Dienstags I 20:15

Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?: Jurorin Inge Szoltysik-Sparrer im Interview

Inge Szoltysik-Sparrer ist Jurorin bei "Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?"
Jurorin Inge Szoltysik-Sparrer schätzt Guido Maria Kretschmer sehr. © Andreas Friese, VOX / Andreas Friese

Inge Szoltysik-Sparrer legt großen Wert auf professionelles Arbeiten

Inge Szoltysik-Sparrer wurde am 14.2.1959 in Iserlohn geboren. Ihrer Leidenschaft zum Nähen ging sie bereits im zarten Alter von vier Jahren nach. Bei "Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?" legt sie großen Wert auf prossionelles Arbeiten, wie sie auch im Interview verrät.

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"Geschickt eingefädelt" geht in die nächste Runde. Worauf freuen Sie sich in der 2. Staffel besonders?
In der 2. Staffel freue ich mich besonders auf die Zusammenarbeit mit Guido, die wirklich sehr lustig und unterhaltsam ist. Ich schätze Guido sehr! Und ich freue mich natürlich auf die neuen Kandidaten. Wir haben wieder acht spannende Teilnehmer dabei und da interessiert mich natürlich sehr ihr Näh-Know-how. 

Hat sich Ihre Aufgabe innerhalb des Näh-Wettbewerbs geändert?
Meine Aufgabe hat sich überhaupt nicht verändert. Die war in der 1. Staffel klar definiert, genau wie jetzt auch. Ich bin hier in meiner Funktion als Vorsitzende des Bundesverbandes aus dem Maßschneiderhandwerk. Ich vertrete also das Maßschneiderhandwerk und da habe ich einfach eine professionelle Messlatte. Ich musste weder in der 1., noch in der 2. Staffel eine Rolle spielen. Zum Schönen und Angenehmen an dieser Aufgabe gehört außerdem, dass das Nähen genau mein Metier ist. Alles, was ich hier tue, gehört zu meinem Tagesgeschäft.

Können sich die Zuschauer auf weitere Veränderungen freuen oder bleibt es beim Konzept der 1. Staffel?
Natürlich ist die Grundstruktur wie in der 1. Staffel. Dennoch ist an einigen Punkten ein wenig geschliffen worden, wie zum Beispiel durch Änderungen an den Aufgabenstellungen. Ich bewerte auch öfter anonym, sehe also nicht, wer was gemacht hat. Das ist für mich sehr spannend, weil ich mich dann nicht nur auf den Kandidaten, sondern auch auf das Endergebnis besser einlassen kann. Auf der anderen Seite ist das auch sehr aufregend für die Kandidaten – denn natürlich möchten sie auch von mir bewertet werden, sozusagen eine Expertenmeinung über ihr Niveau hören. Das ist durch die anonyme Bewertung sehr spannend!

Wie ist Ihr Eindruck von den Kandidaten der 2. Staffel? 
In der 2. Staffel ist das Niveau der Kandidaten deutlich höher! Wir haben sofort bei der ersten Folge beziehungsweise bei der ersten Aufgabe gemerkt, dass die Kandidaten nahe beieinander liegen und dass es für uns als Jury verdammt schwierig werden wird, die Unterschiede zu erkennen und dementsprechend eine Bewertung abzuliefern. Also wie gesagt: Was das technische Können betrifft, liegen alle knapp beieinander. Erst durch die Aufgabensteigerungen und durch die unterschiedliche Kreativität der Hobbynäher werden Unterschiede erkennbar. Aber von den Basics her sind alle relativ gut ausgestattet zu uns gekommen.

Welchen neuen Herausforderungen müssen sich die Hobbynäher stellen?
Zu den neuen Herausforderungen gehört, dass diesmal sehr schwierige Materialien dabei sind. Es gibt zwar Aufgaben, bei denen die Kandidaten selbst ihre Materialien auswählen können, aber auch welche, bei denen diese vorgegeben sind, wie bei den Upcycling-Herausforderungen. Und genau die sind in dieser Staffel sehr schwierig gestaltet. Da zucke sogar ich bei den Grundmaterialien zusammen. Es gehört schon viel technisches Know-how dazu, zum Beispiel, dass man sich gut mit der Nähmaschine und dem Bügeleisen auskennt.

Setzen Sie nach der 1. Staffel andere Prioritäten bei der Beurteilung?
Ich habe sozusagen meine Maßschneider-Messlatte. Mein Augenmaß ist im Auge integriert und ich lege Wert auf Handarbeiten. Das wissen die Kandidaten aber mittlerweile. Und letztendlich haben die Hobbyschneider der neuen Staffel den Vorteil, dass sie wissen, worauf sie sich einlassen. Diesen Vorteil hatten die Teilnehmer der 1. Staffel nicht.

Welche Eigenschaften sollte man als Näh-Anfänger mitbringen?
Als Näh-Anfänger sollte man Geduld mitbringen und auch bereit sein, rückwärts zu arbeiten. Das heißt: Man sollte in Kauf nehmen können, etwas Genähtes wieder aufzutrennen. Ein weiterer Vorteil ist, wenn man das richtige Händchen bei Farben und Formen für die Stoffauswahl hat. Und man sollte leicht anfangen. Nicht gleich mit einem Mantel oder einem Blazer, sondern eher mit einem einfachen Teil. Für uns im Atelier ist das der Basisrock. Damit beginnen auch unsere Auszubildenden. Daran lernt man am besten, wie man Abnäher oder eine gerade Linie näht oder einen Saum schön einbügeln kann. Mit den einfachen Dingen beginnen und nicht sofort aufgeben, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Lieber klein anfangen, statt sich zu überschätzen oder selbst zu demotivieren.

Das sagt Inge Szoltysik-Sparrer zu "Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?"

Welchen Stellenwert hat Nähen in Ihrem Leben? 
Das Nähen hat in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert. Es begleitet mich, seitdem ich zurückdenken kann. Ich habe schon als Vorschulkind mit dem Nähen angefangen. Es gehört mit zu meiner Lebensaufgabe, anderen Menschen das Nähen beizubringen. Das alles geht einher mit der richtigen Kleiderwahl und dem Anspruch, gut gekleidet durchs Leben zu gehen. Ich könnte mir ein Leben ohne das Nähen nicht mehr vorstellen!

Gibt es ein Kleidungsstück, das Sie noch nie selbst genäht haben? 
Zu den Kleidungsstücken, die ich noch nie selbst genäht habe, gehört ein Skianzug. Das ist tatsächlich etwas, das ich mir gekauft habe. Hier treffen viele Verarbeitungskriterien und Materialien aufeinander, bei denen ich dann einfach gesagt habe: „Ok, das kaufe ich mir fertig!“

In der 1. Staffel haben Sie das erste Mal mit Hobbyschneidern zusammengearbeitet – was haben Sie daraus mitnehmen können?
Von den Hobbyschneidern habe ich gelernt, dass es ganz unterschiedliche Methoden geben kann, ein Kleidungsstück anzufertigen. Hier wird gehämmert, getackert oder es werden Kleidungsstücke mit Nieten verbunden. Bei uns Näh-Erfahrenen sind es ja in erster Linie Nadel und Faden. Außerdem konnte ich das Gefühl mitnehmen, dass innerhalb des Leistungswettbewerbs eine Gemeinschaft und Verbindung zwischen dem Team entsteht. Aber auch, dass Hobbyschneider sich oft selbst überschätzen. Zwischen Amateuren und Maßschneidern besteht eben doch ein großer Unterschied. Da können Welten zwischen dem Endergebnis liegen. Hobbyschneider drücken öfter mal ein Auge zu, was Maßschneider sich nicht erlauben, wenn es um das Abliefern eines Endergebnisses geht.

Sie sind bei "Geschickt eingefädelt" berühmt-berüchtigt für Ihr genaues Augenmaß – werden Sie in der neuen Staffel eher ein Auge zudrücken oder noch genauer hinsehen?
Ich bin, wie ich bin. Es fällt mir sehr schwer, mich dabei zurückzunehmen oder Dinge einfach zu übersehen. Das ist eine Grundhaltung von mir. Im Theater saß kürzlich jemand im karierten Sakko vor mir und das Karo passte in der hinteren Mitte nicht zusammen. Das hat mich ganz verrückt gemacht, sodass ich mich gar nicht mehr auf das Theaterstück konzentrieren konnte. Oder wenn jemand in der Stadt vor mir hergeht und der Saum ist schief, dann muss ich denjenigen überholen, weil ich sonst immer dorthin gucken muss. Es gibt Details, die kann man als Vollprofi nicht ertragen. Für andere ist das vielleicht ein nicht nachvollziehbarer Spleen oder Tick.

Wie sieht es bei Ihren eigenen Näh-Arbeiten aus? Lassen Sie dort auch mal Fünfe gerade sein oder muss alles absolut perfekt sitzen?
Sowohl bei meinen eigenen Näharbeiten als auch bei allen, die unser Atelier verlassen, muss immer alles perfekt sein. Das Schöne bei meiner Rückkehr ins Atelier nach der 1. Staffel war, dass meine Mitarbeiter mir sagten: „Sie waren doch nicht streng. So sind Sie doch immer. Wir sind doch noch viel strenger.“ Meine Mitarbeiter sind tatsächlich viel strenger als ich. Sie wissen, dass ich Fehler entdecken würde und daher sind sie selbst bei ihren Arbeiten extrem konzentriert und streng. Wir mögen es überhaupt nicht, rückwärts zu arbeiten. Es ist wirklich sinnvoller, im Vornhinein Perfektion anzustreben. Das heißt aber nicht, dass einem immer alles gelingen muss.

Was für ein Näh-Typ sind Sie? Lösen Missgeschicke an der Nähmaschine eher Frustration aus oder wecken sie erst recht Ihren Ehrgeiz?
Das ist ein Strudel, in den ich schnell komme. Dass Perfektionismus einem selbst auch schnell zum Verhängnis werden kann, das ist ganz klar. Wenn man etwas auftrennt und es wird nur schlimmer, dann ist es manchmal vielleicht doch sinnvoller, man hätte es einfach dabei belassen. Es gibt Materialen, die machen das alles mit. Mit Wolle kann man viel machen. Aber mit Stoffen wie Seide oder Kunstleder ist es manchmal wirklich besser, man belässt es dabei. Man muss versuchen abzuwägen, ob eine Nachbesserung wirklich hilft. Auch wenn es mir dann schwer fällt, muss ich manchmal auch bei meiner eigenen Arbeit mal ein Auge zudrücken.

Die besten drei Kandidaten kämpfen um den Titel
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