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Das perfekte Dinner: Vom Fast-Food-Junkie zum Hobbykoch

Das perfekte Dinner: Vom Fast-Food-Junkie zum Hobbykoch

Uwe hat seinem Sohn zuliebe das Kochen erlernt

Welche Eigenschaften schätzt du an einem guten Gastgeber?

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Ich finde Aufmerksamkeit, Sauberkeit, Kreativität und ein gewisses Talent für Small Talk elementar für einen gelungenen Abend.

Was war dein größter Kochunfall?

Mein unbestritten größtes, weil teuerstes Kochdesaster waren acht Rouladen mit einer 20-minütigen Garzeit. Auf der Packung stand jedenfalls irgendwas von 20 Minuten. Na gut, da war ich 23 und wollte nach 365 Tagen Ravioli einmal was Besonderes machen. Meine Eltern hatten sich schließlich als Gäste angemeldet. Das Resultat war auf jeden Fall „schön knusprig“.

Welche Schwächen hast du, welche Stärken?

Ich habe ausschließlich Stärken. Ich bin kreativ, kann Menschen unterhalten und deshalb auch solche Zustände mit Worten optimieren, die es eigentlich nicht verdient hätten. Soviel zu meinen Schwächen!

Meine Stärke ist zweifellos, dass ich genau das erkannt habe.

Welche Lebensmittel müssen immer vorrätig sein, warum?

Kaffee, Milch und Rotwein. Man wird gut wach, man schläft gut ein und zwischendurch gibt es noch etwas Gesundes.

Wieso machst du beim „perfekten Dinner“ mit?

Ich freue mich auf das Event: Vier Tage genießen, einen Tag an die Grenzen gehen. Keiner weiß, wie es wird und genau das ist der Kick. Obwohl mir die kochtechnischen Abläufe ganz klar sind, habe ich keine Ahnung, wie ich meine Gastgeber-Rolle mit dauerhafter Kamerabegleitung meistere. Davor habe ich Respekt. Aber noch mehr habe ich Lust darauf. Ich bin mir sicher, dass ich nach dieser Woche entweder neue Freunde oder neue Feinde habe. Beides ist denkbar, weil es intensiv wird – aber wie heißt es so schön? Yolo!

Was macht für dich ein perfektes Dinner aus?

Ich setze ein gutes Essen voraus. Eine außergewöhnliche Location ist sicher von Vorteil. Die Unterschiede werden aber durch Kleinigkeiten sichtbar oder erlebbar. Wenn es dem Gastgeber gelingt, eine ungezwungene Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, ist das schon die halbe Miete. Kleine Details in der Deko, ein „Aha-Erlebnis“ bei scheinbar Bekanntem, ein Lächeln, das dir glaubhaft suggeriert „You‘re welcome“ – selbst, wenn du gerade die geerbte Ming-Vase zerstört hast – lässt mich an einem Ort verweilen und macht ihn zu einem perfekten Ort für ein perfektes Dinner.

Worauf achtest du besonders, wenn du Gäste hast?

Ich bemühe mich, den Job des Gastgebers so gut, aber auch so zurückhaltend wie möglich zu machen. Das heißt: Ich versuche, mein kulinarisches Angebot dauerhaft auf einem vollständigen und hohen Niveau zu halten. Ich möchte erahnen, was ich Gutes tun kann, damit sich die Gäste in jeder Situation rundum wohl und sicher fühlen. Ich möchte zwanglos moderieren und vermeiden, dass die Gäste in die Situation kommen, etwas sagen zu müssen, um peinliche Stille zu vermeiden. Ich möchte zuhören, weil mir meine Gäste wichtig sind.

Was war deine größte kulinarische Herausforderung?

Ich war zehn Jahre lang alleinerziehender Vater. Anfangs hatte ich wirklich keinen Plan vom Kochen. Für meinen Sohn wollte ich nach Unmengen von Fast Food und Fertiggerichten etwas Besonderes machen. Er war und ist ein großer Freund des Rindfleischs, also des Steaks.

Nur wusste ich nicht, was genau sein Ding ist. „Englisch“, medium, well done? Er wusste es auch nicht. Und ich wollte doch nichts falsch machen. Also habe ich vier Filets vom Angus-Rind im 30-Sekunden-Takt angeschnitten, um den aktuellen Zustand zu erforschen. Angefangen in umgekehrter Reihenfolge mit well done, über medium, bis hin zum klassischen englischen Steak, welches für alle Zeiten das Rennen machte. Aber wir haben eine Stunde lang Fleischschnipsel mit kalten Pommes gegessen.

Dein bester Koch-Tipp/-Trick?

Zeitmanagement. Bei mehreren Gängen und erst Recht bei mehreren Gästen schreibe ich mir jeden Arbeitsschritt vorher auf, vergleiche die Zeiten und baue mir meinen Zeitplan, eine Art Matrix, damit alles einigermaßen gleichzeitig bereit ist. Das Ding baumelt dann immer sichtbar in der Küche. Hilft ungemein.

Was ist das ungewöhnlichste Gericht, das du je gegessen hast? Was ist daran bemerkenswert?

Ich finde solche Dinge wie Krokodil (Hühnchen in kräftig), Straußen-Ei, Wachtel-Ei, Schildkrötensuppen (bitter bis herb) nicht ungewöhnlich, sondern einfach nur geltungsbedürftig. Wirklich ungewöhnlich war eine Borschtsch-Suppe in Moskau, die mir in einem privaten Haushalt spät am Abend angeboten wurde. Dazu gab es 100 Gramm Wodka und danach das gleiche noch einmal. Ich bin sicher, ohne den Wodka hätte ich das nicht überlebt. Ich möchte nicht mal spekulieren, was da für Zutaten verwendet wurden.

Welche Utensilien sind in deiner Küche unverzichtbar? Welche haben sich als Fehlkauf entpuppt?

Meine Top-Küchenutensilien sind ganz klar: Porzellankaffeefilter (Handfiltration ist die Vollendung des einzig möglichen Kaffee-Genusses), Käsereibe (multi-multi-multi einsetzbar – für fast jedes Essen ein geschmackergänzendes, vollendendes Accessoire) und der Stößel (cooles Handwerkzeug für wichtige Atomisierungen von großen Stückchen, fühlt sich außerdem gut an).

Voll daneben ist die Espressomaschine – denn eigentlich trinken wir keinen Espresso.

Klarer Sieg in Dresden
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An Clemens kommt keiner ran

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