Plötzlicher Tod: War Knut krank?

Trauer um den Publikumsliebling

Der berühmteste Eisbär der Welt ist tot. Der erst vierjährige Knut verstarb am Samstag überraschend im Zoologischen Garten Berlin. Rund um das Eisbärenbecken brodelt nun die Gerüchteküche über die Todesursache. Denn eigentlich können Eisbären im Zoo locker über 40 Jahre alt werden. Die Spekulationen reichen von Gifttod über Herzinfarkt bis Epilepsie.

Publikumsliebling Knut war am Samstag urplötzlich auf dem großen Bärenfelsen im Zoologischen Garten Berlin zusammengebrochen, rücklings ins Wasser gestürzt und trieb leblos im Graben. Zum Zeitpunkt seines Todes war der Bär allein auf der Anlage. Die drei Gefährtinnen - Mutter Tosca, Nancy und Katjuscha - waren bereits eingesperrt. Eine Obduktion soll nun die Todesursache klären, sagte Bären-Betreuer Heiner Klös. Ein Ergebnis dürfte kaum vor Mittwoch vorliegen. Unklar blieb zunächst, was mit dem Kadaver von Knut geschehen wird.

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Wowereit: "Hatten ihn ins Herz geschlossen"

Die Geschichte von Knut war ein globales Medien-Phänomen: Am 5. Dezember 2006 wurden im Berliner Zoo Eisbärenzwillinge geboren. Die Mutter verstieß den Nachwuchs. Ein Jungtier starb nach vier Tagen, das andere überlebte im Brutkasten und wurde fortan liebevoll von Tierpfleger Thomas Dörflein aufgezogen, was der Zoo in zahlreichen Filmen und Clips im Internet dokumentierte. Der Knut-Kult begann und brachte dem Zoo Millioneneinnahmen. Dörflein starb überraschend im September 2008 im Alter von 44 Jahren.

Nach dem Hype um Berlins weißes Knuddeltier lösten auch die neugeborenen Eisbären Flocke in Nürnberg und Wilbär in Stuttgart Begeisterung aus. Auch Lara mit ihrem russischen Freund Billi und ein junges Paar in Hannover locken viele Tierfreunde an.

Die Tiere, allen voran Knut, weckten mit ihrem drolligen, unschuldigen Spiel die Beschützerinstinkte der Menschen. Aber die Kritik der Tierschutz-Experten setzte ebenfalls früh ein: Vor allem die Tierrechts-Organisation Peta, der Deutsche Tierschutzbund, aber auch Experten der Grünen warnten vor programmierten Verhaltensstörungen und folgenschwerer Vermenschlichung.

Am Samstag, dem Todestag, überwogen aber Schock und Trauer. "Wir alle hatten den Eisbären ins Herz geschlossen. Er war der Star des Berliner Zoos", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Sprachlos und entsetzt reagierten Zeugen von Knuts Todeskampf. Betroffene Stille habe über dem Gelände gelegen, als die Fans das schlimme Geschehen begriffen, berichteten Augenzeugen.

Mit brüchiger Stimme teilte Bären-Betreuer Klös in einer improvisierten Pressekonferenz mit, dass sich Knut eigentlich ganz normal verhalten habe. Er habe gut gefressen, gespielt und sich friedlich gesonnt. "Doch dann hat er einmal kurz aufgezuckt, hat sich gedreht und ist leider von uns gegangen." Die kaufmännische Direktorin des Zoos, Gabriele Thöne, sagte: "Es ist so, als wäre ein Freund gegangen. Knut war ein Mitgeschöpf, das uns allen sehr nahe war."