Neustart im Freien - Lüttichs Kunstmuseum wiedereröffnet

La Boverie Museum Lüttich
Das Museum La Boverie wurde für rund 25 Millionen Euro erweitert und herausgeputzt. Foto: Marc Verpoorten/Rudy Ricciotti - Bureau PHD/Ville de Liège © DPA

Lüttich will es wissen. Nachdem sich die wallonische Stadt vergeblich um die Austragung der Weltausstellung Expo 2017 bemüht hat, will sie sich nun mit namhaften Museen messen. Für die Wiedereröffnung ihres Museums für moderne und zeitgenössische Kunst hat die Stadt auf große Namen gesetzt.

- Anzeige -

Den gläsernen Erweiterungsbau hat sie dem französischen Stararchitekten Rudy Ricciotti anvertraut. Und die Bespielung der neuen und der frisch renovierten Säle übernimmt mit einer Sonderschau der Pariser Louvre. Die Wiedereröffnung des vor knapp drei Jahren geschlossenen Museums gleicht mehr einem Neustart. Denn aus dem Mamac, wie das Museum seit 1980 hieß, wurde nun La Boverie.

Rund 25 Millionen Euro hat sich die Stadt zusammen mit der Region und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung die Erweiterung und Renovierung kosten lassen. Dafür strahlen die hohen, mit Stuck verzierten Säle nun wieder in leuchtendem Weiß, wurde eine Galerie für junge Kunst geschaffen, Ausstellungsflächen im Untergeschoss entstanden und vor allem ein rund 1200 Quadratmeter großer Neubau. Dieser schließt sich direkt an das Gebäude an, das zur Weltausstellung im Jahr 1905 errichtet wurde. Seine neoklassizistische Architektur lehnt sich an den Louis-seize-Stil an und hatte das Lustschloss Trianon in Versailles zum Vorbild.

Radikal wie immer hat Ricciotti, Baumeister des Museums der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (MuCEM) in Marseille, modern mit alt verbunden. Die Wände des Neubaus bestehen aus riesigen Fensterflächen. Von allen Seiten aus hat man einen Blick nach draußen. Man solle den Eindruck haben, über dem Fluss zu schweben, erklärte der 63-jährige Architekt sein Konzept. La Boverie liegt inmitten des gleichnamigen Parks und ist von der Maas und dem Kanal La Dérivation umgeben.

"En plein air" heißt die Eröffnungsausstellung, was mit "Unter freiem Himmel" oder "Im Freien" übersetzt werden kann. Ein passenderes Sujet hätte man nicht finden können. Denn der Park liegt inmitten der Stadt und ist ein beliebter Freizeitort der Lütticher. Die Werkschau ist dem weit gefassten Thema der Natur als Ort des Vergnügens und der Entspannung gewidmet. Sie vereint mehr als 100 Arbeiten, darunter die Malereien "Frühstück im Grünen" von Paul Cézanne und "Am Strand von Boulogne" von Edouard Manet.

Hinter der Eröffnungsschau, die bis zum 15. August dauert, steht der Louvre. Lüttich hat mit dem Pariser Prestige-Museum eine dreijährige Partnerschaft abgeschlossen, die unter anderem vorsieht, dass der Louvre bis 2018 jährlich eine internationale Sonderausstellung organisiert. Dass unter den Exponaten mehr als 40 Prozent Leihgaben namhafter Museen wie des Prado in Madrid, der Stuttgarter Staatsgalerie und des Picasso-Museums in Paris sind, geht auf den Louvre zurück.

Für die Expertise des Louvre und den zugkräftigen Namen soll das Lütticher Museum rund 50.000 Euro jährlich zahlen. Für den Louvre ist es die erste Kooperation dieser Art außerhalb Frankreichs. "Nur weil wir im Ruf stehen, ein Weltmuseum zu sein, heißt das nicht, das wir uns in einen Elfenbeinturm einschließen. Für uns ist der Austausch mit anderen wichtig", sagte Vincent Pomarède. Der Kunsthistoriker ist die Nummer zwei des Louvre. In seiner neuen Funktion als künstlerischer Berater des Lütticher Museums hat er die Werkschau "En plein air" konzipiert.

Der moderne Glasbau erscheint neben dem Palais, das schon 1905 als Museum für die Weltausstellung konzipiert wurde, etwas befremdlich. Als Ausstellungsfläche für moderne Kunst bietet der offene Neubau jedoch viele Möglichkeiten. Die zwei kastenähnlichen Einrichtungen, in denen im Rahmen der Eröffnungsschau unter anderem Gemälde von Henri Matisse und Tony Soulié gezeigt werden, wirken etwas verloren. Aber vielleicht werden dort demnächst raumfüllende Installationen von Olafur Eliasson oder Anish Kapoor zu sehen sein.


dpa