Die zwölf Stunden

Die zwölf Stunden
© Berlin: Der Neubeginn, VOX/Spiegel TV

12:00 - 16:00 Uhr

12:00 Köln – Die Zerstörung.

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Ende März 1945 filmt das amerikanische Kamerateam das zerstörte Köln. 40.000 Menschen leben noch in der Domstadt. Manche Bewohner blicken pragmatisch nach vorne, andere verwinden die Niederlage des Nazi-Regimes nicht. Köln gehört zu den wenigen Städten, die mehr als zwei Jahre lang aus der Luft angegriffen werden. Nach zahllosen Bombennächten ist von der Altstadt nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Journalist und Moderator Jean Pütz (78) berichtet von den Luftangriffen auf seine Heimatstadt. Den Anblick der vielen Opfer kann er bis heute nicht vergessen.

13:00 Wiesbaden – Die Kriegsgefangenen

Ende März 1945 haben die amerikanischen Truppen den Rhein überquert. Ein US-Kamerateam ist vor Ort und macht Aufnahmen von deutschen Soldaten, die zu Hunderttausenden in die amerikanische Gefangenschaft gehen. Prominente wie Schauspieler Mario Adorf (84) und Schauspielerin Karin Dor (76) erinnern sich an die letzten Tage vor dem Eintreffen der Amerikaner und die Zeit danach. Schauspieler Gunnar Möller (86) berichtet von seiner Kriegsgefangenschaft und dem gnadenlosen Umgang mit Deserteuren und flüchtenden Zivilisten.

14:00 Bad Hersfeld – Die weißen Fahnen

US-Kameraleute dokumentieren Ende März 1945 den US-Vormarsch in Hessen: Seit der Rheinüberquerung vor zwei Wochen haben die amerikanischen Truppen hier Dorf für Dorf erobert. Gerade in der Provinz stoßen sie immer noch auf deutschen Widerstand. In Bad Hersfeld fangen ihre Kameras den besonderen Moment der Kapitulation ein. Die Bewohner ergeben sich sofort. Von einem Moment auf den nächsten werden aus ehemaligen Anhängern zumindest rein äußerlich friedlich Besiegte.

15:00 Nürnberg – Die Fanatiker.

Mitte April 1945 wird Nürnberg von US-Truppen befreit. Kurz zuvor gab der örtliche Gauleiter noch den Befehl, die Ideologie bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Als die Lage der Anhänger aussichtslos wird, begehen sie an Hitlers letztem Geburtstag Selbstmord. Auch Waldemar Maile (81) war damals Regime-Anhänger. Er berichtet, wie er auf einen US-Soldaten trifft, der ihn nicht wie erwartet tötet, sondern mit Süßigkeiten beschenkt.

16:00 Leipzig – Die Teilung

Am 20. April 1945 filmt ein US-Kamerateam in Leipzig. Die Bewohner sind froh, dass ihre Stadt von den Amerikanern und nicht von den Russen besetzt wird. Auch in den umliegenden Gebieten rücken die Amerikaner vor – die Russen sind bereits in Hörweite.

Die Region teilt sich in Ost und West, doch nicht alle Deutschen wollen so einfach aufgeben. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (87) flüchtet Anfang Mai 1945 als Soldat vor der Roten Armee. Als ein sowjetischer Soldat ihn entdeckt, kommt er wie durch ein Wunder mit dem Leben davon.

17:00 - 24:00 Uhr

Die zwölf Stunden
© H.D. Genscher VOX/Spiegel TV

17:00 Augsburg – Die Entnazifizierung

Als das US-Kamerateam Mitte Mai 1945 in Augsburg dreht, hat Deutschland kapituliert. Das Dritte Reich steuert seinem Ende zu – die Entnazifizierung beginnt. Kein Deutscher will mehr ein Nazi gewesen sein. Selbst Hermann Göring, der zweite Mann nach Hitler, gibt sich vor der Kamera diplomatisch und geläutert und glaubt an seine Zukunft.

18:00 Braunschweig – Die Ruinen

Schon lange ist die Stadt im Fokus der Alliierten – gehört sie doch mit dem Grab Heinrich des Löwen zu den bevorzugten Orten der SS. Hier erhielt Adolf Hitler auch seine deutsche Staatsangehörigkeit. Nach Kriegsende dokumentieren US-Kameraleute in Braunschweig die Arbeit der alliierten Luftangriffe. Journalist Eckhard Schimpf (75) erinnert sich an die zahlreichen Bombenangriffe auf die Stadt und die Bilder, die er seitdem zu verdrängen versucht.

19:00 Linz, Wien, München – Der Verführer

Anfang Mai 1945 erreichen US-Kameraleute das österreichische Linz – Hitlers geliebte Heimatstadt. Von hier aus zieht es ihn zunächst nach Wien. Ab 1913 lebt er fortan in München, wo sein politischer Aufstieg beginnt. Als Diktator träumt Hitler später sogar davon, in seiner Heimatstadt Linz ein „Führermuseum“ zu bauen. Zeitzeugen aus den drei Städten berichten vom Einmarsch der alliierten Truppen nach Kriegsende und teilen ihre Erinnerungen an diese Zeit. Die Schauspielerinnen Marianne Koch (83) und Nadja Tiller (86) erzählen von ihren Erlebnissen in München und Wien.

20:15 Plauen – Die Kindersoldaten

Ein US-Kameramann filmt Ende April 1945 im Vogtland. Plauen ist wenige Tage zuvor völlig zerstört worden. Die Stadt gilt als eine der Keimzellen der nationalsozialistischen Jugendorganisation.

In der „Hitlerjugend“ war die soziale Komponente ein ebenso wichtiger Aspekt wie der Drill. Die Uniform beseitigte alle Standesunterschiede und ließ schon die Jüngsten in der Volksgemeinschaft aufgehen. Das einzige Ziel der Ausbildung: perfekte Soldaten für die Feldzüge des Diktators heranzüchten. Wie chaotisch das Kriegsende verläuft, zeigen Aufnahmen aus Tannenbergsthal bei Plauen. Ein GI wird mit seiner Kamera Zeuge, wie Tausende Deutsche auf der Flucht vor der Roten Armee ihre Waffen abgeben und in amerikanische Gefangenschaft gehen.

Das Erschreckende: Unter ihnen befinden sich viele Kindersoldaten! Im Interview erinnert sich außerdem Literaturkritiker Hellmuth Karasek (81) an seine Zeit auf einer der „Nationalpolitischen Anstalten“ (NAPOLA): „Es gab unendlich viele Bettnässer in der NAPOLA, das waren Angstbettnässer, die sind aufgewacht und sahen, dass ihr Bett nass war und dann rieben sie darauf mit der Faust in der Hoffnung, das wegzubekommen.“

21:15 Pilsen – Die Flucht

Anfang Mai 1945 halten amerikanische Kameraleute ihren Einmarsch auf Zelluloid fest. Als die Alliierten den von der Wehrmacht besetzten Osten befreien, werden Millionen der einstigen „Herrenmenschen“ von der Bevölkerung systematisch vertrieben. Auch Literaturkritiker Hellmuth Karasek (81) und Schauspielerin Ingrid van Bergen (83) werden vertrieben und flüchten. Auf ihrer Flucht erlebt Ingrid van Bergen Traumatisches. Jahrelang begleiten sie ihre Erinnerungen. Ihrer Mutter erzählt sie davon ein Leben lang nichts.

22:15 Amsterdam – Der Völkermord

Ein US-Kameramann filmt Anfang Mai 1945 unter Jubelrufen einziehende kanadische Soldaten. Die Bewohner der Stadt feiern das Kriegsende. 200.000 Menschen kommen während der deutschen Besatzungszeit ums Leben – rund die Hälfte davon sind Juden. Speziell Anne Franks Leidensgeschichte geht nach dem Krieg um die ganze Welt. Wie sie versteckt sich auch der spätere Amsterdamer Bürgermeister Ed van Thijn (90) jahrelang in Hinterhäusern – und wird am Ende entdeckt. Er entgeht der Deportation nur, weil die Züge nicht mehr fahren.

23:15 Berlin – Der Neubeginn

Als die amerikanischen Kameraleute Anfang Juli 1945 nach Berlin kommen, ist die Hauptstadt bereits in alliierte Sektoren aufgeteilt und von Russen und Amerikaner belagert. Die Filmaufnahmen zeigen Trümmerfrauen, aber auch Menschen, die wieder auf dem Ku‘damm flanieren und nach vorne schauen. Zeitzeugen wie Journalist Rolf Seelmann-Eggebert (78) und Schauspieler Gunnar Möller (86) teilen ihre Erinnerungen an das spannungsreiche Kriegsende in Berlin