stern TV-Reportage

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© Das kostbare Nass! - Ein Experiment: Leben ohne Wasser

Das kostbare Nass! - Ein Experiment: Leben ohne Wasser - am 11.09.2010 um 13:00 Uhr

Jeder Deutsche verbraucht am Tag 125 Liter Wasser - fast eine Badewanne voll. In armen Ländern müssen Familien tagelang mit einer solchen Menge auskommen. Doch im Vergleich zu anderen Industrieländern liegt Deutschland beim Wassereinsparen ganz weit vorne. In Italien werden pro Person 250 Liter am Tag, in den USA und Japan sogar 280 Liter verbraucht. Zwar gibt es in Deutschland ausreichend Niederschläge, aber die Trinkwasser-Reservoirs sind durch Chemikalien und Schwermetalle bedroht. Experten zufolge ließe sich der private Wasserverbrauch auf ca. 80 Liter pro Tag und Kopf reduzieren, ohne dass man auf gewohnten Komfort verzichten müsste. stern TV-Reportage zeigt Menschen, die - jeder auf seine Weise - einen extremen Umgang mit Wasser haben.

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Öff!Öff! alias Jürgen (45) wohnt in einer selbstgebauten Hütte am Rande eines Waldes bei Görlitz. Er lebt dort im Naturschutzgebiet wie in der Steinzeit, verachtet Geld, Konsum und die Zivilisation. stern TV-Reportage dokumentiert sein Leben ohne Wasser aus dem Hahn. Wenn er Wasser braucht, nutzt er den Fluss vor seiner Tür. Dort badet er und wäscht seine Kleidung. "Ich wasche mich nur selten.", sagt er. "Zu viel Hygiene macht die Haut kaputt!" Da Öff!Öff! am liebsten nur mit einem Lendenschurz bekleidet herumläuft, hat er nicht viel Wäsche, außer einer Hose und ein paar selbstgestrickter Pullis. Trinkwasser holt er sich in einem nahegelegenen Gasthof. Kochen tut er grundsätzlich nicht: "Ich will all den Schnickschnack reduzieren", sagt er. "Warmes Essen ist völliger Unfug!" Stattdessen isst er lieber Regenwürmer und Waldkräuter.

Eine Familie aus Landau bezeichnet sich selbst als Wasserverschwender. "Warum Wasser sparen, es kommt doch aus der Leitung", findet Vater Markus (39), ein erfolgreicher Schlagersänger. Als er vor drei Jahren einen Pool bauen ließ, interessierte er sich nur für die Bauskosten. Wasserverbrauch und Umweltschutz waren kein Thema. Das rächt sich nun, denn die Kosten steigen! 22.500 Liter Trinkwasser fließen jedes Frühjahr in den Pool. Tochter Lilly (12) zieht sich fünfmal am Tag um: "Ich bin dann zu faul, die Wäsche zusammenzulegen. Die kommt direkt in den Wäschekorb." Mutter Kirstin (39) benutzt jedes Handtuch nur einmal. Mehrmals täglich läuft die Waschmaschine. Vater Markus badet am liebsten täglich, die anderen sind Vielduscher. Erst seit die letzte Wasserrechnung ins Haus flatterte, befürchtet die Familie, dass ihr gedankenloser Konsum richtig teuer wird. Ein Experte der Wasserwerke zeigt der Familie, wie sie ihre Kosten massiv senken können.

Eine vierköpfige Familie aus München macht ein ungewöhnliches Experiment: Eine Woche lang leben sie ohne fließendes Wasser. "Ich finde es super, mal richtig bewusst zu leben", sagt Mutter Tatjana (36), "besonders wegen der Kinder. Sie sollen sehen, wie es ist, wenn man den Wasserhahn nicht aufdrehen kann!" Die Familie hat einen Brunnen im Garten, aber darin ist kein Trinkwasser. Sie leben in einem Haus mit Garten, der bewässert werden muss. Mutter Tatjana kocht jeden Tag, macht Wäsche für vier Personen, alle duschen täglich. Sogar der Gang zur Toilette ist zeitaufwändig und kompliziert: "Immer wenn ich auf die Toilette will, muss

ich erst einen Eimer zum Spülen am Brunnen auffüllen", jammert der Sohn Dominik (15). Schon nach wenigen Tagen sind alle ziemlich genervt. stern TV-Reportage hat die Familie begleitet und zeigt, wie schwierig es ist, auf eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation zu verzichten: auf Wasser aus dem Hahn.