SONNTAGS I 17:00

Unfallakte

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Fahrer betrunken?

Von rechts nach links schlingert ein Gefahrengut-LKW durch den kleinen Ort Stuhr-Fahrenhorst. Auf einer Länge von 300 Metern rammt er alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. Fünf Autos bleiben auf der Strecke, bevor der LKW kippt und auf der Seite liegen bleibt.

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Die Unfallstelle ist vollkommen verwüstet. Überall liegen Fahrzeug- und Trümmerteile. Wie durch ein Wunder werden die Autofahrer werden nur leicht verletzt.

Wieso fährt ein Gefahrengut-LKW völlig unkontrolliert durch den Ort?

Zunächst wird vermutet, der Fahrer sei betrunken. Doch der Grund des Unfalls ist ein anderer: Am Steuer des LKW erleidet der 60-jährige Fahrer einen Herzinfarkt. Er sackt hinter dem Lenkrad zusammen und verliert die Kontrolle über das 40 Tonnen-schwere Gefährt.

Sein Leben hat er der Freiwilligen Feuerwehr zu verdanken. Die kommt zufällig am Unfallort vorbei und reanimiert den Fahrer sofort. Schwerverletzt wird er in ein naheliegendes Krankenhaus gebracht.

Jetzt beginnt man sich für die Ladung des LKW zu interessieren.

Glück im Unglück

Auf dem Anhänger befinden sich 50 Fässer mit Gefahrgut. Information über den Inhalt der Fässer findet man zunächst nicht. Sämtliche Fracht- und Ladepapiere sind im Fahrerhaus und auf der Straße verteilt.

Um herauszufinden, was sich in den Fässern befindet, rückt die Gefahrguteinheit der Feuerwehr Diepholz an.

Geschützt mit Spezialanzügen bergen die Feuerwehrleute die Fässer. Für die Anwohner ein beunruhigendes Schauspiel.

Nach sieben Stunden dann Entwarnung: Es sind nur wenige Behälter beschädigt. Die ausgetretene Menge einer Harzlösung war gering.

Alle Unfallbeteiligten hatten Glück im Unglück. Etwas mehr von der Flüssigkeit, in Verbindung mit einer höheren Außentemperatur, hätte schnell zu einer Explosion führen können. Auch die Tatsache, dass zum Zeitpunkt des Unfalls keine Fußgänger oder Radfahrer in der Nähe des Unfalls waren, ist pures Glück.

Gefahrenguttransporte unterliegen strengen Auflagen. Ab dem 50. Lebensjahr müssen sich LKW-Fahrer alle fünf Jahre medizinisch untersuchen lassen. Unfälle wie der in Fahrenhorst lassen sich dennoch nicht verhindern.