Neuer Lebensmittel-Skandal: Schweinefleisch in Geflügelwurst

Neuer Lebensmittel-Skandal: Schweinefleisch in Geflügelwurst
© picture-alliance/ dpa, Patrick Pleul

Foodwatch entlarvt neuen Lebensmittelbetrug

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat einen neuen Lebensmittelskandal aufgedeckt: Viele Wurstfabrikanten deklarieren ihre Produkte als Geflügelware, mischen aber oft einen Großteil Schweinefleisch bei.

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So täuscht zum Beispiel der "Geflügelwurst-Spezialist Nummer Eins" (Gutfried über Gutfried) die Verbraucher. Denn der Anteil von Schweinefleisch in der "Puten Cervelatwurst" von Gutfried ist fast ebenso hoch wie der von Putenfleisch: 100 Gramm der Gutfried-Cervelatwurst enthalten 64 Gramm Puten- und 58 Gramm Schweinefleisch (Gewichtsverlust durch die Räucherung). Während der Hersteller das Produkt auf der Vorderseite in bis zu fünffacher Schriftgröße als „Puten Cervelatwurst“ bewirbt, werden die Kunden nur im Kleingedruckten auf der Rückseite auf den Anteil an Schweinefleisch hingewiesen.

„Ein Schwein im Federkleid einer Pute – das ist irreführend und ärgerlich nicht nur für diejenigen, die aus religiösen Gründen Schweinefleisch meiden und sich auf die Produktbezeichnung verlassen“, sagte Anne Markwardt, Leiterin der Foodwatch-Kampagne gegen Etikettenschwindel.

Im Zuge der Lebensmittel- und Fleischskandale der letzten Jahre haben viele Verbraucher ihre Ernährung umgestellt. Viele Menschen wollen sich bewusster und gesünder ernähren und verzichten deshalb weitgehend auf Schweine- und Rindfleisch. Geflügel gilt als fettarm und gesund und ist daher bei den Verbrauchern beliebt. Der Absatz an Geflügelfleisch ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Umso ärgerlicher, wenn gerade gesundheitsbewusste Menschen nun erfahren müssen, dass sie betrogen wurden.

Was sind die Gründe für die Beimischung von Schweinefleisch?

Fett ist ein Geschmacksträger. Viele Wurstwaren wären ohne das fettreichere Schweinefleisch wenig schmackhaft und nicht schnittfest. „In der Werbung deklarieren die Hersteller das Schweinefleisch so klein wie möglich, weil es offenbar nicht verkaufsfördernd ist“, so Anne Markwardt von Foodwatch. So muss sich der Verbraucher in bester Sherlock-Holmes-Manier mit der Lupe bewaffnet durch die Zutatenliste kämpfen, wenn er wissen will, was er eigentlich isst. Kundenorientierung ist das wohl nicht.

Aber auch andere Hersteller betreiben Verbrauchertäuschung, indem sie Produkte mit Schweinefleischanteil als Geflügelwurst verkaufen:

Die "Ja! Geflügel-Mortadella" von Rewe besteht nach Herstellerangaben auf Nachfrage aus etwa 15 Prozent Schweinespeck. In der Zutatenliste ist der Anteil mengenmäßig nicht einmal deklariert.

Zwar enthalten die "Böklunder Premium Geflügel-Würstchen" mit 5 Prozent vergleichsweise "wenig" Speck, allerdings ist auf den ersten Blick gar nicht erkennbar, dass in den Würstchen überhaupt Schweinefleisch drin ist.

Die „Weight Watchers Premium Puten Salami“ enthält - genauso wie das Gutfried-Produkt - fast so viel Schweine- wie Putenfleisch.

Immerhin: Der Discounter Lidl hat auf Anfrage von Foodwatch als erste Konsequenz bereits angekündigt, sein Wurstprodukt „Dulano Delikatess Geflügel-Leberwurst“ umzubenennen. Künftig soll das Produkt verständlich als "Leberwurst fein mit Geflügel- und Schweinefleisch" verkauft werden. Bleibt zu hoffen, dass andere Wursthersteller dem Vorbild folgen werden. Nichtsdestotrotz gilt fürs Erste "Augen auf beim Wurstkauf!".