SONNTAGS I 17:00

"Gute Nachricht aus Japan"

"Gute Nachricht aus Japan"
© dpa, Hannibal Hanschke

Von Peter Stützer

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"You've got mail."

Eine Nachricht, meldet der Computer, eine Nachricht aus Japan auf die Frage, ob Japans Automobilindustrie die Katastrophe halbwegs überstanden habe. Die Antwort trägt die Überschrift "Gute Nachricht aus Japan". Kann eine Nachricht aus Japan in diesen Tagen aber überhaupt eine gute sein? Tausende Tote, GAU, Super-GAU und wer weiß was noch?

Dürfen wir bei diesen Gegebenheiten trotzdem nach profanen wirtschaftlichen Dingen wie den Autos fragen, danach, ob man sie getrost wie bestellt oder wie geplant übernehmen oder erst mal einen Bogen um sie machen sollte? Angst vor Verstrahltem? Es sind tausende Menschen gestorben. Und wir fragen nach Autos?

Vielleicht sehen wir es so: Die Toten sind gewürdigt und werden auch in Zukunft gewürdigt, aber jetzt sind auch die lebenden Menschen wieder wichtig. Ihre Ängste. Ihre Sorgen. Ihr Horizont. Ihre Zukunft. Ihre Möglichkeiten. Und eben: ihre Autos. Ihre Autos, unsere Autos. Fragen tun sich auf. Können die Japaner jetzt überhaupt noch Autos produzieren? Und wenn ja, können japanische Autos bedenkenlos gekauft werden, wenn sie während der japanischen Katastrophe gebaut wurden?

"Keine Gefahr" – das war zu erwarten

"Gute Nachricht aus Japan"
© dpa, epa Everett Kennedy Brown

Wie groß ist das Strahlenrisiko? Und: Wer kontrolliert das unabhängig? Die Hersteller sind sich einig: keine Gefahr. Das war zu erwarten. Der Grund: Japanische Autos sind nicht immer japanische Autos. Made in Valencienne, in Adapazzari, in Kolin, in Chennai müsste es richtigerweise heißen, oder in Ungarn, in China, in England: Die einen so gut oder so schlecht wie die anderen, die Katastrophe war nirgendwo vorauszusehen. Für in Japan gebaute Japaner gilt: Keine Gefahr, die Fabriken sind teils 1.000 Kilometer vom Unheil entfernt; keine Gefahr, sagen die Firmensprecher – auch das war zu erwarten.

Deutsche Experten aber sagen: Autos auf Halde, Autos mit Produktionszeit kurz nach der Katastrophe: keine Zweifel, Vorsicht aber sehr wohl, d.h. auf Strahlung messen lassen. Sicher ist sicher. Deutsche Gründlichkeit ist nun mal so. Da haben wir in diesem Fall nichts gegen einzuwenden. Niemand muss sein bestelltes Auto zurückgeben.

Aber zur Tagesordnung werden wir erst wieder zurückkehren, wenn kein Zweifel mehr bleibt. Nicht einer.