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ECHO 2017: Marius Müller-Westernhagen erhält Auszeichnung für sein Lebenswerk

Der deutsche Musikpreis ECHO in der Kategorie „Lebenswerk“ geht in diesem Jahr an Marius Müller-Westernhagen. Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), ehrt ihn als eine Persönlichkeit, die die deutschsprachige Rockmusik als Sänger, Songwriter und Performer maßgeblich und nachhaltig geprägt hat.

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Mal rockig, mal nachdenklich: Marius Müller-Westernhagen.
Mal rockig, mal nachdenklich: Marius Müller-Westernhagen. © Daniella Midenge

Das Repertoire des Künstlers, der auch als Schauspieler große Erfolge feierte, umfasst zahllose Klassiker – energiegeladene Rocksongs und mitreißende Stadion-Hymnen ebenso wie sensible Balladen und witzige Milieustudien, die Generationen von Fans tief geprägt haben und bis heute begeistern. Songs wie „SeXy“, „Freiheit“ oder „Wieder hier“ gehören zur DNA der Rockmusik in Deutschland. Marius Müller-Westernhagen hat im Laufe seiner Karriere immer wieder richtungsweisende Akzente gesetzt und seine Kunst selbstbewusst weiterentwickelt. Im Rahmen der großen ECHO-Award-Show am 6. April wird er seine Auszeichnung in der Messe Berlin persönlich entgegennehmen und zudem mit einem seiner Klassiker auftreten. VOX strahlt die von Xavier Naidoo und Sasha moderierte Verleihung am 7. April um 20.15 Uhr aus.

„Marius Müller-Westernhagen gehört zweifellos zu den Pionieren der deutschsprachigen Rockmusik“, so BVMI-Vorstandsvorsitzender Prof. Dieter Gorny. „Wie kaum einem Zweiten ist es ihm gelungen, die ursprüngliche, pure Energie von Rock’n’Roll und Rhythm and Blues kongenial auf Deutsch zu formulieren und kompromisslos mit einer völlig eigenständigen Authentizität aufzuladen. Dabei tritt er mal als knallharter Shouter, mal als leiser Melancholiker auf. Er ist mal erfrischend impertinenter Rebell, mal lakonischer Geschichtenerzähler, der der deutschen Rockmusik durch seine Songs last but not least ein buntes Panoptikum verrückter Figuren geschenkt hat. Fest steht: Westernhagen-Songs bringen das Lebensgefühl ganzer Generationen auf den Punkt und begeistern die Menschen bis heute.“

Westernhagen – Das Songbook seines Lebens

Marius Müller-Westernhagen gilt als Rock-Pionier.
Marius Müller-Westernhagen gilt als Rock-Pionier. © Daniella Midenge

Im Frühsommer 2016 unternahm Marius Müller-Westernhagen mit seiner Band sowie einer Reihe von Freunden und Weggefährten wie Udo Lindenberg eine spektakuläre Erkundungsreise durch das Songbook seines Lebens: In der Berliner Volksbühne entstand das Akustik-Konzert für „MTV Unplugged“. Inszeniert und in einem einmaligen Konzertfilm festgehalten wurde dieses Ereignis von Erfolgsregisseur Fatih Akin.

„Was dabei entstand, ist das Ergebnis eines kollektiven Glaubens und Festhaltens an musikalischer Identität“, schreibt Müller-Westernhagen auf seiner Homepage. Zu hören sind Songs wie „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, „Schweigen ist feige“ und „Taximann“ von seinem Debütalbum „Das erste Mal“ (1974) sowie neuere Titel wie „Alphatier“ oder „Liebe (Um der Freiheit willen)“. Ende Oktober 2016 erschien „MTV Unplugged“ als Album und Konzertvideo. Der Longplayer avancierte zu einem der erfolgreichsten Livealben des Jahres und wurde mit Gold ausgezeichnet. Das Geheimnis des Erfolges: Das Konzert in der Volkbühne weckt Erinnerungen an Sternstunden der deutschen Rockmusik und dokumentiert eindrucksvoll den Werdegang und das ungeheure künstlerische Potenzial einer einzigartigen Künstlerpersönlichkeit.

Seine große Liebe: Rock’n’Roll

Marius Müller-Westernhagen wurde am 6. Dezember 1948 in Düsseldorf geboren. Der Sohn des Schauspielers Hans Müller-Westernhagen war schon früh in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu sehen. Daneben spielte er bereits mit 14 Jahren als Rhythmusgitarrist in einer Düsseldorfer Band. Einem überregionalen Publikum wurde der Musiker Marius Müller-Westernhagen erstmals 1968 bekannt, als er mit seiner Band Harakiri Whoom in dem gleichnamigen Film auftrat. Der talentierte junge Mann zog nach Hamburg und unterschrieb 1973 seinen ersten Plattenvertrag. Nachdem er auf den ersten Alben noch eher als Chansonnier bzw. Liedermacher aufgetreten war, kam mit Longplayer Nummer 4 die Wende. Marius Müller-Westernhagen bekannte sich zu seiner großen musikalischen Liebe, dem Rock’n’Roll. „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ (1978) war ein konsequentes Rockalbum, authentisch, teilweise autobiografisch und für viele provokativ – ein Meilenstein der deutschen Popgeschichte, der bis heute über eine Million Mal verkauft wurde.

Parallel zu seiner Karriere als Musiker arbeitete Marius Müller-Westernhagen weiter als Schauspieler und etablierte sich als Charakterdarsteller. 1978 erhielt er für seine Leistung in dem Fernsehfilm „Der Gehilfe“ die Goldene Kamera. 1980 spielte er die Rolle des liebenswürdigen Underdogs Theo Gromberg in Peter F. Bringmanns „Theo gegen den Rest der Welt“ – mit mehr als drei Millionen Besuchern der erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres.

Doch weder als Schauspieler noch als Musiker wollte sich Marius Müller-Westernhagen festlegen lassen. Er streifte das Theo-Image ab und entwickelte sich künstlerisch weiter. Bald konzentrierte er sich ganz auf die Musik und experimentierte phasenweise mit einem Mix aus Rock und Elektronik. Mit dem Album „Halleluja“ stieg er 1989 in die Liga der Megastars auf. Songs wie „SeXy“, „Willenlos“ oder „Es geht mir gut“ wurden zu Riesenhits, und Alben wie „Jaja“ (1992), „Affentheater“ (1994) und „Radio Maria“ (1998) blockierten für Wochen Platz 1 der Charts. Der Song „Freiheit“ von dem 87er Album „Westernhagen“ wurde während der Ereignisse um den Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung zur Hymne eben jenes Freiheitsgefühls, das nicht nur seine Fans im Osten Deutschlands damals erlebten.

In den 90er Jahren machten zahlreiche nationale und internationale Preise, Gold- und Platinauszeichnungen sowie ausverkaufte Stadien-Tourneen Westernhagen in Deutschland noch vor internationalen Größen wie Michael Jackson oder den Rolling Stones zum erfolgreichsten Musik-Act überhaupt. Davon zeugen auch zahlreiche ECHO-Auszeichnungen in mehreren Kategorien. Für sein gesellschaftspolitisches Engagement gegen Intoleranz und Rassismus erhielt er 2001 das Bundesverdienstkreuz.

Seit er sich auf dem kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere bewusst von den Mega-Events der Stadionkonzerte zurückgezogen hat, beschäftigt sich Marius Müller-Westernhagen wieder intensiver mit seinen musikalischen Wurzeln. In New York nahm er das stark vom Rhythm and Blues geprägte Album „Williamsburg“ auf. Es folgten das Live-Album „Hottentottenmusik“ und 2014 das Studiowerk „Alphatier“, sein insgesamt achter Longplayer, der Platz 1 der Charts erreichte. Mit seiner Ausstrahlung, seiner markanten Stimme und seinem schier grenzenlosen Repertoire starker Songs imponiert Marius Müller-Westernhagen bis heute bei seinen Konzerten. Jüngster Höhepunkt seiner Karriere ist zweifellos „MTV Unplugged“. Über dieses Projekt bekannte der Künstler: „Meine Liebe und Dankbarkeit für alle, die mit mir durch diese Tour de force gegangen sind, ist grenzenlos.“