Die große Samstagsdokumentation: Unsere Mütter, unsere Großmütter im 2. Weltkrieg

Frauen in der Nazi-Zeit VOX/Spiegel TV
Frauen in der Nazi-Zeit VOX/Spiegel TV © Unsere Mütter, unsere Großmütter

Wie haben unsere Mütter und unsere Großmütter die Zeit des Nationalsozialismus erlebt?

Vor 75 Jahren, mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939, stürzt Adolf Hitler die Welt ins Verderben. Während in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich die Rolle der Wehrmacht, der Soldaten oder die der Männer des Widerstandes untersucht wurde, rückte die Bedeutung der Frauen in den Hintergrund. Waren sie, wie Hitler wünschte, wirklich nur Heimchen am Herd, unpolitisch und ihrer Mutterrolle ergeben? Wie viele waren tatsächlich nur ahnungslose Anhängerinnen? Wie viele wussten mehr? Und was brachte Frauen dazu, im Namen einer perversen Ideologie zu quälen und zu töten? Viele junge Frauen begeisterten sich für das Regime, folgten dem Führer fasziniert und bedingungslos naiv, schrieben ihm Liebesbriefe und beteiligten sich selbst an schlimmsten Gräueltaten, trafen willkürlich Entscheidungen über Leben und Tod. Täterin, Opfer, Mitläuferin - schuldig oder unschuldig? Welche Rolle spielten unsere Mütter und Großmütter in der Nazi-Zeit?

- Anzeige -

Eigentlich hatten die Frauen nur eine Aufgabe: Deutschland möglichst viele Kinder zu gebären. Die brave Ehegattin und Mutter, die allein in der Familie aufgeht und fanatisch Volk und Vaterland dient. So sah das Idealbild der Frau im Dritten Reich aus. Und doch beteiligten sie sich auch aktiv am Genozid, agierten dabei nicht weniger brutal als die Nazi-Männer. Was hat diese 'normalen' Frauen motiviert?

Die Riege der mächtigsten Nazi-Frauen hingegen wahrte nur nach außen den Schein. Hitlers geheime Geliebte Eva Braun, Quasi-First-Lady Magda Goebbels, Film-Diva Leni Riefenstahl, Schauspielerin Emmy Göring - sie alle führten ein glamouröses Leben. Sie liebten Luxus und Partys, waren bereits geschieden, pflegten Affären und gaben allenfalls nach außen hin die makellosen Vorzeigedamen der NS-Schickeria. Wer waren die 'ersten Damen' des Dritten Reiches? Wie lebten sie? Was faszinierte sie am Nationalsozialismus? Und was bedeutete der Untergang des Hitler-Reiches für ihr Leben?

Welche Rolle spielte die Frau im Dritten Reich?

Frauen in der Nazi-Zeit VOX/Spiegel TV
Frauen in der Nazi-Zeit VOX/Spiegel TV © Unsere Mütter, unsere Großmütter

Die Braut des Bösen: Eva Anna Paula Braun, Hitlers geheime Geliebte und noch kurz vor dem gemeinsamen Selbstmord angetraute Ehefrau. Für die Historiker war Eva Braun jahrzehntelang nicht mehr als ein unwichtiges Anhängsel: Der Diktator und das blonde 'Dummchen'. Doch stimmt das? Wer war diese Frau wirklich? Wie lernte sie den Mann, der Deutschland ins Verderben stürzen sollte, kennen und lieben? Wie hielt sie es über Jahre hinweg aus, dass er sich nie offen zu ihr bekannte? War es wirklich eine Liebesbeziehung, mit allem, was dazugehört? Der asketisch lebende 'Führer' und ein 23 Jahre jüngeres blondes 'Partygirl', das so gar nicht dem Nazi-Ideal einer deutschen Frau entspricht. Eva Braun raucht und trinkt, liebt Mode und Luxus, hat eine Schwäche für mondäne Reisen und ist nach heutigem Verständnis fitnesssüchtig. Auf Hitlers Berghof am Obersalzberg ist sie die erste Dame des Deutschen Reiches. Zwischen seinem Schlafzimmer und ihrem existiert ein geheimer Verbindungsgang. Das Gerücht, die Hitler-Geliebte habe ein gemeinsames Kind abgetrieben, hält sich bis heute hartnäckig.

Magda Goebbels hatte Hitler zur offiziellen First Lady des Dritten Reiches auserkoren. Die Ex-Industriellengattin heiratet in zweiter Ehe Propagandachef Joseph Goebbels. Mit sechs Kindern gilt die kühle Blondine als deutsche Vorzeigemutter. Doch hinter den Kulissen überlässt Magda Goebbels die Erziehung ihrer Kinder meist anderen - sie selbst ist oft wochenlang nicht zu Hause. Ihre Ehe mit Goebbels scheitert. Vor allem dessen außerehelichen Eskapaden sorgen immer wieder für Konflikte. Aber auch Magda Goebbels flüchtet sich in Affären.

Während sich die 'Promis' unter den Nazi-Frauen einige Freiheiten erlauben konnten, mussten viele andere 'normale' Frauen auf eine berufliche Karriere verzichten. Erst als die Männer in den Waffenschmieden an der Heimatfront mit Kriegsbeginn knapp wurden, stimmt Hitler auch der Rekrutierung weiblicher Arbeitskräfte zu. Wieder andere Frauen dienen sich dem Nazi-Staat an und begehen im Namen eines vermeintlichen Rassekriegs schreckliche Verbrechen. Als die Männer in den Krieg ziehen, übernehmen Frauen deren Jobs, bauen Bomben und halten das zivile Leben in Gang. Doch nicht nur a n der Heimatfront warten wichtige Aufgaben. Rund eine halbe Million Frauen dienen als Wehrmachthelferinnen in Hitlers Armeen.

Acht Frauen erzählen, warum sie die dunkle Vergangenheit bis heute nicht loslässt. Ingeburg Hölzer ist zehn, als die Nazis an die Macht kommen, sie schreibt 'Heil Hitler' in ihr Tagebuch. Später verliert sie ihren Mann und ihr erstes Kind. Marianne Clemens, behütete Tochter einer wohlhabenden Künstlerin, verachtet die Nazis. Doch aus Angst schweigt sie. Annette Schückings Vater wird im Dritten Reich verfolgt. Was ihr selbst damals widerfährt, bewegt sie und ihre Familie bis heute. Lieselotte Raasch aus Hamburg: Ihr Vater steht damals stramm hinter Reich und Führer. Am Ende ist für die Familie nichts mehr so, wie es einmal war. Erna de Vries ist Jüdin und Holocaustüberlebende, ihre Mutter hat sie das letzte Mal in Auschwitz gesehen. Heute kämpft sie gegen das Vergessen. Inge Deutschkron, auch sie ist Jüdin, verdankt ihr Leben mutigen Deutschen, die sie und ihre Mutter versteckten. Jennifer Teege entdeckt mit 38, dass ihr Großvater, Amon Göth, ein sadistischer KZ-Kommandant war. Ihre Großmutter hielt bis zum Schluss zu ihm, verhinderte nichts. Wie konnte es so weit kommen? In der vierstündigen Dokumentation beleuchtet SPIEGEL TV die unterschiedlichen Lebenswege 'normaler' Frauen im Dritten Reich und hinterfragt deren Motive für ihr Handeln.

Am 30.08. um 20:15 Uhr