SONNTAGS I 17:00

Noch 'nen Porsche, Herr Overath?

Noch 'nen Porsche, Herr Overath?
© dpa, Jörg Carstensen

Fußballer, Fußballerfrauen und Autos

Von Peter Stützer

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Manche sind echt arm dran. Trotz ihrer reichen Kerle. Manche müssen gewissermaßen die geschenkten Autos ihrer Männer auftragen, weil sie denen zu popelig sind, die Autos. In Köln zum Beispiel, beim 1. FC, hat bei der Sponsorenwahl wohl niemand an die Bedürfnisse der Spieler gedacht. Der Vertrag mit den ortsansässigen Ford-Werken wurde also ratifiziert, und festgelegt wurde dabei auch, dass die Herren Fußballer sich öffentlich nur in Fahrzeugen der Marke Ford zu zeigen haben. Nun will niemand dem Geldgeber Schlechtes, aber bitteschön, welcher gestandene Fußballprofi hat denn einen Fiesta oder Escort auf dem Wunschzettel?

Also beschaffen sie sich trotzdem ihren Porsche, in dem sie sich dann allerdings zumindest auf dem Vereinsgelände nicht erwischen lassen sollten, gegen empfindliche Geldstrafe. Zur Not wechseln sie schnell noch auf dem letzten Parkplatz vor dem Geißbockheim den Untersatz; die Gattin darf die Autos schließlich allenfalls mal hin und her, sprich: nach Hause fahren.

Die Vereinsführung sorgt schließlich dafür, dass der Neid im eigenen Haus nicht zu kurz kommt. Zur Vorstandssitzung fährt Vizepräsident Friedrich Neukirch vor – im schwarzen Porsche. Es folgt Vize Jürgen Glowacz – im schwarzen Porsche. Präsident Wolfgang Overath schließlich hat ein Faible für den einheitlichen Auftritt; schnittig schießt er über den Vereinsparkplatz, als sei das ein Stück der Nordschleife. Er findet das Versteckspiel blöd, er ist stolz auf seinen hoch motorisierten Liebling - ganz unabhängig von Tabellenstand und Derby-Blamagen: ein Porsche mit Allrad, Farbe schwarz natürlich. Später wird er vom Druck der Öffentlichkeit reden, von Bescheidenheit und davon, dass er diese Ford-Fahrer wohl mal wieder richtig lang machen müsse. So behandelt man seine Sponsoren nicht.

Schweini im Q7 – Audis Marketing-Traum

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© Getty Images/Bongarts

Wie gut es doch die Kollegen anderenorts haben. In Stuttgart zum Beispiel wird sich gegen ein Mercedes-Modell niemand der Spieler wehren wollen. Und in München haben die Kicker sogar die freie Auswahl im Sortiment von Audi. Der Ingolstädter Hersteller von Premium-Autos hat in München sogar dem Mitbewerber von BMW den Heimvorteil vermasselt. Dafür hat Audi einen namhaften Betrag in die Portokasse des deutschen Fußball-Rekordmeisters gesteckt und sich somit Anteile am FC Bayern München einverleibt.

Marketing-Vorstand Peter Schwarzenbauer kriegt leuchtende Augen, wenn er Bastian Schweinsteiger im Q7 vom Vereinsgelände fahren sieht; zum Stopp und Karossentausch auf dem nächsten Parkplatz besteht weiß Gott keine Veranlassung.

Bei Autos hört die Feindschaft auf

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© Getty Images, Bongarts

Audi bedient nicht so sehr die Normalos. Lionel Messi guckt in Barcelona gerade so und wahrscheinlich unter Zurhilfenahme eines Kissens übers Lenkrad, seine Vereinskollegen natürlich auch. Und wenn es bei einem Thema Übereinstimmung geben sollte mit den Mehrfachmillionären von Real Madrid, wirklich nur einem, dann bei der Autowahl. Audi stattet auch mal Todfeinde aus, Vorsprung durch Technik halt; den haben sie jetzt beide: Barcelona und Madrid.

Frage an den Vorstand: Welches Modell ordern die Kicker denn am häufigsten? "Den RS 5", sagt Schwarzenbauer voller Stolz, Siebengangdoppelkupplungsgetriebe, 450 PS, bei 250 km/h abgeriegelt, auf besonderen Wunsch und für besondere Kunden sind aber auch 280 km/h möglich. Franz Beckenbauer, das nur am Rande, hält sich aus allem raus. Er macht seine eigenen Geschäfte, unterschrieb eben erst einen Vertrag als Mercedes-Repräsentant - das passt doch und bekommt dem Konto.

Ganz selten sind übrigens die Fußballer geworden, die wirklich etwas für ihr Auto übrig haben und es sogar selbst bezahlen. Jens Nowotny war der letzte dieser Spezies; zwei Jahre hat er auf seinen Traumwagen warten müssen. Der Mercedes SLR McLaren war 465.000,- EUR teuer und motivierte die Bildzeitung prompt zu einer neuen Neiddiskussion – so lange, bis Nowotny an seinem Traumauto keinen Spaß mehr hatte.

Pfiffikus Magath hat vorgesorgt

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© dpa, Bernd Thissen

Die Spieler des FC St. Pauli haben ein anderes Klischee zu bedienen, die Kiezkicker bleiben bodenständig. Mini "FC St. Pauli Modell", so heißt jetzt ihr Dienstfahrzeug. Na immerhin, Farbe "Hot Chocolate" - mit dem fährt dann auch die Gattin gerne mal ums Eck. Felix Magath bringt sich selbst in Nöte; durch seine häufigen Arbeitsplatzwechsel und seine Sprunghaftigkeit weiß niemand so recht, welcher Fuhrpark denn jetzt gerade zuständig ist. Doch Magath ist ein echter Pfiffikus, schon in Schalke hat er den VW Phaeton für standesgemäß erachtet. Das spart nun beim Comeback in Wolfsburg den lästigen Gang zum Straßenverkehrsamt; es zahlt halt jetzt ein anderer die Betriebskosten, ist ihm doch egal.

Jürgen Klinsmann, die Meldung ist neu, hat überraschenderweise doch kapiert, dass ein Käfer Cabrio überall Sympathien weckt, aber Geld bringt ihm das Beachboy-Gehabe überhaupt nicht. Dafür darf er sich jetzt Hyundai-Markenbotschafter nennen; so ganz seine Kragenweite ist das nicht. Eben hat er im Fernsehen mitbekommen, dass sein Nachnachfolger Louis van Gaal in München seinen Audi-Schlüssel wieder abzugeben hat. Bei Uli Hoeneß persönlich.

Hier sei's verraten: Es war der Ersatzschlüssel. Das Original ist bei seiner Ehefrau Truus noch in guten Händen, störrisch wie er; sie rückt den Audi nicht raus, solange da kein neues Modell vor der Türe steht. Marke egal, nur kosten darf er nichts.