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SS-Arzt Josef Mengele. Foto: VOX/Spiegel TV
© Der Todesengel von Auschwitz - Die Geschichte des SS-Arztes Josef Mengel

Der Todesengel von Auschwitz - die Geschichte des SS-Arztes Josef Mengele

Er summte gern Opernmelodien, wenn er an der Selektionsrampe stand und mit kleinen Handbewegungen Frauen oder Kinder in die Gaskammer schickte - der "Todesengel von Auschwitz". Am Ende zählte der berüchtigte SS-Arzt Josef Mengele zu den grausamsten Tätern der Nazidiktatur. Geflüchtet, weltweit verfolgt - aber nie gefasst. 40.000 unschuldige Opfer hatte er ins Gas geschickt, doch bekannt wurde Josef Mengele vor allem für seine pseudo-wissenschaftlichen Versuche an Zwillingen; seine Experimente zum Entschlüsseln genetischer Informationen, mit denen reinrassige Arier für Deutschland gezeugt werden sollten.

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Nach dem Krieg gelang Mengele die Flucht und mit den Jahren entstanden Legenden um den grausamen Mediziner. Wahre und unwahre Geschichten machten die Runde, der Mythos Mengele beflügelte die Phantasie, immer wieder und überall meldeten sich Augenzeugen, die ihn gesehen haben wollten. 1985 schließlich formierten sich überlebende Zwillinge von Auschwitz und forderten die internationale Gemeinschaft auf, den Todesarzt endlich zu fassen und vor Gericht zu stellen. Die Regierungen der Vereinigten Staaten, Westdeutschlands und Israels sagten Unterstützung zu und gründeten eine Untersuchungskommission. Ein Kopfgeld von insgesamt 3,4 Millionen US-Dollar wurde auf Mengele ausgesetzt. Im Mai 1985 durchsuchten deutsche Beamte die Wohnung des Anwalts der Familie Mengele, Hans Sedlmeier, und fanden Briefe und Hinweise, die auf ein Grab in Embu, Brasilien, deuteten.

Am 6. Juni 1985 wird der Körper exhumiert und einer Expertengruppe in Sao Paulo zur Untersuchung übergeben. Mit gewisser Sicherheit kann die Identität des SS-Arztes bestätigt werden, doch der ganze Fall bleibt offen und beschäftigt die Wissenschaftler ein weiteres Jahrzehnt. Man findet Mengeles Tagebücher und Fragmente einer autobiografischen Novelle. Sie geben Aufschluss über sein Leben auf der Flucht - darin findet sich aber kein Wort über die Verbrechen, kein Satz der Reue. Dafür werden die Hintermänner seines jahrelangen Versteckspiels offenbar: Es sind Nazigrößen mit Rang und Namen, unter ihnen Adolf Eichmann und "Flieger-As" Hans Rudel. Mengeles bester Freund war ein gewisser Willem Sassen, auch ein SS-Mann, dem er stolz seine ganze Lebensgeschichte erzählt hatte. Später wird Sassen Mengele verraten und Mossad-Agenten auf seine Fährte bringen.

Die SPIEGEL TV Dokumentation des renommierten israelischen Filmregisseurs Dan Setton basiert auf dem Buch "MENGELE - The Final Account" von Gerald Posner und John Ware. In der Dokumentation kann man erstmals die Originalstimme von Josef Mengele hören - es sind Opernlieder, die der SS-Arzt seinerzeit auf Tonband aufzeichnete. Vor der Kamera berichtet auch Willem Sassen, engster Freund des furchtbaren Verbrechers, erstmals vom gemeinsamen Exil mit dem "Todesengel von Auschwitz".