Mit Genpollen verboten: Wird der süße Honig jetzt unerschwinglich?

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Manchmal verirren sich Bienen aber auch... © dpa, A3462 Marcus Führer

Weil sich die Bienen verirrt haben, hat ein Imker auf Schadensersatz geklagt!

Bienen haben einen Flugradius von 300 Meter bis zwei Kilometer, einige schaffen sogar bis zu 13 Kilometer. Auf ihrem Flug können sie schon mal Felder erreichen, auf denen genmanipulierte Pflanzen wachsen.

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So geschehen 2005 in Augsburg: Ein bayerischer Imker hat auf Schadenersatz geklagt. Der Grund: Seine Bienen haben sich auf einem benachbarten Versuchsfeld verirrt, auf dem eine genetisch veränderte Maissorte angebaut war. Er fand in seinem Honig Pollen des Gen-Maises und vernichtete daraufhin die ganze Ernte, weil er keinen Gen-Honig verkaufen wollte. Der Imker bekam vom europäischen Verfassungsgericht nun Recht und kann auf Schadensersatz hoffen.

Gentechnik-freier Honig endlich wirklich ohne Genpollen

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Bisher durfte Honig bis zu 0,9 % Gen-Pollen enthalten

Aber eigentlich hätte der Imker seinen Honig gar nicht entsorgen müssen. Denn bislang galten Gen-Pollen im Honig als zufällig und unvermeidbar und wurden deswegen toleriert. Auch musste so ein Honig nicht als „gentechnisch verändert“ gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnungspflicht gilt nur für Lebensmittel, die 0,9 % oder mehr gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Da Honig insgesamt nur bis 0,5 % Pollen enthält, wurde dieser Schwellenwert bei Honig praktisch nie überschritten. Und so hatte der Verbraucher keine Chance, einen Honig mit Gen-Pollen als solchen zu erkennen. Doch wer auf Gentechnik verzichten möchte, will gar keine Gentechnik in seinem Essen – weder 0,5 noch 0,9 Prozent sondern null Komma null.

Das sah auch das Gericht so. Nun darf Honig mit Pollen, die von gentechnischen Pflanzen stammen, nicht mehr verkauft werden. Es sei denn, diese Pollen sind in der EU als Lebensmittel zugelassen. Dann muss der Honig aber einen Hinweis tragen und zwar unabhängig von der Konzentration

Vorwiegend importierer Honig betroffen

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80 Prozent der verkauften Honige sind importier © dpa, Oliver Berg

Betroffen sind zum größten Teil Honige aus Nicht-EU-Ländern. Und das sind nicht wenige – immerhin werden 80 Prozent der hierzulande verkauften Honige importiert. Ein großer Teil davon aus Argentinien und Brasilien – Länder, in denen gentechnisch veränderter Mais, Raps und Soja legal angebaut werden. In Deutschland machen Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen nur 0,06 % der gesamten Anbaufläche aus. Daher schließt das Bundesverbraucherministerium nahezu aus, dass deutscher Honig Pollen von genetisch veränderten Pflanzen enthält. Das bestätigt auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2009: Alle 35 untersuchten Honige waren frei von Gen-Pollen.

Mehr Honig aus Deutschland, dafür teurer?

Nichts desto trotz werden Verbraucher in Zukunft wohl mit Veränderungen rechnen müssen. Da Hersteller und Importeure nun sicherstellen müssen, dass keine gentechnisch veränderten Pollen in ihrem Honig sind – was Geld kostet – wird der Preis für den Honig vermutlich steigen. Denkbar ist auch, dass weniger Honig importiert wird, weil die Zulassungsverfahren teuer und langwierig sind und nicht ausgeschlossen ist, dass der Honig doch nicht zugelassen wird. Ob die deutschen Imker es dann schaffen, den Bedarf an Honig zu decken, ist eher fraglich.

Es gäbe noch eine Möglichkeit, ausländischen Honig problemlos zu verkaufen: Indem man den Honig filtriert. Bei der Filtration gehen die Pollen verloren. Dieser Honig würde wiederum für Honig-Liebhaber nicht in Frage kommen, weil gerade die Pollen dem Honig seinen natürlichen Charakter verleihen. Die Einzigen, für die sich seit dem Urteil nichts ändert, sind im Übrigen die Bienen. Sie werden weiterhin ihre Runden durch die Felder drehen und fleißig Nektar und Pollen sammeln.