Game of Chefs: Christian Jürgens im Interview - Der Perfektionist

"Game of Chefs"-Koch Christian Jürgens ist ein "Feuerteufel"

Christian Jürgens ist ab dem 24. Februar 2015 als Jury-Mitglied und Coach bei der neuen Show "Game of Chefs" bei VOX an Bord. Im Interview verrät "der Perfektionist", welches Gericht ihm so gar nicht schmeckt und warum er sich selbst als "Feuerteufel" bezeichnet.

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Was reizt Sie daran, bei "Game of Chefs" als Jury-Mitglied und Coach dabei zu sein?

"Mich reizt an dieser Aufgabe, den Menschen vor dem Bildschirm und auch den Kandidaten zu zeigen, dass Essen mehr als pure Nahrungsaufnahme sein kann und Kochen eine Leidenschaft ist, die einem eine tiefe Freude bereiten kann. Essen kann und sollte immer Genuss sein, sowohl beim Betrachten als auch beim Verkosten Freude bereiten und vor allem sehr viel Spaß machen."

Wie ist es für Sie, gemeinsam mit den anderen Sterne-Köchen vor der Kamera zu stehen? Kannten Sie sich schon vor der Sendung?

"Selbstverständlich kennt man sich untereinander. Holger Bodendorf und Christian Lohse sind regelmäßig unter den besten Köchen Deutschlands zu finden. Wir hatten in der Vergangenheit bei verschiedenen Events immer mal wieder die Möglichkeit, uns gegenseitig auszutauschen. Es sind keine Unbekannten für mich, aber ich habe sie auch nicht jeden Tag angerufen und nach ihrem Befinden gefragt (schmunzelt). Ich bin froh, zwei so gute Kollegen an meiner Seite zu haben! Wir sind in der Sendung nicht immer einer Meinung, was auch gut ist. Da gibt es dann immer wieder offene Diskussionen über den einen oder anderen Kandidaten, aber letztlich finden wir immer eine Lösung. Es macht Spaß mit den beiden, aber es gibt im Hinblick auf die Wettkämpfe auch eine gesunde Rivalität zwischen uns – jeder von uns dreien möchte "Game of Chefs" gewinnen und wir werden da nicht auf Schmusekurs gehen. Aber alles wird von Fairness getragen."

Christian Jürgens: "Ohne Emotionen geht gar nichts"


Wie kann man Sie als Juror überzeugen?

"Wichtig ist für mich in erster Linie der Geschmack, dass es ausgezeichnet schmeckt und das Gericht richtig und gut zubereitet ist: Das Zusammenspiel der Komponenten muss stimmen. Das beste Fleisch nützt zum Beispiel nichts, wenn die Beilage nicht passt. Das gesamte Gericht muss fachliches Können, Kreativität und Leidenschaft widerspiegeln. Ausreden, warum etwas nicht schmeckt, werden nicht akzeptiert. Kochen muss alle Sinne ansprechen, aber an erster Stelle steht der Geschmack, denn der Geschmack ist die Seele eines jeden Gerichts."

Womit kommen Sie morgens in die Gänge?

"Als Erstes muss ich einmal aufstehen (lacht) und im Anschluss treibe ich regelmäßig Sport: Nach dem Frischmachen geht es für eine halbe Stunde aufs Laufband und anschließend mache ich ein paar Kraft- und Dehnübungen. Mir ist auch wichtig, danach noch genug Zeit für ein vernünftiges vitales Frühstück zu haben, denn es ist bekanntlich die wichtigste Mahlzeit, die wir am Tag zu uns nehmen können."

Welche drei Lebensmittel haben Sie immer zu Hause?

"Bei uns findet man immer Milch, Wasser und frische Früchte - je nach Saison."

Und was ist das kurioseste Gericht, das Sie selbst je gegessen oder gekocht haben?

"Das kurioseste und gleichzeitig schlechteste Gericht war definitiv Schneckenleber. So etwas Widerliches habe ich mit Abstand noch nie gegessen. Dabei war es sehr schön und charmant angerichtet. Die Bombe platzte erst beim Probieren – ich habe danach direkt drei Gläser Wasser gekippt."

Verraten Sie uns einen Ihrer Kochunfälle?

"Ich habe schon als kleiner Junge sehr gerne gekocht und experimentiert. Mit etwa acht Jahren habe ich mich an einem Vanilleeis mit flambierten Marillen versucht. Das Rezept hatte ich aus einem Kochbuch ohne Bilder. Dort stand, dass man die abgezogenen Marillen mit gestiftelten Mandeln in einer Kupferpfanne mit Rum und Grand Marnier flambieren sollte. Das Eis habe ich in die Lieblingsgläser meiner Mutter gefüllt und diese ins Eisfach gestellt, damit die Gläser schön gefroren sind. Als Gag hatte ich mir dann überlegt, die Früchte im Glas am Tisch zu flambieren. Und dann passierte es auch schon: Nacheinander platzten die gefrorenen und mitten auf dem Tisch stehenden Gläser. Ich bin froh, dass niemand verletzt wurde, außer das Herz meiner Mutter wegen ihrer ach so tollen Gläser (lacht)."

Christian Jürgens – Der Feuerteufel von "Game of Chefs"?

"Ja vielleicht, Feuer war schon immer mein Element (lacht), weil ich für alle Sachen, die ich tue, brenne. Ohne Leidenschaft geht bei mir nichts."

Was macht "Game of Chefs" in Ihren Augen so besonders?

"Ich finde es außergewöhnlich interessant und spannend, dass hier nicht nur das Kochen gezeigt wird, sondern auch der Mensch, sprich die Person eine wesentliche Rolle einnimmt. Wir fragen uns immer wieder und stellen uns vor, was für ein Mensch hinter dem Gericht steht, was hat er zu sagen, was wird er für eine Geschichte erzählen. Wenn unsere Teams feststehen, dann ist auch so richtig Kochen angesagt, wie es für mich in dieser Form im deutschen Fernsehen noch nicht gezeigt wurde: Dass sich Chefköche in dieser Form um die Kandidaten kümmern, mit ihnen kochen und ihnen nicht nur Aufgaben stellen. Wir versuchen die Kandidaten auf die Aufgaben vorzubereiten und sind dann auch live mit dabei. Bei anderen Formaten ist der Kandidat mehr oder weniger auf sich allein gestellt, der Coach urteilt oder maßregelt oftmals nur. Hier sitzen wir mit unserem Team in einem Boot, geben unsere Erfahrung an sie weiter, um auftretende Schwierigkeiten gemeinsam zu meistern und als Team den Erfolg zu erzielen. Für mich ist Kochen Mannschaftssport und wir arbeiten hier zunächst an einer Mannschaft. Was für mich das besondere an 'Game of Chefs' ist: Wir zeigen, wie es in Küchen zugeht, mit welcher Leidenschaft man den Koch-Beruf leben kann und wie viel dieser auch zu geben hat."

Wie führt man ein Küchen-Team Ihrer Meinung nach am besten?

"Bei mir ist die Mannschaft der Star. Ich möchte, dass sich mein Team gemeinsam den Aufgaben stellt. Es wird immer Mitglieder geben, die besonders gut in einem Bereich sind. Aber sie sollen sich in den Dienst der Mannschaft stellen: Sich gegenseitig den Rücken freihalten und Einzelnen helfen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten optimal für die Gruppe, für das gemeinsame Ziel einzusetzen. Nur so funktioniert Teamarbeit – wir stürmen gemeinsam das Feld. Das ist nicht einfach, ja es ist ein schwieriger Weg, der viel Kraft kostet, sich aber lohnt, da der Erfolg, den wir erreichen, unser aller Erfolg ist und geteilte Freude, die bekanntlich größte Freude ist."

Welche Eigenschaften braucht ein Chefkoch, um langfristig erfolgreich zu sein?

"Man muss Kontinuität zeigen: Der erste Teller, aber auch die nächsten 1.000 Teller, sollten, ja müssen gleichbleibend perfekt sein. Diese Kontinuität und die dahinter stehende Leidenschaft sollten der Küchencrew vorgelebt werden. Der Chefkoch muss für sein Team da sein und berechenbar bleiben, es muss sich auf das verlassen können, was der Chef sagt. Genauso muss sich dieser auf das Wort des einzelnen Teammitglieds verlassen können. Daraus entsteht Vertrauen und Verlässlichkeit sowie gegenseitige Loyalität. Auch Offenheit ist sehr wichtig, denn Schwierigkeiten müssen direkt angesprochen und auf sachlicher Ebene geklärt werden. Dieser Umgang ist die Basis für jede gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. Aber ohne Emotionen geht gar nichts. Ein guter Chef muss das Feuer in den Mitarbeitern entfachen können. Die Grundflamme muss der Mitarbeiter aber selbst in sich tragen."

Verfolgen Sie privat Kochformate?

"Berufsbedingt bleibt mir sehr wenig Zeit, um fernzusehen. Ich finde aber, dass alle Kochsendungen sehr viel dazu beigetragen haben, Kochen trendy zu machen. Ich hoffe auch, dass wir mit 'Game of Chefs' Leute für einen Beruf in der Küche begeistern können. Denn wie in vielen anderen Berufszweigen haben auch wir einen sehr großen Mangel gut ausgebildeten Fachkräften und an interessierten jungen Leuten, die sich zum Koch ausbilden lassen wollen. Es ist mir ein persönliches Anliegen, junge Leute dazu zu bewegen, eine Kochlehre anzufangen. Schwierigkeiten wie eine leistungsgerechte Entlohnung und bessere Arbeitszeiten müssen wir in unserer Branche noch lösen – aber da sind wir an einigen Stellen schon auf einem guten Weg. Wir Drei bei 'Game of Chefs' wollen aber in erster Linie zeigen, wie sehr der Kochberuf begeistern kann und welche Facetten ihn ausmachen. Es ist ein Beruf, der es ermöglicht, seine Kreativität auszuleben, etwas selbst zu erschaffen und anschließend das Ergebnis zu sehen und direkt das Feedback von seinen Gästen zu bekommen."

Sie haben alles erreicht, was man kulinarisch erreichen kann. Haben Sie trotzdem noch Ziele?

"Für mich war der dritte Stern nicht das Ende, sondern ich sehe ihn gleichzeitig als einen Anfang. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich in meinem Beruf das große Ziel erreicht habe. Das heißt aber nicht, dass ich jetzt selbstzufrieden und satt bin. Im Gegenteil, ich will jetzt etwas davon zurückgeben, was mir dieser Beruf bisher gegeben hat und immer noch gibt. Ich schaue auch immer, wohin es mit der Art Gastronomie geht, für die ich stehe: Was kann ich dazu beitragen diese zu verbessern oder wie kann ich neue Trends setzen? Wie können wir die Gastronomie in Szene setzen und für Gäste und Mitarbeiter noch attraktiver machen? Wie bringe ich gute Küche zu den Menschen nach Hause? Es gibt so viele Dinge, auf die ich neugierig bin und die ich genauso zielstrebig und akribisch verfolgen möchte, wie meine drei Sterne – mir wird also bestimmt nicht langweilig."