quiz‘?

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Ich bin immer wieder gespannt, ob der von mir angesprochene Mensch als Kandidat mitmacht oder nicht. Denn nichts ist vorherbestimmt. Bei der Suche nach einem Kandidaten lerne ich gemeinsam mit meinem Kamerateam Deutschland kennen. Innerhalb kürzester Zeit erfahre ich so mehr über meine Kandidaten. In Essen hat mich zum Beispiel ein Kandidat sehr beeindruckt. Nach außen wirkte er zunächst unbeschwert und locker, aber im Gespräch habe ich erfahren, dass er nach dem plötzlichen Tod seines Vaters ein schweres Erbe zu tragen hat und seine über 80-jährige Mutter und seinen Bruder pflegen muss. Eine wirklich spannende Begegnung. Aber mich reizt es auch, die Menschen in den Innenstädten für einen Moment aus ihrem Alltag herauszuholen und spontan auf der Straße zu tanzen oder mit fremden Passanten zum Beispiel meine Sonnenbrille zu tauschen.

Was ist Ihrer Ansicht nach das Besondere an „Wer weiß es, wer weiß es nicht?“?

Das Besondere ist, dass bei „Wer weiß es, wer weiß es nicht?“ der Kandidat keine einzige Frage selbst beantworten muss - Menschenkenntnis ist gefragt! Denn bei jeder zweiten Frage muss mein Kandidat jemanden finden, der die richtige Antwort nicht weiß – selbst wenn diese noch so einfach ist. Ich finde es faszinierend, dass Passanten meinen Kandidaten dabei auf sympathische Art und Weise helfen, ohne sofort eine Gegenleistung zu verlangen. Eine Tugend, die uns im Alltag oft abhandengekommen ist.

Wie schwer ist es, Kandidaten für das Straßen-Quiz zu finden?

Für mich ist es nicht schwer, Kandidaten für das Straßen-Quiz zu finden. Denn wer schon zur Schulzeit gerne den Pausenclown gegeben hat, der hat keine Probleme fremde Menschen anzusprechen. Trotzdem kribbelt es auch bei mir, wenn ich auf Kandidatensuche bin. Der Zufall bestimmt die Ansprache, der Humor gibt eine gute Basis und das Bauchgefühl, sowohl auf der Seite des Moderators als auch das des Kandidaten, macht den Rest aus - das Quiz kann beginnen.

Haben Sie schon vorab ein Gespür dafür, wer mitmachen könnte und wer nicht? Inwiefern spielt es eine Rolle, in welcher Stadt Sie nach Kandidaten suchen?

Mein Bauchgefühl hilft mir, einen Kandidaten zu finden. Die Möglichkeit, 3.000 Euro bar auf die Hand zu gewinnen ohne selbst antworten zu müssen, macht die Suche einfacher. Dieses Gespür habe ich auch meinem Vater zu verdanken. Wir sind uns sehr ähnlich. Freunde und Verwandte bestätigen uns immer wieder, dass wir in Sachen Unterhaltung und nonverbalem Verhalten die gleiche Sprache sprechen. Darauf bin ich stolz!

Wie fühlt es sich an, einem Passanten mitzuteilen, dass der Kandidat gar nicht mit einer richtigen Antwort gerechnet hat?

Ich fühle mich gut. Denn in diesem Fall ist ja nichts verloren und mein Kandidat kann weiterspielen. Normalerweise ist nach einer falschen Antwort so ein Quiz beendet - aber nicht bei uns! Auch wenn ich dann in erstaunte und irritierte Gesichter schaue, dauert es nicht lange, bis sich auch die befragten Passanten darüber freuen, dass IHRE falsche Antwort nicht zu einer Pleite geführt hat. Bei „Wer weiß es, wer weiß es nicht?“ zeigt niemand mit dem erhobenen Zeigefinger auf jemanden, der es nicht weiß.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht gerade mit einem Kamerateam in Deutschlands Innenstädten unterwegs sind?

Ich gehe gerne ins Fitnessstudio und treffe mich liebend gerne mit Freunden. Seit meinem 14. Lebensjahr begleitet mich der Sprechgesang, sodass ich oft im Tonstudio anzutreffen bin. Musik ist eine meiner großen Leidenschaften - egal wann und in welcher Gemütslage. Auf langen und kurzen Strecken begleiten mich deshalb immer meine Kopfhörer. Seit mehreren Jahren sammle ich außerdem Kino-Eintrittskarten - fragen Sie mich nur nicht, warum. Es ist einfach passiert.