Game of Chefs: Christian Lohse im Interview - Der Explosive

Christian Lohse: "Ich sehe den Menschen hinter dem Teller"

Bei "Game of Chefs" sucht Sternekoch Christian Lohse ab dem 24. Februar nach dem besten Kochtalent Deutschlands. Im Interview verrät "der Explosive", dass es ihm vor allem darum geht, dass die Gerichte Menschen glücklich machen. Privat ist er ein echter Weinliebhaber.

- Anzeige -

Was reizt Sie daran, bei "Game of Chefs" als Jury-Mitglied und Coach dabei zu sein?

"Da gibt es für mich mehrere Dinge: Zum einen reizt es mich, eng mit Holger Bodendorf und Christian Jürgens zusammenzuarbeiten. Christian Jürgens kenne ich weniger, mit Holger Bodendorf habe ich schon zusammengearbeitet – wir mögen uns und sind befreundet. Mein Team im späteren Verlauf der Sendung zu führen, ohne eingreifen zu dürfen – das finde ich ebenfalls sehr reizvoll! Ich kann ja nur verbal und mit Gesten lenken, um das Maximum aus den Kandidaten herauszuholen – schmecken darf ich nicht. Beim Anleiten steht bei mir Menschlichkeit ganz weit im Vordergrund – anders als bei manch anderem Profikoch. Ich definiere die Küche als Atelier, kreatives Labor und natürlich auch als hartes Arbeitszentrum, aber diesen militärischen Drill, den man oftmals von Profiküchen kennt, werde ich hier bei 'Game of Chefs' nicht zeigen. Das sollen die anderen beiden Köche machen (lacht)."

Wie ist es für Sie, gemeinsam mit den anderen Sterne-Köchen vor der Kamera zu stehen? Kannten Sie sich schon vor der Sendung?

"Holger Bodendorf kenne ich schon seit 20 Jahren, in denen wir viele Veranstaltungen zusammen gemacht haben. Und wenn ich auf Sylt bin, wohne ich immer bei ihm. Wir sind Freunde. Christian Jürgens habe ich bisher dreimal in meinem Leben getroffen und wir lernen uns jetzt hier bei "Game of Chefs" kennen. Wir drei sind sehr unterschiedliche Charaktere. Ich bin nicht so ein Romantiker wie die beiden – ich fasse mich da kürzer. Außerdem habe ich einen besonderen Sinn für Humor, vor allem für den britischen Humor mit seinem Sarkasmus und Zynismus."

Für den "Game of Chefs"-Koch ist Wein "ein Lebenselixier"


Wie kann man Sie als Juror überzeugen?

"Zunächst kann mich hier bei 'Game of Chefs' nur der Teller überzeugen, was für mich unheimlich schwierig ist. Denn ich muss auch den Menschen hinter dem Teller sehen. Also suche ich auf dem Teller nach Rückschlüssen auf den Menschen: Wir hatten hier zum Beispiel einen Teller, der war unglaublich intelligent gemacht. Er hatte alle Elemente, die man braucht, um einen Menschen glücklich zu machen. Das hat mich überzeugt. Was ich überhaupt nicht brauche, sind Angeber mit Chichi auf dem Teller."

Womit kommen Sie morgens in die Gänge?

"Ich stehe auf und trinke jeden Morgen einen halben Becher lauwarme Misosuppe oder Hühnerbrühe. Die habe ich zuvor eingefroren und mache sie mir nur in der Mikrowelle warm. Dann trinke ich eine Tasse schwarzen Tee. Das reicht mir, um in die Gänge zu kommen."

Welche drei Lebensmittel haben Sie immer zu Hause?

"Erstens Eiswürfel: Ich liebe Eis in den Händen. Wenn du den ganzen Tag am Herd gestanden hast, den ganzen Tag Hitze hattest, ist es schön, Eis in den Händen zu haben - damit bringe ich sozusagen meine Hände runter.

Zweitens Sorbet von unserem Italiener: Ich liebe Himbeeren, Pistazien und Erdbeeren!

Drittens Butter und Brot."

Welche Utensilien sind für Sie in der Küche unverzichtbar?

"Ein spezieller französischer Sparschäler, ein großes und ein kleines Sägemesser, eine Palette, eine Zange und ein Messer mit einer glatten Klinge."

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsgericht?

"Ich habe kein Lieblingsgericht per se. Am liebsten mag und verarbeite ich die jeweiligen Produkte der Saison."

Was macht "Game of Chefs" in Ihren Augen so besonders?

"Zum einen die Blindverkostung, nämlich dass ich nur den Teller sehen und bewerten kann, nicht den Menschen. Wie sich inzwischen für mich herausgestellt hat, ist dies aber auch gleichzeitig eine große Schwierigkeit: Man hat da ganz tolle, starke Charaktere, die ich aber gemeinsam mit meinen 'Game of Chefs'-Kollegen rausgeschossen habe, weil sie aufgrund ihrer Nervosität nicht das auf den Teller gebracht haben, was sie eigentlich können. Dann freue ich mich auf die Wettkämpfe, bei denen unterschiedliche Jurys die Gerichte unserer Teams bewerten. Da werde ich im Kampf gegen Holger Bodendorf und Christian Jürgens sehr viel Spaß haben!"

Gibt es Kandidaten, die Sie ganz besonders fasziniert haben? Und warum?

"Mich hat unter anderem der Kandidat Steffen mit dem Gericht Stierhoden fasziniert, weil er sich an so etwas Außergewöhnliches heran getraut hat. Und Avedik, der Tolma (mit Hackfleisch gefüllte Weinblätter) und fruchtigen Taboulehsalat zubereitet hat, konnte so unglaublich gut schmecken, auf seinem Teller lag eine ganze Bandbreite an Geschmäckern. Das hat mich sehr beeindruckt."

Wie führt man ein Küchen-Team Ihrer Meinung nach am besten?

"Mit Respekt! Und nicht, indem man es anschreit, wie es häufig in Profiküchen der Fall ist. Ich führe seit 15 Jahren ein Restaurant – ich muss gar nicht mehr laut werden. Ich spreche lieber mit den Leuten. Wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter einen Tag nicht gut drauf ist, schicke ich ihn nach Hause."

Welche Eigenschaften braucht ein Chefkoch, um langfristig erfolgreich zu sein?

"Er muss verstehen, dass er nicht für sich, sondern für andere arbeitet. Und dass er Freude gibt. Und er muss verstehen, dass er mit Menschen arbeitet und die muss er respektieren – so dass man sich morgens freudig in die Augen schaut. Oder kurz gefasst: Respekt, Demut, Freude. Wunderbar!"

Sie haben fast alles erreicht, was man kulinarisch erreichen kann. Haben Sie trotzdem noch Ziele?

"Ich möchte noch sehr lange mit Menschen arbeiten und noch so lange es geht in diesem Beruf tätig sein und Menschen glücklich machen. Ich möchte noch lange nicht in Rente gehen! Ich könnte mir auch vorstellen, in die Haute Provence zu ziehen. Dort würde ich einen Kochsalon eröffnen, für maximal 14 Personen. Ich würde vormittags auf dem Markt einkaufen, dann kochen, dann die Gäste bedienen. Jeder kann seinen Wein mitbringen. Ich würde nur Korkgeld nehmen: bei sechs Flaschen gibt es eine für mich, bei 12 Flaschen gibt es zwei für mich. Ich will gar kein Geld für mein Essen haben. Ich möchte lieber Wein. Denn Wein ist für mich Lebenselixier."