Dienstags I 20:15

Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?: Star-Designer Guido Maria Kretschmer im Interview

Guido Maria Kretschmer
Guido Maria Kretschmer wird Nähtutorials in der zweiten Staffel von "Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?" zeigen. © Andreas Friese, VOX / Andreas Friese

Guido Maria Kretschmer will, dass die Kandidaten Nadel und Faden lieben

Guido Maria Kretschmer, geboren am 11.5.1965 in Münster, begann seine Modedesignkarriere bereits im Alter von neun Jahren, als er seine erste Nähmaschine geschenkt bekam. Worauf es in der zweiten Staffel von "Geschickt eingefädelt - Wer näht am besten?" ankommt, verrät er im Interview.

- Anzeige -

Das erwartet Guido Maria Kretschmer von der zweiten Staffel "Geschickt eingefädelt"

Welchen neuen Herausforderungen müssen sich die Hobbynäher stellen?
In dieser Staffel verlangen wir vor allem technisch Einiges von den Hobbyschneidern. Besonders freue ich mich auf die tollen Upcycling-Aufgaben, die wir dieses Mal haben. Viele Leute haben alte Klamotten zu Hause – und dieses Umwandeln von alt auf neu ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein großes Vergnügen. Da haben wir ganz tolle Materialien herausgesucht, bei denen man normalerweise denken würde: „Was? Daraus kann man Klamotten machen?“ Das ist für mich ein kleines Highlight der Sendung. 

Auf welche weiteren Veränderungen können sich die Zuschauer freuen?
Ich bin jemand, der den Menschen gerne Geschichten erzählt. Dieser Staffel habe ich auch noch mehr meinen eigenen Stempel aufgedrückt, da ich noch mehr Zeit mit den Kandidaten verbringe. Ich kann ihnen Geschichten erzählen und dadurch auch das Nähen amüsant verpacken. Ich glaube, dass wir außerdem tolle Beispiele für viele Näh-Interessierte zeigen. Aber auch die Zuschauer, die denken, dass nähen nicht so ihr Ding ist, werden gut unterhalten. Ich würde das Format als entschleunigtes Fernsehen beschreiben, was ich sehr schön finde. Wir suchen zwar einen Gewinner, aber auf eine ganz sanfte Art. Wenn bei uns jemand geht, dann ist es ganz entspannt. Denn die Kandidaten sind Hobbyschneider und wenn sie gehen, dann verlieren sie nicht ihr ganzes Leben. Dann gehen sie zurück und sind wieder Verwaltungsangestellte, Anwälte oder was auch immer sie beruflich machen.

Setzen Sie nach der 1. Staffel andere Prioritäten bei der Beurteilung?
Nein, für mich ist es so geblieben wie in der 1. Staffel. Ich bin sehr eng verbunden mit den Menschen und mit der Mode. Inge macht es auch so auf ihre Art – sie ist eher die kleine „Pingel-Inge“, die auf die technischen Dinge achtet. Ich bin da etwas breiter bespielbar, weil ich auch die Fantasie der Kandidaten betrachte. Ich finde es toll, wenn sie zum Teil völlig irre Sachen machen. Ansonsten hat sich für mich nichts geändert. Das Einzige, das sich in dieser Staffel verändert hat, ist das Näh-Niveau. Ich habe das Gefühl, dass es bei den meisten noch höher ist. Letztes Jahr hatten wir Leute, die sehr gut waren, manche, die eher schwach waren und manche, die okay waren. Dieses Jahr sind sehr viele sehr gut. Dadurch ist es manchmal sehr schwierig, eine Entscheidung zu treffen. Die Kandidaten sind oft nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt und man kann kaum sagen, wer schlechter näht. Das ist eine wirkliche Herausforderung in diesem Jahr.

Star-Designer Guido Maria Kretschmer sucht nach Kreativität

Wie ist Ihr Eindruck von den Kandidaten der 2. Staffel? 
Wir haben tolle Kandidaten, da ist von allem etwas dabei und es sind sehr interessante Persönlichkeiten. Einer ist gerade erst 18 Jahre alt und macht zurzeit sein Abitur. Eine andere ist fast 70 Jahre alt und schon in Rente. Einer ist Familienvater von zwei Kindern, der gerne Mittelalter-Kleidung näht und Nähen über alles liebt. Einige von ihnen träumen schon ihr Leben lang davon, Designer zu werden. Die eine kann sticken, dass die Heide wackelt und die nächste ist eine ganz kleine zarte Maus, die Lehrerin werden möchte. Es ist wirklich toll, ihnen allen zuzusehen. Ich finde es schön, dass wir in diesem Jahr Leute dabei haben, die noch besser nähen können. Ich bin fasziniert von dem Niveau unserer Kandidaten. Da sind wirklich zwei oder drei Hobbyschneider dabei, die ohne Probleme in einem Nähatelier anfangen könnten. Und die haben sich alles selbst beigebracht. Da kann ich nur sagen: Chapeau!

Hat „Geschickt eingefädelt“ Sie auf irgendeine Art und Weise als Modedesigner inspiriert?
Ich habe jetzt zumindest einen anderen Blick auf Druckstoffe und auf einen etwas anderen Style von Mode. Ich habe einen Blick für die vielen kleinen und auch schrägen Sachen, die die Leute machen. Zum Beispiel hübsche Kleinigkeiten auf extrem bedruckten Stoffen oder aus harten Baumwollstoffen. Das war früher überhaupt nicht mein Ding und jetzt denke ich: „Och, das ist doch ganz süß.“ Mittlerweile mag ich das auch gerne, wenn ein Marienkäfer aus einer Tasche krabbelt oder sowas. Ich liebe das und ich weiß um die Vielfalt des Nähens. Aber meinen eigenen Style hat es jetzt nicht beeinflusst.

In der neuen Staffel wird man Sie in Tutorials an der Nähmaschine sehen. Was genau können die Zuschauer von Ihnen lernen?
Die Zuschauer können auf jeden Fall lernen, dass jeder nähen kann. Sobald man eine Nadel in die Hand nimmt, zwei Läppchen Stoff hat und den ersten Stich durch den Stoff zieht, dann kann man sagen: „Ich kann nähen!“ oder zumindest „Ich nähe!“ Das ist ein bisschen wie bei Yoga. Da kann man auch sagen: „Ich kann mich schon bewegen.“ Man muss sich einfach trauen und merkt dann, dass Nähen eigentlich überhaupt nicht schwierig ist. Man muss nur die Angst verlieren, sich an eine Nähmaschine zu setzen. Aber man kann auch mit den Händen ganz gut nähen. Ich habe ja auch in meinem letzten Buch als letzten Satz geschrieben: „Wenn morgen der ganze Strom ausfällt, dann gucken alle in die Röhre. Und wir nehmen einfach die Nadel, fädeln wieder ein und nähen weiter.“ Und das ist es: Man muss sich nur besinnen, dass man mit den Händen und ein bisschen Fantasie alles machen kann. Das ist nicht nur ein Talent, sondern es ist auch ein Handwerk und das kann man lernen. Genauso wie man Autofahren, Fahrradfahren oder Schwimmen lernen kann. Dann ist man befreiter und hat ein schöneres Leben. Nähen macht Freude und ist auch eine Art Meditation, weil man dort viele Dinge einfach vergisst und es entspannter macht. Das ist manchmal billiger als ein Meditationskurs. Das ist wirklich ein Vergnügen.

Die besten drei Kandidaten kämpfen um den Titel
00:00 | 00:25

Das große Finale steht bevor

Die besten drei Kandidaten kämpfen um den Titel