Aromen

Aromen - Neue Verordnung, altes Verwirrspiel

Aromen - Neue Verordnung, altes Verwirrspiel

Stellen Sie sich vor, Sie essen einen handelsüblichen Joghurt, und nun wollen Sie wissen: Ist das jetzt echtes Aroma oder hab ich aus Versehen zu einem Joghurt mit künstlichen Aromen gegriffen? Zu ihrer großen Erleichterung lesen Sie auf der Packung die Angabe „natürliches Aroma“ und denken sich: „Ah, echtes Erdbeeraroma!“ Aber in Wirklichkeit schmecken sie Aromastoffe, die aus Holz stammen. Ist natürlich irgendwie natürlich – aber nicht aus Erdbeeren. Wie kann das sein?

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Ganz einfach: Die EU hat mal wieder eine neue Regelung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln verabschiedet – und diesmal geht es um um eben jene Aromen. Demnach ist die Bezeichnung „naturidentisches Aroma“ nicht mehr erlaubt, denn der Begriff „naturidentisch“ – so die Kritiker – sorgte lange Zeit für Verwirrung. Denn „naturidentisches Aroma“ wird eigentlich künstlich hergestellt, nur dass die Struktur von der Natur abgeguckt ist. Nach der neuen Regelung kann der Käufer jetzt zwischen „künstlichen“ und „natürlichen Aromen“ unterscheiden. In einem Erdbeerjoghurt mit „natürlichen Aromen“ stammt das Aroma jedoch nicht unbedingt aus Erdbeeren. Das Erdbeeraroma kann auch aus dem Holz eines Baumes isoliert werden. Und das ist dann sogar legal: Denn Bäume gehören zur Natur. Erst wenn die Zutatenliste „natürliches Erdbeer-Aroma“ aufweist, ist auch Erdbeeraroma drin!

Ein preiswerter Geschmack-Ersatz

Um alle Fruchtjoghurts, die Jahr für Jahr über den Ladentisch gehen, mit echten Erdbeeren zu aromatisieren, würde die weltweite Ernte kaum reichen. Und so werden europaweit jährlich 170 000 Tonnen Aromen industriell hergestellt. In erster Linie werden sie zugesetzt, um Geschmacksverluste auszugleichen. Je stärker verarbeitet und je länger haltbar das Lebensmittel ist, umso mehr wird es aromatisiert. Der Erdbeerjoghurt soll ja auch noch kurz vor Ende des Haltbarkeitsdatums nach Erdbeeren duften und schmecken.

Aromen garantieren außerdem eine gleichbleibende Geschmacks-Qualität. Frische Erdbeeren schmecken je nach Sorte und Reife unterschiedlich intensiv. Ein aromatisierter Erdbeerjoghurt schmeckt dagegen immer gleich. Und da er auch noch möglichst billig sein soll, werden statt natürlichen künstliche Aromen zugesetzt. Nur zum Vergleich: Ein Kilo Vanillearoma aus der echten Pflanze kostet etwa 2000 Euro, den künstlichen Geschmack gibt es für nur zehn Euro das Kilo.

Sind Aromen gefährlich?

Sind Aromen gefährlich?

Grundsätzlich sind Aromastoffe für die Gesundheit unbedenklich. Einige von ihnen, etwa das Pfefferminzöl, können jedoch Allergie ähnliche Symptome hervorrufen. Für Betroffene ist es dann schwierig, verträgliche Lebensmittel zu finden. Der Hersteller muss nämlich nur kenntlich machen, dass er Aromen verwendet, jedoch nicht, welche es sind.

Ein weiterer Nachteil ist die Täuschung - denn es wird etwas vorgespiegelt, was nicht oder nur in Spuren vorhanden ist: Etwa das Huhn in der Hühnersuppe oder Erdbeeren im Erdbeerjoghurt. Besonders für Kinder ist es fatal, wenn sie von klein auf nur mit aromatisierten Fertigprodukten aufwachsen. Denn in der Kindheit werden die Geschmacksgewohnheiten geprägt. Bekommen sie nur Produkte mit Aromen anstelle von echten Erdbeeren und Hähnchen vorgesetzt, werden sie diese – oft ungesunden – Lebensmittel frischen und gesunden vorziehen.

Machen Aromen dick?

Auch für Erwachsene sind Aromastoffe unter Umständen problematisch. Da Aromen den Appetit anregen, können sie dazu verleiten, größere Mengen von aromatisierten Lebensmitteln zu essen. Wer sich jedoch bei Chips, Fruchtjoghurts und anderen Naschereien ein Limit setzt, braucht keine Gewichtszunahme zu befürchten. Denn nicht die Aromastoffe machen dick, sondern die darin enthaltenen Fette und der Zucker.