Das Interview

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„Entweder hol’ ich die Goldmedaille für Griechenland oder ich lande im TV.“

1. Wie kam es dazu, dass Sie für die Sendung "biete Rostlaube, suche Traumauto" im Einsatz sind?

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Ich habe vor zwei Jahren einen MINI Cooper S an einen Mitarbeiter von SONY Produktion verkauft. Er kam auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, bei einem neuen TV Format mitzumachen. Den Verkauf hätte er noch in guter Erinnerung und ich sei Ihm spontan in den Sinn gekommen. Ich fand es direkt spannend. Und für mich ist es ja einfach, schließlich geht es um etwas, indem ich mich sehr gut auskenne.

2. Warum haben Sie zugesagt?

Die Schauspielerei war schon ein Kindheitswunsch. Ich hab als Kind schon gesagt: „Entweder hol’ ich die Goldmedaille für Griechenland oder ich lande im TV.“ Da mein Vater starb, als ich 18 war, hat mein Bruder für mich entschieden. Er meinte: „Wir sind alles so gute Verkäufer. Bei deinem Talent müsstest du in den Vertrieb, dass wäre eine klare Sache, da ist der Applaus beständiger.“ Mich in meinem Beruf zu zeigen, war für mich einfach – schließlich mache ich das ja schon eine Weile. Und nun ist halt eine Kamera dabei.

3. Würden Sie selber bei einem solchen Projekt mitmachen?

Klar! Ich hatte selber so ne Gurke und kein Geld. Ich habe mit meinem ersten Auto immer hinter der Disko geparkt und nie davor. Ich wäre froh gewesen, wenn ich ohne großen Aufwand und hohe Kosten meinen Traumwagen vor die Tür gestellt bekommen hätte.

4. Warum sollten die Leute Ihrer Meinung nach an dem Projekt teilnehmen?

Der Automarkt ist eine undurchsichtige Branche. Die meisten „Schrottlaubenbesitzer“ wissen gar nicht, was sie für ein Schätzchen haben oder dass sie mit geringem Aufwand und guten Kontakten noch eine Menge aus ihrem Wagen herausholen können. Uns können sie vertrauen. Wir sind Profis und arbeiten nur mit Experten zusammen. Bestenfalls bekommen sie ein schöneres Auto ohne einen Handschlag dafür getan zu haben.

Von "harten Kerlen" auf Augenhöhe und Robin Hood der Autowelt

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5. Worin liegt für Sie der Reiz, den Protagonisten mit ihrem Auto zu helfen?

Ich arbeite seit knapp sieben Jahren bei BMW - eine fast reine Männerdomäne. In den Werkstätten und bei freien Autohändlern gibt es noch weniger Frauen. Vor allem wenige, die so Haare auf den Zähnen haben, wie ich. Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, angeblichen „harten Kerlen“ auf Augenhöhe zu begegnen und aufgrund meiner Schlagfertigkeit, meines Verhandlungsgeschicks und meiner guten Menschenkenntnis, immer wieder ans Ziel zu gelangen. Ich tue dabei also auch noch Gutes und verhelfe jemandem zu einem hochwertigeren Auto. Ich bin quasi der Robin Hood der Autowelt -ohne dafür zu rauben.

6. Worin liegt Ihr persönliches Risiko bei der Sendung?

Die Sendung mit meinem jetzigen Job in Einklang zu bringen, ist gar nicht so einfach. Ich arbeite sechs Tage die Woche, teilweise 10 Stunden pro Tag. Ansonsten sehe ich kein Risiko.

7. Haben Sie von einem solchen Projekt, wie es in der Sendung durchgeführt wird, schon früher einmal etwas gehört?

Da es in der Sendung darum geht, Menschen dabei zu helfen ein schöneres Auto zu bekommen, nicht. Über Autos gibt es viele Sendungen, aber keine dieser Art.

8. Glauben Sie, dass das Projekt funktionieren kann?

Definitiv! Hätte ich damals im Fernsehen einen Aufruf für eine solche Sendung gesehen, hätte ich meinen alten weißen Kombi (das war damals eine scheußliche Farbe) sofort abgestoßen und gehofft, dass ich ein anderes Auto kriege. Schlechter hätte es kaum kommen können.

Die einzige Frau im Verkauf von BMW

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9. Wer gehört mit zu Ihrem Expertenteam und warum?

Meine rechte Hand ist Vincenzo Piecherri. Er ist Eigentümer des Autozentrum Langenfeld und selbst Autohändler. Paolo Ciavarella ist unser KFZ-Werkstatt Profi. Er macht gute Arbeit zu fairen Preisen. Stavros und Lars machen die Smartrepair, sehr zuverlässige Jungs aus dem Ruhrgebiet.

10. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Mein damaliger Freund hat einen neuen Job gesucht. In einer Anzeige stand: “MINI sucht außergewöhnliche Verkäufer für seine Handelspartner“. Ich sagte spontan: „Mensch, die suchen ja mich.“ Mein Freund bremste mich: „Du, da geht’s um Autos und BMW, da hast du als Frau keine Chance.“ Ich ging eine Wette ein und entgegnete: „Wenn die mich kennenlernen, nehmen die mich sofort.“ Ich schrieb eine Bewerbung und nach einem halben Jahr mit diversen Interviews und Assessment Center durfte ich mir sogar aussuchen, zu welchem Händler ich möchte. Ich hab’ als Beste abgeschnitten und dann habe ich mir den nächstgelegenen Händler ausgesucht. Der war in Düsseldorf.

11. Ist der Beruf des Autoverkäufers eine Männerdomäne und sind Sie eine Ausnahme? Wenn ja, wie setzen Sie sich hier durch?

Als ich anfing, war ich die einzige Frau im Verkauf von BMW. Und dann war ich auch noch 23 Jahre alt, 165cm groß und ziemlich zierlich. Ich wurde schon belächelt und man gab mir unter Kollegen maximal ein halbes Jahr. Ich muss aber sagen, dass ich schon nach einer Woche meinen ersten Neuwagen verkauft habe. Andere machen das nach ein bis zwei Monaten, wenn überhaupt. Da meine Eltern eine Kneipe hatten, wurde ich quasi unter Männern groß. Ich lernte schon früh, mich in der Männerwelt durchzusetzen. Mit Schlagfertigkeit und Erfolg verschafft man sich sehr viel Respekt.

12. Wie und wo haben Sie sich das Wissen über Autos angeeignet?

Das ist mit der Zeit gekommen: Learning by doing. Außerdem ist man sehr nah beim Kunden und auch beim Service dabei, da kriegt man Vieles mit. Und bei BMW gibt es natürlich auch immer wieder Schulungen.

"Deine Persönlichkeit verkauft das Auto."

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13. Könnten Sie selber auch Autos reparieren?

Ja, ich kann eine Antenne anschrauben. Ansonsten weiß ich nur, wie ich die richtigen Leute einzusetzen habe, die es können. Oder wo ich jemanden suchen muss, der es kann.

14. Was macht Ihnen an Ihrem Beruf besonders Spaß?

Dass ich immer wieder neue Menschen kennenlerne, sie zu begeistern und von unseren Autos zu überzeugen. Ich lerne jedes Mal eine neue Geschichte kennen. Nirgendwo hat man so viele verschiedene Menschen. Und ich muss mich jedes Mal individuell auf den Käufer einstimmen. Oft geht es gar nicht um den besten Preis. Deine Persönlichkeit verkauft das Auto. Und täglich dieses Erfolgserlebnis zu haben, ist wertvoller als das Geld, was ich pro Auto verdiene. Wenn die Kunden dir zur Lieferung des Autos ein kleines Geschenk mitbringen, weißt du, Sie haben es getan, weil Sie dich wertschätzen und dir für deine Arbeit danken.

15. Haben Sie einen Tipp für Autokäufer? Worauf sollte man beim Kauf achten?

Ich würde nicht immer unbedingt nur auf den günstigen Preis achten, sondern auch auf das Bauchgefühl. Und ich würde mein Auto immer bei einem Händler kaufen. Erstens hat man dort Garantie und zweitens auch nach dem Verkauf noch einen Ansprechpartner. Außerdem achten Händler sehr darauf, dass die Autos beim Verkauf technisch in einem guten Zustand sind, anders als bei Privatkäufen.

16. Haben Sie einen Tipp für Autoverkäufer? Was sollte man bei Kunden immer im Auge behalten?

Die Bedarfsanalyse ist das Wichtigste. Was sucht der Kunde genau und was braucht er? Und dass man ehrlich und authentisch bleibt und alles offen anspricht.