Ein Abend für Karasek: Wein, Weib und Wissenschaft

Hellmuth Karasek
Unvergessen: Hellmuth Karasek (1934-2015). Foto: Angelika Warmuth © DPA

Hamburg (dpa) - Hellmuth Karasek ist für ihn in zwei Dingen "ein absolutes Vorbild" gewesen, erklärte Fernsehmann Ulrich Wickert am Mittwochabend in der voll besetzten Freien Akademie der Künste in Hamburg: "Er war ein wahnsinnig gebildeter Mensch - und ein sehr demütiger, der über seine Fehler lachen konnte wie sonst kaum keiner."Unter dem Titel "In memoriam Hellmuth Karasek - Erlesenes" erinnerten zehn Freunde und Weggefährten vor 400 Zuschauern an den 2015 mit 81 Jahren gestorbenen Kritiker ("Das literarische Quartett"), Journalisten, Buchautor ("Das Magazin"), Professor der Theaterwissenschaften sowie Genuss- und Familienmenschen.

- Anzeige -

Zu den prominenten Anekdotenerzählern und Vortragenden aus Karasek-Texten des auf Anregung von Autor Michael Jürgs vom Literaturhaus Hamburg gestalteten Abends gehörten Thomas Gottschalk, Günther Jauch, Reinhold Beckmann, Giovanni di Lorenzo und Jürgen Flimm. Sie zeichneten ein facettenreiches Bild des 1934 geborenen Karaseks, der zwei deutsche Diktaturen erlebt hatte und später mit seinen Kenntnissen und Analysen in der "Zeit" und im "Spiegel" ebenso bestach wie mit seinem Witz und seiner Daseinslust.

Gottschalk, der nach einem Sturz den Saal auf Krücken betrat, berichtete von einem launigen Ferienaufenthalt der Karaseks bei ihm zuhause in Kalifornien. "Mit ihm bin ich in Disneyland Achterbahn gefahren - darum sehe ich seine Feuilletons entspannter", sagte der frühere "Wetten, dass ..?"-ZDF-Moderator schmunzelnd über seinen TV-Kollegen.

Jauch schlug dagegen ernste Töne an, las aus Karaseks Memoiren an die Nazizeit und Hungerjahre in der Nachkriegs-DDR, als der spätere Star-Kritiker Teller und Töpfe auslecken musste. Daraus resultierte sicher dessen lebenslange ausgeprägte Freude am Kochen und üppigen Essen.


dpa