SONNTAGS I 17:00

Unfallakte Garbsen

Unfallakte Garbsen

Tödliche Flammen

Für die Insassen eines Reisebusses sollte die Tour zu einer Vergnügungsfahrt werden - doch für viele endete der Ausflug tödlich.

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Lichterloh stand der Reisebus auf der A2 bei Garbsen in Flammen. Bevor sich das Feuer richtig ausbreiten konnte, war es dem Fahrer noch gelungen, den Bus auf dem Seitenstreifen abzustellen. Doch die meist älteren Insassen hatten kaum eine Chance, sich ohne fremde Hilfe in Sicherheit zu bringen. Als die Feuerwehr an der Unfallstelle eintraf, wurden die schlimmsten Befürchtungen wahr: 20 der meist älteren Businsassen waren verbrannt, lediglich dreizehn Menschen konnten den Flammen entkommen.

Das unfassbare: Etliche Autofahrer hatten die Unfallstelle passiert, ohne Hilfe zu leisten. Anstatt zu helfen, verlangsamten sie ihre Fahrt, schauten sich den Unfall an und fuhren dann mit Vollgas davon.

Nach dem die Löscharbeiten beendet waren, begann die Analyse der Ursache des schwersten Busunglücks in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der ausgebrannte Reisebus wurde sichergestellt und auf ein abgeschirmtes Gelände der Polizei gebracht.

An den umfangreichen Unfalluntersuchungen beteiligten sich rund 120 Polizisten, eine Sonderkommission sowie sieben Sachverständige des TÜV Nord.

Spurensuche

Die vielen technischen Einrichtungen des Busses könnten eine der möglichen Brandursachen gewesen sein. Möglich ist aber auch, dass ein Fahrgast auf der Bordtoilette geraucht hatte und somit das Feuer auslöste.

Um Aufschluss über den Auslöser des Brands zu bekommen, wurden Untersuchungen bei den Herstellern einzelner Teile und Aggregate durchgeführt.

Um das Brandverhalten der einzelnen Komponente und Bauteile exakt nachzustellen, wurde ein Teil des Busses nachgebaut und in Brand gesteckt.

Auch die Theorie, dass eine Zigarette der Auslöser des Brands gewesen sein könnte, wurde nachverfolgt. Doch aufgrund des Brandverlaufs zeigte sich, dass die Zigarette nicht der Auslöser gewesen sein konnte.

Wäre die Zigarette der Auslöser für den Brand gewesen, hätten die Flammen durch die Toilettentür des Busses schlagen müssen. Die Reisenden hätten den Brand bemerkt.

Erst neun Monate nach dem verheerenden Unfall stand die Brandursache fest: Das Feuer entstand durch einen Kurzschluss in einem Kabelbaum, der die Bordküche des Busses mit Strom versorgte. In Folge des Kurzschlusses kam es zu einem Brand im Kabelstrang, der sich im Innenraum des Busses verbreitete.

Wodurch der Kurzschluss letztendlich entstand, konnte aufgrund der starken Zerstörungen durch das Feuer nicht abschließend geklärt werden.

Auch die Zukunft der Überlebenden ist bis heute nicht geklärt. Die Regulierung der Versicherungsansprüche dauert noch immer an.