SONNTAGS I 17:00

Kunststoff

Kunststoff

Blech vs. Kunststoff

Das Blechkleid des Autos wird zunehmend durch Anbauteile aus Kunststoff verdrängt. Stoßfänger, Scheinwerfer, Spiegelgehäuse, Türgriffe etc. – bereits heute bestehen bis zu 25 Prozent des Autos aus Kunststoff.

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Wenn es nach den Forschern der Bayer MaterialScience AG in Leverkusen geht, sollen in naher Zukunft ganze Karosseriekomponenten aus Kunststoff sein.

Der Vorteil: Wo früher gelötet, geschweißt und geschraubt wurde, benötigt man bei der Herstellung von Makrolon-Modulen nur einen einzigen Arbeitsschritt. In einer Spritzmaschine wird Granulat geschmolzen und anschließend in eine Form gepresst.

Zeit ist Geld: Die Herstellung eines Karosserieteils dauert so nur zwischen 90 und 120 Sekunden.

Der Einsatz von Kunststoff bietet noch weitere Vorteile:

Das geringere Fahrzeuggewicht führt zu besseren Beschleunigungswerten. Dadurch sinkt beim Benzinmotor der Verbrauch, beim Elektromotor steigt die Reichweite. Zudem bieten sich aufgrund der leichteren Verarbeitungsmöglichkeiten ungeahnte Möglichkeiten für Automobildesigner.

Doch wie verhält sich der Kunststoff bei einem Unfall?

Im Vergleich zu einer herkömmlichen Glasscheibe lassen sich die Kunststoffscheiben aus Makrolon nicht mit einem Nothammer einschlagen. Im Falle eines Unfalls behindert das die Rettungskräfte erheblich. Um die Sicherheit der Insassen dennoch zu gewähren, braucht die Feuerwehr geeignetes Werkzeug, um schnell an die verletzten Personen zu gelangen.

Und auch mit dem klassischen Blechsschaden und dem Ausbeulen ist es in Zeiten von Kunststoffstoßstangen vorbei – aber keine Sorge: Kunststoff lässt sich günstig kleben und sogar schweißen. Kratzer können überlackiert werden.

Ganz so neu ist die Idee Autos aus Kunststoffen zu fertigen allerdings nicht: Bereits 1967 setzte Bayer mit der Entwicklung des ersten Kunststoffautos der Welt Meilensteine. Chassis, Kotflügel, Motorhaube und Dach: alles aus Plastik.

Und auch Smart bewies bereits 1998, dass es möglich ist, ein Serienfahrzeug mit einem erheblichen Kunststoff-Anteil herzustellen.