Gossip im Interview mit RTL Musik

Wir trafen Gossip Backstage vor ihrem Auftritt in Dortmund
Wir trafen Gossip Backstage vor ihrem Auftritt in Dortmund

"Wir wollten mal anders klingen"

Gossip sind zurück! Nach einem kurzen Solo-Abstecher von Sängerin Beth Ditto hat die Band zusammen mit Produzent Brian Higgins in London "A Joyful Noise" aufgenommen. Higgins, der bereits für Chart-Erfolge von Kylie Minogue und den Pet Shop Boys verantwortlich war, verhalf Gossip zu einem neuen, poppigen Sound. Die erste Single "Perfect World" ist bereits jetzt ein Hit und mit einer ausverkauften Tour wird zu rechnen sein. Wir haben die Drei aus Washington zum Interview getroffen.

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Von Alexander Möllmann

Lasst uns über euer neues Album sprechen: Ihr habt seit „Standing in the Way of Control“ eine sehr interessante Entwicklung durchgemacht. Von zum Teil harten Rock-Songs habt ihr euch immer mehr in Richtung Pop und Disco bewegt. Wie kam es dazu?

Beth Ditto: Ich glaube nicht, dass das eine bewusste Entscheidung war. Es hängt natürlich auch immer von dem Produzenten ab, den du dir aussuchst. Wir sind beispielsweise drei Leute und wenn drei Leute einen Song schreiben, hören die sich oft bereits anders an als die vorherigen, aber dann ist es auch wichtig, dass du mit Menschen zusammenarbeitest, die wissen, was sie tun müssen, damit sich das Album anders anhört als die vorherigen. Einen wirklich konkreten Plan gab es dabei nicht, wir wollten nur mal wieder anders klingen.

Habt ihr aus diesem Grund Brian Higgins als Produzenten gewählt?

Ditto: Ja, wir hatten anfangs einige Probleme. Ursprünglich haben wir mit Mark Ronson zusammengearbeitet, doch wir kamen nicht auf einen gemeinsamen Nenner und auf einmal brauchten wir einen neuen Produzenten. Da wir gerade sowieso in London waren, dachten wir uns: Hey, warum lassen wir es nicht auf einen Versuch ankommen.

Gibt es hinter dem neuen Sound möglicherweise auch eine persönliche Entwicklung?

Ditto: Ein Album aufzunehmen, bedeutet natürlich auch immer persönliche Gefühle zu verarbeiten. „Music for Man“ entstand, als ich 27 Jahre alt war – das war eine ziemlich dunkle Zeit für mich. Ich war so glücklich, als ich endlich 30 wurde und meine 20er hinter mir lassen konnte. Ich kam aus einer sehr langen Beziehung und begann eine unglaubliche neue. Es waren ein paar turbulente Jahre. Das spiegelt sich natürlich auch unserer Musik wieder.

Beth Ditto: "Ich bleibe auf traurigen Songs hängen"

Beth Ditto, Nathan "Brace Paine" Howdeshell, Hannah Blilie
Beth Ditto, Nathan "Brace Paine" Howdeshell, Hannah Blilie

Was ist die Idee hinter eurer ersten Single „Perfect World“?

Ditto: Eigentlich hatten wir anfangs nur die Melodie und die Worte kamen dann einfach dazu. Ich glaube, es geht darum, dass man sich oft eine perfekte Welt wünscht, in der einfach alles funktioniert – das tut es natürlich nicht, aber man kann ja davon träumen. Das Witzige daran ist, dass ich selbst immer ziemlich lange brauche, um herauszufinden, wovon die Songs, die ich geschrieben habe, handeln.

Ihr tobt euch auf dem neuen Album in ziemlich vielen Musik-Genres aus: Rock, Pop, Soul, Country, Electronica und Country. Wie würdet ihr das ganze nennen?

Hannah Blilie: Irgendwie alles davon. (lacht) Irgendetwas in der Art von Disco-Country-Rock-Reggae-Funk-Christmas-Ska-Metal-Christmas.

Ditto: Diese wilde Mischung kam daher, dass wir in den letzten Jahren alle ganz unterschiedliche Musik gehört haben. Nathan hat viel Country gehört. Meine Favoriten zu der Zeit waren ABBA.

Blilie: Dann haben wir das alles in einen Topf geworfen und durchgerührt. Ich glaube, das war das erste Mal, dass jeder von uns seine Einflüsse komplett ausleben konnte.

Die ABBA-Bezüge werden auf „A Joyful Noise“ deutlich. Was war dein Lieblings-Song der Band?

Ditto: Definitiv „The Winner takes it all“! Es ist ein so wunderschöner Song, gleichzeitig aber auch so traurig. Ich bleibe sowieso immer auf traurigen Liedern hängen – sie sagen einfach so viel. Man kann sie immer wieder und wieder hören und sich einfach dabei treiben lassen. Solche Momente genieße ich sehr.