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Goodbye Deutschland: Ein Schicksalsschlag war der Auslöser der Auswanderung

Für die Familie und gegen den Alltagsstress
Für die Familie und gegen den Alltagsstress Angelo Kelly blickt auf eine traurige Zeit zurück 00:09:52
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Keine andere Wahl

Angelo Kelly war als Kind ein Teil einer erfolgreichsten Band der neunziger Jahre – der „Kelly Family“. Rund zwanzig Jahre später hat der kleine Junge mit der blonden Walle-Mähne sich zum Mann gemausert und macht mittlerweile sein eigenes Ding. Nicht nur musikalisch hat er sich von seinen Geschwistern abgekapselt, sondern hat er auch eine eigene Familie, um die er sich kümmern muss.

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Goodbye Deutschland: Angelo Kelly
Der Familienvater bangte um das Leben seiner Tochter (Foto: VOX)

Mit seiner Frau Kira hat der irisch-amerikanische Sänger fünf Kinder, die die beiden gemeinsam groß ziehen. Die Betonung liegt hier vor allem auf dem „gemeinsam“, denn das war nicht immer so, erzählt der einstige Kinderstar sichtlich mitgenommen: „Ich fühlte mich schon manchmal schuldig, die Kira mit den Kindern so viel allein zu lassen“. Doch es war die einzige Möglichkeit, die der junge Familienvater hatte, erklärt er: „Es war die Art, wie ich arbeiten konnte. Ich wusste so kann ich Geld verdienen und die Miete bezahlen. Klar genießt man die Musik und die Konzerte, aber es kostet einen hohen Preis“. Und dieser Preis wurde dem Sänger zu hoch. Deshalb entschied er sich gemeinsam mit seiner Kira dazu, Deutschland den Rücken zu kehren und mit der ganzen Familie durch Europa zu reisen. Mit schlappen 2.000 Euro Kapital machte sich die siebenköpfige Truppe mit einem Wohnmobil auf in ein Leben ohne festen Wohnsitz, ohne die Gewissheit, wovon sie langfristig leben sollten.

Ein Schicksalsschlag jagte den nächsten

Während seiner Zeit als Musiker, hatte Angelo Kelly einfach zu wenig Zeit für seine Familie. „Als wir damals in Bonn lebten, war ich öfter am Wochenende auf Tour. 2009 hatte ich, glaube ich, so 100 Konzerte“, erzählt er. Mit seiner Rockband zog der junge Vater durch Deutschlands Clubs und brachte seine Bühnen zum Beben – was blieb ihm auch für eine Wahl? Der Druck war nun mal sehr groß.

Das Jahr bleibt den Kellys als ein schwarzes in Erinnerung. Hier jagte ein schrecklicher Schicksalsschlag den anderen. „2009 hatte ich einen epileptischen Anfall. Ich war nachts allein mit den Kindern und lag für eine halbe Stunde auf dem Boden“, erzählt Kira unter Tränen. „Da habe ich gemerkt, dass ich einfach eine Pause brauche“. Doch damit nicht genug. Kurze Zeit später schlägt das Schicksal wieder zu. Sie waren mit der ganzen Familie auf dem Spielplatz, eigentlich war alles perfekt - die Kinder waren glücklich und hatten großen Spaß. „Emma war damals drei Jahre alt. Sie rannte zur Rutsche und kletterte da hoch. Sie winkte noch und rief: ‚Mamaa! Papaa! Guck mal!‘ und auf einmal fiel sie da runter. Sie lag mit dem Kopf im Sand“, erzählt der fünffache Familienvater. „Ich bin zu ihr hingerannt und hab sie hochgehoben und sie hat sich nicht mehr bewegt. Sie hatte anscheinend ganz viel Sand geschluckt und war am Ersticken.“. „Dieser Moment war einfach sehr heftig und ich hatte wirklich das Gefühl, dass sie gleich stirbt“. Angelo selbst verhalf seiner kleinen Tochter mit aller Kraft dazu, dass sie wieder atmen konnte. Das war der Punkt, an dem er die Notbremse endlich ziehen musste, erzählt er: „Ich habe dann gemerkt, es kann alles so schnell gehen. Jeder Tag kann dein letzter sein. Und dann habe ich Kira gefragt: ‚Was hältst du davon, wenn wir alles hinter uns lassen, einen alten Bus kaufen und durch Europa reisen?‘ sie hatte Tränen in den Augen und meinte sofort: ‚Ja!‘“. Spontan packten sie im Jahr 2010 also ihre Sachen, kauften von ihrem letzten Geld tatsächlich einen alten Bus und reisten jahrelang durch Europa. Irgendwann kam dann aber doch das Bedürfnis auf, wieder mal etwas Festes zu haben. Ein Zuhause. Das haben die Kellys in Irland gefunden.

Seit mittlerweile drei Jahren wohnt die Familie mitten im Nirgendwo, rund drei Autostunden von Dublin entfernt. Ein riesiges Grundstück mit zwei eigenhändig renovierten Häusern können sie mittlerweile ihr Eigen nennen. Es war ein langer Weg von Deutschland über die Reise durch Europa bis hin zum irischen Zuhause. Allerdings traf der „Goodbye Deutschland“-Auswanderer damit eine Entscheidung für die Familie und gegen den Alltagsstress.

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