Schwani: Schluss mit der Traktor-Liebe

Der Höckerschwan ist neu verliebt

Erinnern Sie sich noch an "Schwani"? Das ist der Höckerschwan aus dem Münsterland, der sich unsterblich in einen Traktor verliebt hatte. Jahrelang watschelte er dem Gefährt auf dem romantischen Schlossgelände in Velen hinterher, doch jetzt ist alles aus. Schwani ist neu verliebt.

Vielleicht waren sie einfach zu verschieden. Vielleicht fehlten Schwani beim Trecker-Partner doch die Federn - oder der echte Schwanenhals. Auf jeden Fall planscht der schöne Höckerschwan derzeit frisch verliebt mit einer Wildgans. Seine alte Liebe, der kleine blaue Traktor von Gärtner Hericks, bleibt mit stotterndem Motorherz traurig am Ufer zurück. Keine Chance: Die Gans hat sich den Schwan geangelt, es scheint Liebe zu sein.

Gärtner Herrmann Hericks erklärt die neue Situation folgendermaßen: "Sie hat ihn umworben, sie hat ihn angeschnattert, keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Ich war nicht dabei, aber irgendwie hat sie ihn rumgekriegt."

Dabei schien die Liebe von Schwan und Traktor doch - über alle Ufergrenzen hinweg - gut geölt. Drei Jahre lang verfolgte der Schwan den Schmalspurschlepper auf Rad und Tritt. Als Grund für diese innige Liebe vermutet man, dass die Motorgeräusche des Traktors Schwani als Küken sehr geprägt haben.

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Birgit Königs: „Eine Gans ist ja schon mal besser als ein Trecker!"

Obwohl Schwäne normalerweise ein Leben lang treu sind, turtelt das schöne Federvieh jetzt fremd. Birgit Königs von Nabu NRW kann das Verhalten des Höckerschwans gut nachvollziehen: "Er ist halt von dem Trecker enttäuscht worden, da ist ja keine Erwiderung irgendwelcher Zuneigung erfolgt und er hat sich dann doch entschlossen, einen anderen Partner zu suchen. Er ist jetzt immerhin auf dem richtigen Weg. Eine Gans ist ja schon mal besser als ein Trecker."

Oder ein Tretboot. Trauerschwänin "Petra" machte vor Jahren Schlagzeilen, weil sie in ein Boot in Schwanenform verknallt war. Doch auch die Beziehung ging in die Brüche. Die Liebe von Tieren zu Gegenständen nennen Fachleute Objektsexualität. Bei Schwani hat Gärtner Hermann Hericks seine eigene Theorie dazu, was Traktor und Schwan entfremdete: Er selbst sei schuld, weil er sich Sorgen um Schwani machte: "Wir haben ihm eine Wurmkur und eine Spritze verpasst. Ich denke mal, dass er mir das übel genommen hat und meidet jetzt diesen direkten Kontakt ein wenig."

Schlussendlich ist Hermann Hericks aber doch froh, dass die Schwanen-Schwärmerei für den Trecker nun ein Ende hat: "Ich hab ein bisschen weniger Probleme bei der Arbeit, damit, dass ich ihn da nicht verletze oder anfahre. Ansonsten bin ich ganz froh über die Situation, wie sie jetzt ist."

Aber vielleicht gibt es für die ungewöhnliche Traktor-Liebe doch noch eine Chance. Im Gegensatz zu Höckerschwänen sind Gänse nämlich Zugvögel. Und wenn Schwani spätestens im Herbst von seiner neuen Liebe sitzengelassen wird, kehrt er vielleicht dann reumütig zum kleinen blauen Traktor zurück.