SONNTAGS I 17:00

Knöllchenabzocke am Bahnhof

Knöllchenabzocke am Bahnhof

Lukratives Geschäft für die Bahn

Eigentlich sollen Park-and-Ride-Parkplätze Pendler zum Umstieg vom Auto auf die Bahn motivieren. Doch vielerorts sind die Parkplätze knapp oder völlig überteuert. Am Kölner Bahnhof hat die Deutsche Bahn aus der Parkplatznot ein lukratives Geschäft gemacht: Eine halbe Stunde parken kostet 2,- EUR. Wer seinen Wagen für zwei Stunden abstellt, bezahlt 8,- EUR.

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Doch richtig teuer wird es für diejenigen, die kein Parkticket ziehen oder die Parkzeit überschritten haben: Mit 23,- EUR sanktioniert die Bahn diese Nachlässigkeit ihrer Kunden. Zuzüglich des dreifachen Tagessatzes kostet das Überziehen der Parkzeit stolze 35,- EUR. Zum Vergleich: Wer im Kölner Stadtgebiet keinen Parkschein zieht oder die Parkzeit überschreitet, zahlt lediglich 5,- EUR.

Das Geschäft mit den Parkplätzen scheint lukrativ zu sein, und so folgt der Betreiber des Düsseldorfer Hauptbahnhofs dem Kölner Vorbild. Bisher kosteten 30 Minuten Parken zwischen 25 und 75 Cent, doch auf dem Bahnhofsgelände gab es eine heftige Preissteigerung: 30 Minuten Parken kosten neuerdings ein 1,50 EUR. Ähnlich wie in Köln werden auch hier Parkverstöße drakonisch bestraft: 23,- EUR Vertragsstrafe zuzüglich des dreifachen Tagessatz - macht insgesamt 32,- EUR.

Die Kunden sind empört. Die Höhe der Strafe halten sie für unverschämt. Die Bahn AG sieht das anders: Die Strafe orientiert sich an den verursachten Kosten.

Zahlen Sie das Knöllchen zunächst nicht!

"Völlig überteuert", meint auch Verkehrsanwalt Arndt Kempgens. Seines Erachtens nach steht die Höhe der Strafe in keinem Verhältnis zu dem betriebenen Aufwand. Der Jurist vertritt etliche Autofahrer, die das teure Knöllchen nicht zahlen wollen. Die Chancen stehen gut, denn bisher ist es fraglich, ob solche Vertragsabreden in Allgemeinen Geschäftsbedingungen möglich sind.

Verärgerten Kunden, die zur Zahlung der Vertragsstrafe aufgefordert werden, rät Arndt Kempgens, erst mal nicht zu reagieren. Handeln sollten sie erst dann, wenn Post vom Gericht kommt. Dann ist es auch ratsam, einen Anwalt hinzuzuziehen.

Wer steckt eigentlich hinter den teueren Knöllchen? Durch die am Parkscheinautomat aushängenden Geschäftsbedingungen stoßen wir auf die Firma Contipark GmbH. Das Unternehmen aus Berlin betreibt das Geschäft mit den Parkplätzen neben den Bahnhöfen gemeinsam mit der Bahn AG. Für eine Stellungnahme zur Höhe der Gebühren ist die Contipark GmbH nicht bereit.

Auch die Zentrale der Bahn AG lehnt ein Interview ab. Stattdessen gib es eine schriftliche Stellungnahme: "Die stetige Verbesserung der Qualität der Parkplätze und die getätigten Investitionen sind selbstverständlich nur möglich gewesen, weil dank der Durchsetzung des Bahnhofentwicklungskonzeptes 'Parken am Bahnhof' mittlerweile die Zahlungsbereitschaft der Kunden deutlich gestiegen ist, was letztendlich auf die Kontrollen zurückzuführen ist."

Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Bahn AG ihren Gewinn um 27 Prozent gesteigert. Des einen Freud - des anderen Leid.