20.12. I DIENSTAG I 20:15

Sing meinen Song: "Die Prinzen" im Interview

Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel von "Die Prinzen" im Interview.
Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel von "Die Prinzen" im Interview zu "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert". © VOX/Timmo Schreiber

Sebastian Krumbiegel: "Covern ist immer kacke!"

Bei der zweiten Staffel von "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" sind mit Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel das erste mal zwei Musiker als ein Act dabei. Die beiden Sänger "vertreten" ihre Band "Die Prinzen". Warum sie aber doch nicht ganz auf ihre Band-Kollegen verzichten müssen, haben sie im Interview verraten.

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Worauf freut ihr euch mehr: Eure Versionen den anderen zu präsentieren oder zu hören was die anderen aus euren Songs gemacht haben?

Künzel: Das sind zwei ganz verschiedene Dinge – das kann man so gar nicht vergleichen. Selber rauszugehen und zu singen ist ja unser Beruf, das machen wir gerne. Es ist natürlich auch ein schönes Gefühl, dass da sehr bekannte Sänger Deutschlands mitmachen. Es ist toll, dass wir in diese Reihe der großen Namen mitreingezählt werden. Dass diese Sänger dann auch noch unsere Songs singen, ist dann natürlich noch besser und ein sehr schönes Gefühl. Aber vergleichen kann man das Selbst-singen und das Besungen-werden nicht.

Ihr seid schon seit Jahrzenten im Geschäft: Was reizt euch jetzt an "Sing meinen Song“?

Krumbiegel: Am Ende ist es Musik und man muss immer schauen, dass man frisch im Kopf bleibt. Ich gehe zu sehr vielen Konzerten, höre mir andere Bands an und gehe sehr viel in Clubs. Es gibt aber selten die Gelegenheit, dass man wirklich mit anderen Leuten zusammen Musik machen kann. Natürlich ergibt sich sowas manchmal, wenn man irgendwelche Leute trifft, unterwegs auf Tour in Hotels zum Beispiel. Das Höchste der Gefühle, was wir auch schon zwei, drei Mal gemacht haben, ist es dann, mit irgendwelchen Leuten nachts am Klavier rumzusitzen und mit denen Musik zu machen. Das ist natürlich jetzt was anderes: Wir haben eine hammermäßige Profi-Band, die sich da wirklich auf die Künstler einstellt und die genau zuhört, was man will. Wir nehmen Einfluss auf die Songs und machen unser eigenes Ding draus – covern ist immer kacke! Man muss ein Lied irgendwie anders präsentieren. Wenn wir den Bandmitgliedern dann sagen, wie wir es haben möchten, dann können sie uns das nach einer halben Stunde so vorspielen. Das macht riesen Laune!

Ist es ein Vorteil, dass ihr bei „Sing meinen Song“ zu zweit und nicht zu fünft dabei seid?

Künzel: Musikalisch ist das natürlich erst mal ein Nachteil.

Krumbiegel: Menschlich ein großer Vorteil! (beide lachen)

Künzel: Nein, also musikalisch ist es wirklich schwierig. Wir haben mit den Background Sängern geprobt, die müssen so ein bisschen den Prinzen-Sound ersetzen. Das geht natürlich eigentlich nicht, da eine Stimme etwas sehr Charismatisches ist. Wir haben aber einen Trick angewandt: Es darf jeder von uns eine Begleitperson mitnehmen und einen vom Management. Wenn man das jetzt bei uns beiden durchzählt kommt man auf fünf! Ihr dürft dreimal raten, wen wir mitnehmen (lachen).

Krumbiegel: Wir haben gefragt, ob das möglich ist – weil wir eben nicht nur zwei, sondern fünf Prinzen sind. Und wir werden das auch musikalisch raushängen lassen, dass wir eben nicht nur zweistimmig, sondern am Ende bei zwei Songs auch fünfstimmig singen werden.

„Die Prinzen“ sind also ein eingeschworener Haufen?

Künzel: Es bleibt uns ja gar nichts anderes übrig, als so ein eingeschworener Haufen zu sein! Diese fünf Stimmen ergänzen sich und für den Gitarristen ist es natürlich einfacher, da kann man sagen „der hat auch einen coolen Sound“. Bei fünf Stimmen ist es aber schon wichtig, dass dann tatsächlich auch diese fünf Stimmen zu hören sind.

Krumbiegel: Tobias und ich kennen uns dieses Jahr im November seit 42 Jahren – das ist schon unglaublich. Ich bin 48, Tobias ist zwei Wochen älter als ich und wir machen eigentlich seit wir uns kennen zusammen Musik. Als Kinder sind wir in der vierten Klasse in den Thomanerchor gekommen. Wolfgang kenne ich erst seit 1976, Henry kenne ich erst seit 1977 und Jens kenne ich erst seit 1987. Jens ist sozusagen der Neue bei uns, aber eben auch schon sehr lange dabei. Wir kennen uns einfach sehr gut – verschworener Haufen ist schon richtig. Untereinander bezeichnen wir uns eigentlich eher als Brüder und nicht als Freunde: Man kann auch zu seinem Bruder nicht mehr sagen: „Du bist jetzt nicht mehr mein Bruder.“ Und das ist bei uns so ähnlich. In dieser Besetzung machen wir seit 1991 Musik und das sprengt man nicht so schnell. Die Besetzung der Prinzen ist von Anfang an die selbe, wir haben nie irgendjemand anders mit reingeholt – wir kennen uns so gut, dass wir um die Vor- und Nachteile eines jeden einzelnen genau wissen.

Künzel: Auf jeden Fall kennen wir uns seit 42 Jahren, das sind acht Jahre weniger, als es die Scorpions gibt.

Krumbiegel: Und wie viele Jahre mehr, als es VOX gibt? (lachen)

"Einen Song nachzuspielen, ist langweilig"

Bietet "Sing meinen Song“ nun eine echte Plattform für Musik, abseits von Casting-Shows?

Krumbiegel: Ja, denn im deutschen Fernsehen gibt es wenige Möglichkeiten Musik zu machen. Zu unserer Zeit damals gab es noch die Rockpaläste – die gibt es zwar heute immer noch, sie erfreuen sich aber kaum mehr Beliebtheit. Damals waren das wirklich Kultveranstaltungen, bei denen man nächtelang durchgemacht und man sich ein halbes Jahr drauf gefreut hat. Es gab jetzt lange kein Musikformat im deutschen Fernsehen und dass sich Leute trauen, sowas zu machen, finde ich bemerkenswert. Ich freue mich, dass sie damit auch noch solchen Erfolg haben – am Ende muss man den Leuten nicht immer irgendwas geben, was sie zu fressen haben. Man muss nicht mit irgendwelchen niederen Instinkten da ran gehen, man kann die Leute auch mit guter Musik unterhalten. Besser unterhalten, als mit irgendwelchem Voyeurismus-geschwängerten Ich-führe-dich-hier-mal-vor-Shows.

Welchen neu interpretierten Song könnt ihr denn schon verraten?

Künzel: Wir werden „Wir leben den Moment“ von Christina Stürmer in einer sehr, sehr speziellen Version singen, die nicht unbedingt prinzen-typisch ist.

Krumbiegel: Du (Tobias) hattest am Anfang die Idee, das irgendwie so ein bisschen…

Künzel: … wir machen nicht nur Country, sondern auch Western! (lachen)

Krumbiegel: Einen Song nachzuspielen ist langweilig. Es gibt einige Lieder, die wir alle irgendwie kennen, bei denen der Coversong besser ist, als das Original. Zumindest empfinde ich das so. „Hurt“ von Johnny Cash, was eigentlich von Nine Inch Nails ist, „Personal Jesus“ auch von Johnny Cash, was eigentlich von Depeche Mode ist. Da denke ich mir, dass er einfach das Lied genommen hat und seine eigene Personality reingelegt hat. Man muss sich immer etwas einfallen lassen, dass man nicht nachspielt – das ist langweilig und will niemand hören. Man muss dem Ding seine eigene Note geben, das haben wir gemacht und auch ganz gut hinbekommen, glaube ich. Auch weil das eine geile Band ist, um das noch mal zu sagen. Die Leute in Mannheim, Michael Herberger und vor allem auch Mathias Grosch – Hammer! Wie die sich auf uns eingelassen haben, das war ein wunderbares Musizieren.

Ihr habt zwar schon in den schönsten Opernhäusern gespielt, aber seid jetzt das erste Mal in Afrika - wird das die spannendste und ausgefallenste Location dort?

Künzel: Wir waren in Hongkong bereits und das war bisher die ausgefallenste Location. Da spielte 300 Meter weiter im Stadion Prince und wir sind da vor 1000 Hongkong-Chinesen und vielen Deutsche, die dort wohnen, aufgetreten. Das war natürlich ein tolles Gefühl, dort in Asien mit unseren deutschen Texten und Songs aufzutreten. Ich glaube, dass man das jetzt nicht direkt vergleichen kann, denn es ist ja kein Konzert im eigentlichen Sinne. Wir sind unter uns, es ist ein Familienausflug und dass der in Südafrika stattfindet, macht es ein bisschen kribbliger als wenn wir nach Pilsen gefahren wären – was mir auch recht gewesen wäre!

Ist die Situation eine andere, weil ihr keinem Publikum vorsingt sondern euren Kollegen?

Krumbiegel: Ich finde das eigentlich besser, weil ich es herausfordernder finde. Dadurch, dass ja alles live stattfindet, gibt es keine Trickserei, wir müssen uns alle da schon am Riemen reißen und da sieben gute Tage erwischen. Es ist eben einfach keine Fake-Veranstaltung sondern Live-Musik und das ist wichtig. Man darf auch nicht vergessen, dass es den anderen ja genauso geht. Es geht einfach nicht darum, dass wir vorgeführt werden sollen, es geht nicht darum, dass wir irgendjemanden vorführen sollen. Es geht wirklich darum: Mach, was du für richtig hältst, versuche ein Lied, das zum Beispiel Hartmut Engler brillant gesungen hat, so zu singen, dass man ihm einigermaßen das Wasser reichen kann. Das wird uns nicht gelingen, aber wir arbeiten dran.

Künzel: Die Herausforderung ist schon deswegen wesentlich größer, weil man da Leute hat, die wissen, wie es geht und was man tut. Da sind Nummer-1-Leute vertreten.

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