SONNTAGS I 17:00

Die Unfallakte

Die Unfallakte

Einsatz in 20 Meter Höhe

Die Mainbrücke in der Nähe von Würzburg sollte gesprengt werden und war deshalb für den Verkehr gesperrt. Die Brücke war nicht mehr an die Straße angeschlossen, die Fahrbahn brüchig. Und trotzdem, wie auf einer Insel steht ein LKW mitten auf der Brücke. Die eintreffenden Helfer trauen ihren Augen nicht: Niemand kann sich erklären, wie das Fahrzeug dort hingekommen ist.

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Der ungewöhnliche Unfallort stellt die Einsatzkräfte vor eine schwierige Aufgabe: Da die Brücke bereits für die Sprengung vorbereitet ist, gibt es keine genauen Informationen über die Tragfähigkeit. Das Bauwerk könnte unter der zusätzlichen Last jederzeit einstürzen. Um den unter Schock stehenden LKW-Fahrer dennoch sicher von der Brücke zu holen, werden zwei Drehleitern der Feuerwehr eingesetzt.

Schwieriger gestaltet sich die Bergung des LKW. Eine aufwendige Bergungsaktion kündigt sich an. Um das Fahrzeug sicher von der maroden Brücke zu bergen, muss der LKW zunächst entladen werden. Eine Aufgabe für die Männer vom THW. Gesichert mit speziellem Geschirr begeben sich die Einsatzkräfte in 20 Meter Höhe. Die Bergung des LKW gelingt mit Hilfe eines Schwerlastkrans.

Mehr Glück als Verstand

Um die näheren Unfallumstände zu klären, rückt die Autobahnpolizei Biebelried an. Bremsspuren gibt es keine, was auf einen Sekundenschlaf oder Unachtsamkeit hinweist. Die Auswertung des Fahrtenschreibers ergibt, dass der Fahrer des LKW die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 30 km/h überschritten hat. Mit knapp 90 km/h durchbricht er die Absperrung der Baustelle und rutscht über einen Betonsteg. Durch die Wucht des Aufpralls auf den Brückenasphalt reißen die Achsen des LKW ab. Glück für den Fahrer, denn dadurch kommt sein tonnenschweres Gefährt kurz vor dem Abgrund zum Stehen.

Die Einsatzkräfte vor Ort sind sich sicher: Der Fahrer des LKW hat mehr Glück als Verstand. Das bestätigen auch die Ergebnisse von Unfallanalytiker Klaus Radetzky: Der Sachverständige der Dekra kommt zu dem Ergebnis, dass der LKW-Fahrer nur aufgrund der hohen Geschwindigkeit überleben konnte. Wäre er langsamer gewesen, hätte er nicht genügend Schwung gehabt, um das Loch zwischen der Brücke und der Straße zu überwinden.

Das Glück des Fahrers wird allerdings mit einem Bußgeld von 200,- EUR und drei Punkten im Flensburger Zentralregister geahndet. Eine milde Strafe, wenn man bedenkt, dass die erhöhte Geschwindigkeit ihm das Leben rettete.