20.12. I DIENSTAG I 20:15

Sing meinen Song: Daniel Wirtz im Interview

Daniel Wirtz im Interview
Daniel Wirtz fühlt sich geehrt, bei "Sing meinen Song" dabei zu sein. © VOX/Timmo Schreiber

"Da hab ich total Bock drauf!"

Daniel Wirtz kennt man weniger aus dem Radio, als vielmehr aus Clubs und von Konzerten. Das liegt unter anderem an der direkten Ausdrucksweise seiner Liedtexte. Im Interview spricht er darüber, was er sich von seiner Teilnahme bei "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" neben dem Spaß erhofft.

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Dich kennt das breite Publikum vielleicht noch nicht so gut. Bist du der „Underdog“ bei "Sing meinen Song"?

Die Stellung des Underdog ist ja eigentlich die Position, die am meisten gewinnen kann. Die anderen sind weltbekannt durch Funk und Fernsehen und bei mir gibt es etwas zu entdecken. Dementsprechend ist es für mich sehr, sehr schön, dass Fernsehdeutschland mal gezeigt wird, was unter dem Radar noch so alles los ist. Außerdem können vielleicht hier und da Leute dazu bewegt werden, auch mal in einen Club zu gehen und sich eine Band anzuschauen. Ich möchte den Leuten zeigen, dass neben DSDS ein Paralleluniversum existiert, in dem geiles Zeug passiert. Vielleicht bekommt man die Jugend dann auch mal wieder in einen dreckigen Club, in dem getanzt wird, wo Bands spielen, wo es von der Decke tropft und wo man eine Band für sich entdeckt, mit der man alt werden kann.

Warst du vom Angebot überrascht, bei „Sing meinen Song“ dabei zu sein?

Ich war schon sehr überrascht, dass die Verantwortlichen mich gefunden haben. Zuerst habe ich gedacht, dass es wahrscheinlich ein Tippfehler ist und sie zum Beispiel geschrieben hatten „Das ist ja wohl ein Witz“ und dann aus Versehen noch auf das „r“ gekommen sind und es „Wirtz“ wurde… Aber wenn man sich das Format der Sendung anschaut, in der man möglichst viele, verschiedene und bunte Bereiche abdecken will, dann ist es total logisch, dass sie auf mich zugegangen sind. Wenn es um deutschsprachige Rockmusik geht, die auch eine etwas härtere Gangart anschlägt, dann ist man relativ schnell bei mir. Es ehrt mich natürlich, dass ich für diese Linksaußen-Situation zuständig bin und ich werde auch ganz schön harte Pässe in die Mitte spielen in der Hoffnung, dass die anderen die dann reinköpfen (lacht).

Woher kommen deine Texte denn?

Die Texte sind eher autobiografisch, ich bin mit offenen Augen durchs Leben gelaufen, habe geschaut was passiert. Ich schreibe über Dinge, die mich so bewegen, über die ich nachdenke, ich gehe dabei mit mir ins Gericht. Dementsprechend sind meine Texte ein Schulterblick in mein Leben: Einfach mal mitfahren. Andere Leute arbeiten woanders acht Stunden hart und ich habe das Privileg acht Stunden am Tag über Sachen nachdenken zu können. Hier und da weist man dabei Sachen auf, die man so im alltäglichen Leben wahrscheinlich nicht sehen könnte. Ein schönes Kompliment ist für mich, wenn Leute meine Musik hören und sagen, dass ich eine Emotion auf den Punkt getroffen habe, von der sie nie wussten, wie sie es ausdrücken sollen. Ich bringe Sachen auf den Punkt und ich beschreibe Emotionen so, dass sie anderen aus der Seele sprechen. Anderen, die tagsüber nicht die Zeit haben, darüber nachzudenken, weil sie einen ganz normalen Job haben, der sie einnimmt.

Was reizt dich an „Sing meinen Song“?

„Sing meinen Song“ ist ein absolut erfrischendes Format, weil es eigentlich nur um die Musik und nur um die Künstler geht. Ich bin ja ein gebranntes Kind, was Medien angeht und liege unter dem Radar, weil ich grundsätzlich auf alles angebotene überhaupt keinen Bock habe. „Sing meinen Song“ ist das erste gewesen, wo ich mir vorstellen konnte mitzuwirken. Es gibt keine Klingeltöne, es gibt keinen Gewinner und Verlierer, es gibt keine Jury, es gibt keinen Moderator. Es gibt nur eine gefühlte Backstage-Situation von Leuten, die alle Musik machen. Wir kommen zwar alle aus verschiedenen Genres, aber wir sind Kollegen. Man hat die gleichen Geschichten, man hat den gleichen Antrieb. Den Antrieb lebt man zwar auf verschiedene Weisen in der Musik aus, aber am Ende geht es um die gleiche Sache. Das ist eine derbe Sache. Ich muss mich nicht verbiegen! Ich habe die Songs der anderen genommen, musste Text und Melodie beibehalten, aber es war mir frei, was ich damit mache. Das war vollkommen mir überlassen. Dementsprechend habe ich die Songs auch so umgeschrieben und umkomponiert, dass es einem eingefleischten Wirtz-Fan nicht auffällt, dass es ein fremder Song ist. Sie werden sich nahtlos in mein Repertoire einfügen. Auf der anderen Seite werden die anderen Sänger wahrscheinlich hier und da mit offenen Mund sitzen, wenn sie hören, was ich aus ihren Songs gemacht habe. Das ist natürlich ultra spannend und da habe ich total Bock drauf!

Wie gehst du denn dann mit einer klassischen Ballade um?

Ich habe mir die Songs in erster Linie so ausgesucht, dass ich mit dem Text d’accord gehe. Ich lege sehr viel Wert auf das, was gesagt wird – auch in meinen eigenen Songs. Dementsprechend habe ich versucht, mir von den anderen Künstlern die Titel mit einer Aussage herauszuziehen. Songs, die mich in irgendeiner Form berührt haben, in denen es um etwas geht. Aus ihnen musikalisch etwas zu machen, was in meinen Kosmos passt, ist für mich das leichteste. Aus jedem guten Song kann man sowohl eine Ballade als auch ein Punkrocksong machen. Hier und da habe ich die Karte Punkrock gespielt und hier und da habe ich auch mal den Song Ballade sein lassen. Aber in 90 Prozent der Fälle gibt es sehr tief gestimmte Gitarren, die über dieses ehemalige Pop-Korsett drüber gestülpt wurden und am Ende ist das alles sehr tanzbar geworden.

Einen Song darfst du schon verraten…

Das ist von Andreas Bourani „Auf anderen Wegen“. Auch hier habe ich mich aufgrund des Textes entschieden – den finde ich sensationell! Er ist zwar eher im Pop-Bereich unterwegs, aber textlich finde ich das sehr, sehr gut. Der Song ist meines Erachtens nach vom Text her Killer und ich habe ihm einfach noch das dazugegeben, was ich dazugegeben hätte, wenn es meiner gewesen wäre – eine ganze Schippe Rock! Rockmusik heißt ja auch nicht immer, dass sie möglichst laut geschrien wird. Es gibt auch von mir sehr ruhige Songs. Nicht in jedem Song kommt „gefickt“ oder „Scheiße“ vor. Hier und da ist es lyrisch irgendwas zwischen Safranski und Heydecker – ich bin auch mal hochphilosophisch. Da spart man sich eigentlich den Therapeuten, wenn man meine Musik hört (lacht). So ist bei mir die Spannweite auch relativ breit, was das Musikalische angeht – es muss nicht immer alles ballern und geschrien werden. Wenn man in einem Song verletzt oder verärgert ist, dann muss es einfach mit einer Energie vorgetragen werden, die dem Thema gerecht wird. Wenn es aber um Emotionen geht, die einen berühren, dann kann es auch mal ganz nett und sehr sensibel und intim vorgetragen werden. Das ist in meinem Tagesgeschäft so und das wird auch in Südafrika aufblitzen.

Worauf freust du dich bei „Sing meinen Song“ mehr: Zu singen oder die eigenen Songs gesungen zu bekommen?

Spannender ist natürlich, dass ich nicht weiß, was die anderen aus meinen Songs machen. Ich weiß, was ich aus ihren Songs gemacht habe und ich bin so euphorisch, das loszuballern! Da sind mörder-fette Versionen dabei, die einfach absolut zum tanzen einladen und die absoluten Hit-Charakter haben. Vorher waren sie wahrscheinlich noch größere Hits, aber ich werde den Hit in den Rockclub tragen, sodass er auch neben „Smells Like Teen Spirit“ bestehen kann. Ich freue mich sehr, den Kollegen endlich meine Varianten vorspielen zu können, weil die mir jetzt in meiner Fassung total Spaß machen. Auf der anderen Seite bin ich natürlich auch sau gespannt, was der Rest aus meinen Songs macht. Ich hoffe, dass das alles gut ist (lacht) und ich da nicht sitze und denke „aiaiai, das Original war aber so schön…was habt ihr denn da jetzt gemacht?“. Wenn das der Fall sein sollte, werde ich wahrscheinlich so ehrlich sein und die goldene Ananas verleihen an dem Abend für „naja, das war ein netter Versuch, aber: Das war so schön im Original!“ (lacht).

In der ersten Staffel haben sich zwischen den Sängern bemerkenswerte Synergien entwickelt. Kannst du dir vorstellen, später einen Catterfeld-Song auf deinen Konzerten zu spielen?

Ich kann hier hoch und heilig versprechen, dass selbst ein Catterfeld-Song, der von Dieter Bohlen geschrieben wurde, von mir zu einer dermaßen geilen Party-Punkrock-Nummer gemacht wurde, dass wir mit dem eine Menge Spaß auf der Straße und auch im dreckigen Club haben werden. (lacht)

Sing meinen Song
00:00 | 00:12

Das Weihnachtskonzert am 20. Dezember

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