SAMSTAGS I 18:00

Fledermäuse

Fledermaus auf einem Finger. Foto: VOX/VP

Vom Aussterben bedroht!

Vielen Menschen fährt der Schreck in die Glieder, wenn sich auf einmal eine Fledermaus in ihre Wohnung verirrt. Denn noch immer werden die fliegenden Säugetiere häufig in Verbindung mit etwas Bedrohlichem gebracht oder gelten als "Blutsauger". Dabei gibt es weltweit nur 3 von rund 900 Arten, die tatsächlich Vogelblut saugen!

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In der Natur führen Fledermäuse tagsüber ein Schattendasein in Häuserspalten und Mauerritzen. Doch kaum ist es dunkel, machen sich die kleinen Jäger nützlich. Eine Fledermaus kann in einer einzigen Sommernacht fast 2.000 Mücken vertilgen! Doch nicht nur ihr zu Unrecht schlechter Ruf ist für die Fledermaus fatal: In Deutschland gibt es schätzungsweise 23 heimische Arten, von denen alle in ihrem Bestand stark gefährdet sind. Schuld daran sind sowohl die Zerstörung der Schlafstätten der Tiere, wie alte Bäume, Höhlen, stillgelegte Bergwerke und die Gemäuer und Dachböden alter Gebäude, als auch die Einschränkung bzw. Zerstörung ihres natürlichen Jagdraumes.

2011 - das Jahr der Fledermaus

hundkatzemaus-Reporterin Diana Eichhorn bei der Auswilderung einer Fledermaus. Foto: VOX/VP

2011 ist in Europa das Jahr der Fledermaus. In dieser Zeit soll verstärkt auf die Gefährdung dieser erstaunlichen Tiere aufmerksam gemacht werden. Schließlich gehören Fledermäuse neben den Flughunden zu den einzigen fliegenden Säugetieren. Um noch mehr über diese schützenswerten Tiere und ihre Eigenarten zu erfahren, macht sich hundkatzemaus-Reporterin Diana Eichhorn auf den Weg zu Dr. Martin Straube. Dieser ist nicht nur Tierarzt und Kurator des Krefelder Zoos, sondern auch absoluter Fledertier-Spezialist und päppelt regelmäßig Tiere auf, um sie später wieder auszuwildern.

Eine Zwergfledermaus soll in die Freiheit entlassen werden und vorübergehend Unterschlupf in einem Fledermauskasten finden. Solche Kästen werden eigens für die Überwinterung bzw. als Ersatzquartier im Frühling und Herbst für Fledermäuse bereitgestellt. In den gemäßigten Breiten halten die Tiere Winterschlaf. Dazu legen sie zum Teil Strecken von über 1.000 km zurück, um sich zugluftfreie Schlafplätze zu suchen, in denen die Temperatur immer einige Grade über 0 °C liegt. Erstaunlich ist, dass die Flattermänner dank ihres hoch entwickelten Richtungssinn immer wieder zu ihren angestammten Winterquartieren zurück finden. Entweder hängen die Fledermäuse in großen Gruppen und dicht gedrängt an der Decke, oder sie suchen sich einzelne Verstecke. Sinken die Temperaturen allerdings unter 4 °C, können die Tiere erfrieren.

Im Gegensatz zu den insektenfressenden Fledermäusen, ernähren Flughunde sich ausschließlich von Obst und Blüten. Und es gibt noch weitere Unterschiede zwischen den beiden einzigen fliegenden Säugetieren: die größte Art der einheimischen Fledermaus ist nämlich kleiner als die kleinste Flughundart. Und Flughunde besitzen neben der Daumenkralle eine zusätzliche Kralle am zweiten Finger, die sie zum Klettern brauchen. Diese Fingerkralle haben Fledermäuse nicht. Weil ihre großen Fledertier-Kollegen große Augen und Ohren haben, können sie sehr gut sehen und hören, während Fledermäuse sich ganz auf ihren Echo-Ortungssinn verlassen. Sie verfügen nämlich über ein hoch entwickeltes Orientierungssystem, das ihnen ermöglicht, auch bei völliger Dunkelheit auf Beutejagd zu gehen: mit Hilfe von Schreien im Ultraschallbereich orten sie Hindernisse und Beutetiere - ein perfektes Echolotsystem!

Hilfe für Fledermäuse

Fledermaus in der Hand. Foto: VOX/VP

Wer Fledermäuse schützen möchte, sollte zunächst auf die Verwendung von Giften im eigenen Garten verzichten und einheimische Gewächse und Pflanzen setzen. Diese sind nämlich wiederum Futterpflanzen für die Insekten, von denen sich die Flattermänner ernähren.

Findet man eine orientierungslose oder verletzte Fledermaus, ist es immer ratsam, einen Experten hinzuzuziehen oder das Fundtier direkt in einer Station abzugeben. Die weitere Versorgung sollte unbedingt einem Fachmann überlassen werden!

Doch auch mit einer ersten kleinen Grundversorgung kann dem Tier bereits weitergeholfen werden, indem man es mit frischem Wasser versorgt und sicher in einer Notbehausung unterbringt: hierzu eignet sich z.B. ein Schuhkarton mit Löchern. Wichtig ist, dass ein Tuch in den Karton gelegt werden sollte, in dessen Falten sich die Fledermaus verkriechen kann. Besteht dann noch die Möglichkeit, das Tier mit Mehlwürmern zu füttern, hat man es optimal erstversorgt!

Kontakt NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V.
Anleitung zum Bau eines Fledermauskastens
Kontakt Zoo Krefeld
Buchtipp: Europäische Fledermäuse
Kennzeichen, Echoortung, Detektoranwendung
Skiba, Reinald
Westarp Wissenschaftenverlagsgesellschaft, 2009
ISBN 978-3-89432-907-5, EUR 29,95
220 Seiten
Buchtipp: Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafrikas
Biologie, Kennzeichen, Gefährdung
Dietz, Christian & Otto von Helversen
Kosmos Verlag, 2007
ISBN 978-3-440-09693-2, EUR 49,90
ca. 400 S., 100 schw.-w. Abb., 400 farb. Fotos, 35 Verbreitungskarten
Buchtipp: Fledermäuse
Beobachten, erkennen und schützen
Richarz, Klaus
Kosmos Verlag, 2004
ISBN 978-3-440-12555-7, EUR 9,95
ca. 128 S., 150 farb. Fotos, 20 farb. Zeichn.
Im VOX-Tierlexikon
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