Game of Chefs: Holger Bodendorf im Interview - Der Relaxte

Für den "Game of Chefs"-Koch sind die Hände das Wichtigste

Holger Bodendorf ist ab dem 24. Februar bei "Game of Chefs" zu sehen und hat dabei vor allem eins: Spaß. Im Interview erzählt "der Relaxte" welche Eigenschaften man als Koch haben muss und gesteht, dass weniger manchmal mehr ist.

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Was reizt Sie daran, bei "Game of Chefs" als Jury-Mitglied und Coach dabei zu sein?

"Es reizt mich, dass 'Game of Chefs' ein neues Format bei einem sehr beliebten Sender ist. Wichtig ist für mich, dass wir mit den Kandidaten eine tolle Show machen und dass wir als Jury und Coaches Menschen aller Couleur und aller Altersklassen dazu bewegen, bessere Köche zu werden."

Wie ist es für Sie, gemeinsam mit den anderen Sterne-Köchen vor der Kamera zu stehen? Kannten Sie sich schon vor der Sendung?

"Mit Christian Lohse habe ich ein ganz enges Verhältnis, wir haben oft zusammen gekocht. Er war Gastkoch bei mir und ich war auch schon Gastkoch bei ihm. Auch privat schätzen wir uns. Christian Jürgens und ich haben auch schon zusammen gekocht, beispielweise hier in Berlin für die Deutsche Bank für 800 Personen. Ich glaube, es ist wie in jeder Branche: Wenn du Profi bist, dann funktioniert die Zusammenarbeit. Und bei uns Dreien gibt es zwei Dinge nicht: Neid und Missgunst."

Gibt es eine Rollenverteilung?

"Nicht, dass ich wüsste (lacht). Nein, wir sind alle einigermaßen wortgewandt, so dass wir uns das Wasser nicht gegenseitig abgraben. Es läuft insgesamt sehr gut - wir haben jede Menge Spaß vor der Kamera."

Holger Bodendorf kann mit Stierhoden wenig anfangen


Wie kann man Sie als Juror überzeugen?

"Wenn der Teller auf mich zugerauscht kommt, dann will ich Folgendes sehen: Es muss toll angerichtet sein und gut riechen. Wenn man schon über 30 Jahre in diesem Job ist, dann erkennt man auf den ersten Blick, ob ein Gemüse richtig gegart ist. Ich will auch erkennen können, dass sich der Koch Gedanken gemacht hat, das Gericht logisch aufgebaut ist und die Komponenten passen. Dabei braucht es nicht viel Chichi – drei Komponenten gut gekocht sind manchmal mehr als 12, bei denen man am Ende eine geschmackliche Achterbahn hat. Mit Achterbahnfahren gewinnt man bei 'Game of Chefs' nicht."

Kann man bei den Gerichten die Persönlichkeit des Kochs herausschmecken?

"Wir haben uns teilweise schon sehr gewundert bzw. hatten großen Respekt vor dem Koch, wenn wir ihn dann das erste Mal gesehen haben. Da steht dann zum Beispiel eine Dame von 68 Jahren in afrikanischer Landestracht vor dir – da will man erst einmal aufstehen und sagen: 'Hut ab!' Aber man kann so etwas vorher nicht absehen. Man kann sicherlich bei der Verkostung erkennen, ob es sich um einen Profi oder Amateur handelt. Und auch bei vielen exotischen Gerichten lässt sich erschmecken, dass derjenige einen entsprechenden Hintergrund hat."

Womit kommen Sie morgens in die Gänge?

"Ach, ich brauche nur eine Tasse Kaffee und dann läuft das – auch wenn ich abends meist sehr lange arbeite, da ich neben der Küche noch ein Hotel führe."

Welche drei Lebensmittel haben Sie immer zu Hause?

"Ganz wichtig sind für mich ein schönes Meersalz sowie ein gutes Olivenöl – und dann noch eine gute Flasche Barbecue-Soße."

Welche Utensilien sind für Sie in der Küche unverzichtbar?

"Ich habe eine Leidenschaft, die völlig verpönt ist: Ich mache alles mit einer kleinen Gabel! Auch wenn einem schon in der Lehrlingszeit beigebracht wird: 'Stich nicht mit der Gabel ins Fleisch, das gerade angebraten wird!' Ich steche zwar nicht rein, aber ich drehe es mit einer kleinen Gabel. Ich bin da ein ganz ehrlicher Koch: Man braucht in meiner Küche keine Maschinen, keine Mix- oder Rührstäbe. Das Wichtigste sind die Hände und ein gutes Messer."

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsgericht?

"Das ist ganz klar die Rinderroulade meiner Mutter. Die esse ich schon seit meiner Kindheit gerne – einfach toll geschmort, mit toller Füllung und toller Soße sowie einfache, aber ehrliche Kartoffeln dazu. Meine Mutter ist nebenbei gesagt auch gelernte Köchin. Ein Kandidat, der uns bei 'Game of Chefs' Roulade serviert, wird es also ganz schwer haben (lacht)."

Und was ist das kurioseste Gericht, das Sie selbst je gegessen oder gekocht haben?

"Hier bei 'Game of Chefs' habe ich schon zweimal Kalbsherz gegessen, was ich sicherlich überhaupt nicht mag. Und Stierhoden, wie von einem anderen Kandidaten serviert, ist auf meiner Liste auch nicht weit oben.

Was macht "Game of Chefs" in Ihren Augen so besonders?

"Dass es ein tolles neues Format ist und die einzelnen Kandidaten. Teilweise bedauert man ja schon, einem Kandidaten nicht insgesamt zwei Messer gegeben zu haben. Viele haben sich ja wirklich viele Gedanken gemacht, was sie uns präsentieren."

Gibt es Kandidaten, die Sie ganz besonders fasziniert haben? Und warum?

"Da gibt es einige: Die 68-jährige Mary, die sehr beeindruckend war. Kandidatin Maureena kam in thailändischer Landestracht und hat die Mutter reingeholt, die mal probieren sollte. Dann erinnere ich mich noch an Björn, der ein veganes Restaurant betreibt. Das sind nicht immer Kandidaten, die auch weitergekommen sind. Es waren einige dabei, die wir so durchgewunken haben und dann gab es auch Köche, deren Lebenslauf sehr interessant ist. Bei Lucas zum Beispiel, da kenne ich den Lehrmeister."

Wie führt man ein Küchen-Team Ihrer Meinung nach am besten?

"Ich glaube diesen einen Weg, wie man eine Küche führt, den gibt es heutzutage nicht mehr. Zu meiner Lehrzeit hieß es seitens des Küchenchefs: 'Diese Richtung, alle mir nach!' Heute muss man mit den Menschen anders umgehen, sie auch fragen, wozu sie bereit sind. Ich frage zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen, ob jemand bereit ist, meinen Weg mitzugehen. Hier bei 'Game of Chefs' müssen wir uns auch zunächst einmal zusammensetzen und überlegen, welcher 'unser Weg' sein kann. Wir müssen die Stärken jedes Teammitglieds berücksichtigen und dann gemeinsam abstimmen, wohin es mit dem Kochen geht. Bei den Wettkämpfen werden wir die Qualitäten eines Einzelnen für das gesamte Team nutzen. Ich möchte am Ende eine perfekte Leistung, aber der Weg dahin ist individuell."

Welche Eigenschaften braucht ein Chefkoch, um langfristig erfolgreich zu sein?

"Ganz sicher braucht man Beharrlichkeit, um dranzubleiben. Doch das Wichtigste ist die Leidenschaft und die Fähigkeit, sich jeden Tag neu zu motivieren. Für mich persönlich, muss ich sagen, ist Kochen Entspannung. Ansonsten braucht es natürlich eine gute Logistik und gute Mitarbeiter, um erfolgreich zu sein."

Sie haben fast alles erreicht, was man kulinarisch erreichen kann. Haben Sie trotzdem noch Ziele?

"Ich kann gar nicht sagen, wohin es beruflich geht. Das Wichtigste ist, dass wir uns ständig verbessern müssen. Sonst würde ich es gar nicht machen. Wir haben ein 5-Sterne-plus-Hotel, ich habe einen Stern, 18 Punkte im GaultMillau – das ist alles für das Restaurant, das ist alles gut. Aber wir haben noch ein zweites Restaurant, da sind wir gerade dabei, ein neues Konzept zu erarbeiten. Wir arbeiten Stück für Stück daran, dass unsere beiden Häuser weiterkommen. Ich wollte ein Kino im Hotel haben, jetzt habe ich das kleinste Hotelkino Deutschlands. Und so geht es immer weiter. Wir versuchen es jeden Tag besser zu machen als am Vortag. Der nächste Stern ist auch immer ein Ziel, sonst würde man das alles ja nicht machen. Aber als Unternehmer muss man auch sehen, dass die Zahlen stimmen - und ein zweiter Stern kostet auch nochmal ein bisschen mehr Geld. Wenn wir einen weiteren Stern bekommen, dann ist das toll, aber kein Muss. Ich wollte immer einen eigenen Stern haben, den habe ich 1999 bekommen. Ich werde jetzt auf jeden Fall nicht anders arbeiten und immer die Weiterentwicklung im Blick behalten."