"Das Kanzler-Gen"

"Das Kanzler-Gen"
Gerhard Schröder (c) Foto: VOX/Spiegel TV

Die Dokumentation "Das Kanzler-Gen"

Als Altkanzler Helmut Schmidt im Oktober 2011 in einem Interview mit dem SPIEGEL Peer Steinbrück mit den Worten adelte: "Er kann es", da war die sozialdemokratische Welt noch in Ordnung. Ein Jahr später erhielt Steinbrück auf dem Sonderparteitag 93,45 Prozent aller Stimmen. Es war das zweitschlechteste Ergebnis einer Kandidatenwahl. Ein gutes Omen? Denn schlechter hatte vor ihm nur Gerhard Schröder abgeschnitten und der wurde immerhin Kanzler. Steinbrück galt für die SPD als Hoffnungsträger, als zupackender, rhetorisch versierter, humorvoller Charakterkopf, der sagt, was er denkt. Und genau das ging gleich nach hinten los: Deutschland diskutierte bald nur noch über die Sprüche des Kandidaten, über seine Nebeneinkünfte, seine Forderung nach höheren Gehältern für Politiker und schließlich über seinen öffentlichen Gefühlsausbruch auf dem Berliner Parteikonvent. Menschliche Größe oder Schwäche? Ernsthafte Emotionen oder nur Show im Kampf für bessere Umfragewerte? Fakt ist, die Zustimmung für Steinbrück und seine Partei dümpelt im Keller und der Wahltermin rückt immer näher.

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Acht Kanzler, acht unterschiedliche Biografien

"Das Kanzler-Gen"

Viele Fehler erlaubt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel scheinbar nicht. Sie reagiert und regiert kalkuliert, mitunter kühl oder sie äußert sich erst gar nicht. Das werfen ihr zumindest politische Gegner vor, ihre Befürworter hingegen sehen im "schweigsamen Abwarten" eine Stärke der ersten Frau im Amt. Dass sie ihre Macht durchaus aktiv zu nutzen weiß, mussten bereits zahlreiche parteiinterne Kritiker am eigenen Leib erfahren. Wer nicht spurte, 'konnte' gehen. Doch in der Rangliste der beliebtesten Politiker steht Angela Merkel nach wie vor weit vor Steinbrück. Was ist es, was ihre Beliebtheit ausmacht? Warum vertrauen ihr die Bundesbürger auch in Krisenzeiten? Wodurch verschafft sie sich Respekt auf der internationalen Bühne? Was hat Merkel, was Steinbrück vielleicht fehlt? Worin unterscheidet sich die Frau an der Macht von ihren männlichen Vorgängern?

In der großen Samstagsdokumentation geht SPIEGEL TV diesen und anderen Fragen auf den Grund. Gibt es ein Kanzler-Gen? Wer hat das Zeug zur Macht? Und warum? Politische Experten und prominente Journalisten wie RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, der ehemalige WDR-Intendant Friedrich Nowottny, der ehemalige Kohl-Vertraute Kurt Biedenkopf, SPIEGEL-Autor Jan Fleischhauer, Uwe Karsten Heye, der ehemalige Pressereferent und Redenschreiber von Willy Brandt und Regierungssprecher von Gerhard Schröder, die stellvertretende BUNTE-Chefredakteurin Tanja May, Comedian Gayle Tufts sowie Unternehmensberaterin und Führungskräfte-Coach Marion Knaths analysieren anhand kurzer Porträts der deutschen Kanzler die Stärken und Schwächen der historischen Staatsmänner, die Führungsqualitäten der amtierenden Kanzlerin und die Charaktereigenschaften ihres Herausforderers.

So unterschiedlich die Biografien der bisherigen acht Kanzler der Bundesrepublik Deutschland auch sein mögen, so unterschiedlich ihre Motivation, sich um das mächtigste Amt im Staat zu bewerben, es zu verteidigen, um es dann widerstrebend, freiwillig oder zwangsläufig wieder abzugeben - so interessant ist doch die Frage, gibt es eine Eigenschaft, die allen gemeinsam ist? Auffällig ist, dass jeder von ihnen aus eher einfachen bis normalen sozialen Verhältnissen stammt, keiner jedenfalls aus der politischen oder monetären Oberschicht. Deutet das auf eine überdurchschnittlich ausgebildete Fähigkeit hin, sich zäh nach oben zu arbeiten, gibt es also so etwas wie das Kanzler-Gen? Und wenn ja, welcher der deutschen Bundeskanzler hatte es?