'Knight And Day': Tom Cruise auf dem absteigenden Ast

'Knight And Day': Tom Cruise will an alte Erfolge anknüpfen

'Knight And Day': Tom Cruise auf dem absteigenden Ast

Es gab eine Zeit, da war Tom Cruise ganz vorn dabei: Von 1992 bis 1996 drehte er nacheinander fünf Filme, die allein in den Vereinigten Staaten über 100 Millionen Dollar einspielten. Darunter 'Mission: Impossible', in dem Cruise als CIA-Agent Ethan Hunt unbesiegbar schien, als er einen Maulwurf auffliegen ließ.

Und doch konnte Cruise hinsichtlich des Talents nie bei den ganz Großen mitmischen: Es blieb bei den Oscar-Nominierungen, sogar diverse Goldene Himbeeren musste er einstecken. Machte aber nichts - Tom Cruise tat das, was er schon immer konnte: Er grinste sein Sunnyboy-Grinsen, spielte den muskelbepackten Helden und haute als unbekümmerter Draufgänger den Bösewichten das Licht aus. Die Kassen klingelten.

Heute ist aus dem Klingeln ein zaghaftes Klimpern geworden: Seine letzten beiden Filme 'Von Löwen und Lämmern' und die Verfilmung der Stauffenberg-Geschichte, 'Operation Walküre', konnten die 100-Millionen-Dollar-Marke nicht knacken. Jetzt will Cruise in seiner Paraderolle als Geheimagent mit 'Knight And Day' an alte Erfolge anknüpfen.

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Fluffig-leichtes Popcornkino, das keinem weh tut

Und der Anfang ist durchaus vielversprechend: Scheinbar zufällig wird die aufgedreht-naive June Havens (Cameron Diaz) gleich zwei Mal vom smarten Agenten Roy Miller (Cruise) am Flughafen über den Haufen gerannt. Über den Wolken kommt man sich bei einem lockeren Flirt näher. Schnell wird klar, dass June ein Auge auf den charmanten Geheimagenten geworfen hat. Doch offenbar ist sie nicht die einzige, die an dem mysteriösen Schönling interessiert ist.

Während sie sich auf der Toilette aufhübscht, muss Roy in bester “Mission Impossible“-Manier plötzlich angreifende Crewmitglieder und Passagiere ausschalten. Regisseur James Mangold (“Walk The Line“) erzeugt gekonnt Situationskomik, indem er flotte Sprüche mit knackiger Action kombiniert und Roy schließlich als I-Tüpfelchen die Maschine in einem Maisfeld notlanden lässt.

Der Agent gibt dem verwirrten Mädel die Warnung mit auf den Weg, niemandem zu trauen, der ihr Sicherheit verspricht. Frei nach dem Motto "Setz dich nicht zu Fremden ins Auto", entlässt Roy sie zurück in ihr altes Leben. Doch schnell muss June feststellen, dass sie bereits zwischen die Fronten von FBI, CIA und den ominösen Killern eines Waffenhändlers geraten ist.

Mittendrin Roy, der etwas bewacht, aber sowohl June als auch den Zuschauer im Unklaren darüber lässt, welche Ziele er verfolgt. Zusammen hetzt das Paar rund um die Welt: Man ballert während einer Verfolgungsjagd auf dem Freeway aus allen Rohren, kloppt sich mit einem muskelbepackten Schläger im Zug, hetzt über die Dächer Salzburgs und flieht in Spanien vor wildgewordenen Stieren auf einem Motorrad.

Mal läuft der Actionmotor heiß, mal wird es auf einer einsamen Insel romantisch und nie fehlt ein flotter Spruch à la "Ich muss sie noch eben erschießen, bin gleich wieder da". 'Knight And Day' ist fluffig-leichtes Popcornkino, das keinem weh tut. Das Gute: Der Film nimmt sich selbst nicht allzu ernst und der Zuschauer tut gut daran, mit der Action-Agentenkomödie genauso zu verfahren.

Ob das allerdings für Tom Cruise reicht, um an alte Erfolge anzuknüpfen, ist äußerst fragwürdig. Vielleicht wäre alles etwas einfacher, wenn er nicht wie ein Irrer auf dem Sofa von Oprah Winfrey herumgekaspert hätte und Scientology-Reden schwingen würde. Immerhin kommt seine Überdrehtheit im Fall von 'Knight And Day' durchaus seinem leicht psychopathischen Charakter Roy zugute. Doch der sympathische Held von Nebenan sieht anders aus.

Von Timo Steinhaus