SONNTAGS I 17:00

Auto ohne Autofahrer?

Auto ohne Autofahrer?
© dpa, C3976 Maximilian Schönherr

Lenken mit der Kraft der Gedanken

Von Peter Stützer

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Na, ob das mal gutgeht? Berliner Forscher wenden derzeit eine ganze Menge Energie und Steuergelder auf, um uns Autofahrer beim Autofahren gänzlich überflüssig zu machen. Vielmehr: Der Platz am Steuer soll komplett seine Bedeutung verlieren; geht es nach den Forschern, kann unser Vehikel dann genauso gut oder schlecht vom Beifahrersitz, von hinten rechts wie hinten links gesteuert werden. Hände und Füße dürften dann komplett aus dem Spiel sein – zumindest, was das Steuern dieses Autos anbelangt. Gefahren wird – mit Köpfchen. Mit der Kraft der Gedanken. Sofern in ausreichendem Maß vorhanden.

Ist halt so und wird immer so bleiben: Der eine oder andere ist nun mal, wenn überhaupt, etwas träge mit den Gedanken unterwegs. Inwiefern das dann in Zukunft seiner Karriere als Autofahrer hinderlich sein werde, dazu haben sich die Forscher noch nicht geäußert. Womöglich machen die Gedankenschwächlinge beim Projekt Zukunft den ganzen Schnitt kaputt und finden deshalb überhaupt keine Berücksichtigung. Sie werden sich kaum wehren, denn bis ein Protest erdacht und auch noch ausgesprochen wäre, dürften die flotten Denker längst um die Ecke sein.

Testen in Tempelhof

Auto ohne Autofahrer?

Aktuell sind sie so weit, dass die Freie Universität Berlin von unserem Geld den ansonsten toten Ex-Flughafen Tempelhof gemietet hat. Mitten in Berlin - da ist Auslauf genug auch für den Fall, dass dem Professor an Bord gerade mal nichts einfällt beim Versuch, den auf Elektro umgepolten Passat auf Wunsch um die Ecke zu bringen oder zu beschleunigen oder abzubremsen. Da müssen schon alle zusammenhalten: der Fahrer, die 16 Sensoren in seiner Kappe und auch der Computer im Kofferraum. Und sie müssen sich, wenn's denn ernst wird, an das Aussehen, das Bild oder das Signal für jeden einzelnen Gedanken erinnern, so wie sie es zuvor für jeden Befehl eingeübt haben. Auch ist vorausschauendes Fahren gefragt, denn bis so ein Gedanke vom Piloten über die Sensoren und den Computer bis zu den entsprechenden Stellen im Auto gelangt und zum Fahrbefehl wird, vergehen gut und gerne fünf, sechs Sekunden. Nicht auszudenken, was in der Zwischenzeit alles passieren kann!

Überhaupt ist der normale Autofahrer noch etwas verunsichert mit dem, was da kommen mag. Der eine neigt zum Beispiel dazu, dauernd mit den Gedanken abzuschweifen - wirkt sich das dann auf seinen Fahrstil aus? Der andere neigt eher dazu, sich nicht so furchtbar viele Gedanken zu machen - muss der dann sicherheitshalber zuhause bleiben? Eine Frau hat beim Professor schon nachgefragt, inwiefern Gedanken und damit Fahrweisen Gefahr laufen, von außen manipuliert zu werden. So könnten gewiefte Hacker im Auftrag von Fernando Alonso dem Sebastian Vettel doch einfach den falschen Weg weisen, und schon müssen wir mit einem spanischen Weltmeister klarkommen, was schon im Fußball schlimm genug ist. Die Forscher halten das für ausgeschlossen; ihre Antwort überzeugt noch wenig, hört sich aber gut an: "Die Gedanken sind frei."