Unschuldig im Knast - Justizopfer und ihr Kampf gegen Fehlurteile

Unschuldig im Knast - Justizopfer und ihr Kampf gegen Fehlurteile
(c) Foto: VOX/Süddeutsche Zeitung TV

Justizpfer und ihr Kampf gegen Fehlurteile - Dokumentation ausgezeichnet mit dem "Blauen Panther" 2013

Es ist der Albtraum schlechthin, der Tag, mit dem sich alles im Leben ändert: Von einem Richter schuldig gesprochen "Im Namen des Volkes" und der Verurteilte weiß: Ich war es nicht. Doch keiner glaubt ihm und er muss es beweisen. Justizirrtümer können jeden treffen. In der Bundesrepublik Deutschland werden jährlich rund 500 Bürger unschuldig verurteilt. Bei rund 800.000 verhandelten Fällen ist das eine erschreckend hohe Quote. "In dubio pro reo", im Zweifel für den Angeklagten. Dennoch kommt es immer wieder zu diesen Fehlurteilen. Das Leben des unschuldig Verurteilten ändert sich komplett - für den Verurteilten, aber auch für seine Angehörigen. Existenzen werden zerstört, Perspektiven vernichtet, Familien auseinandergerissen. Kommt das Justizopfer letztendlich frei und wird ein Fehler der Justiz eingeräumt, kann die Haftentschädigung den emotionalen Schaden nie wieder gut machen - den finanziellen nur schwer. 25 Euro pro Hafttag! Im internationalen Vergleich zahlt der deutsche Staat erschreckend wenig für seine Opfer im Namen der Justiz. In der Dokumentation zeigt Süddeutsche TV, wie der Rechtsstaat mit seinen Opfern umgeht und nur sehr träge um Wiedergutmachung bemüht ist.

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VOX und Süddeutsche TV gewannen den Bayerischen Fernsehpreis "Blauer Panther" 2013 für diese Dokumentation!

Totschlag mit besonderer Schwere der Schuld

Unschuldig im Knast - Justizopfer und ihr Kampf gegen Fehlurteile

"Totschlag mit besonderer Schwere der Schuld", so lautet das lebenslängliche Urteil für die 53-jährige Berlinerin Monika de Montagazon, 889 Tage hat sie unschuldig in Haft gesessen. Die Arzthelferin soll das Haus ihres final krebskranken Vaters angezündet und somit den bettlägerigen Rentner ermordet haben. Das Urteil stellte sich später als einer der schwersten Justizirrtümer der vergangenen Jahre heraus.

Rund fünf Jahre saß der Familienvater Ralf Witte unschuldig in Haft. Dem Trambahn-Fahrer aus Hannover wurde sexueller Missbrauch einer Minderjährigen vorgeworfen. Seine Frau kämpfte jahrelang um die Unschuld ihres Mannes. Mit Hilfe von Rechtsanwalt Johann Schwenn aus Hamburg kommt es zu einem Wiederaufnahmeverfahren und Ralf Witte in Freiheit. Aber die fünf Jahre in Haft haben Spuren hinterlassen. Witte ist mit 48 Jahren arbeitsunfähig und leidet unter starken psychischen Angstzuständen. Dazu kommt ein jahrelanger Kampf um Haftentschädigung und Verdienstausfall mit einem Justizsenator, der sagt "Ja, dem Mann ist Unrecht widerfahren, aber er versucht auch nicht mal, wieder zu arbeiten."

Hubert Schöpfer verbrachte Weihnachten 2009 hinter Gittern. Der 54-jährige Familienvater aus dem oberbayerischen Wörnsmühl wurde verdächtigt, seinen 89-jährigen Onkel aus Habgier umgebracht zu haben. Der zuständige Staatsanwalt ließ ihn in Untersuchungshaft bringen, ohne das Obduktionsergebnis abzuwarten. Erst nach den Weihnachtsfeiertagen wurde Schöpfer frei gelassen, der Gerichtsmediziner hatte einen natürlichen Tod bescheinigt. Jetzt klagt sein Anwalt gegen den Freistaat und fordert Schadensersatz. Obwohl der Onkel nachweislich eines natürlichen Todes starb, erreichen Hubert Schöpfer immer noch anonyme Briefe, in denen er als Täter beschuldigt wird. Den vermeintlichen Makel wird er in seinem Dorf nicht mehr los.

Joe Bausch ist seit über 25 Jahren im Knast. Der bekannte "Tatort"-Schauspieler arbeitet als Mediziner im Gefängnis. "Als Knastarzt kann ich eine viel breitere Medizin machen als draußen. Zu mir kommen alle Fälle - vom kleinen Betrüger bis zum Massenmörder - da darf ich nicht unterscheiden", so der 60-Jährige. Er zeigt Einblicke in seinen Knastalltag in der JVA Werl und klärt die größten Missverständnisse in Sachen Gefängnis endgültig auf. Und er kennt den Kampf gegen Justitia und weiß, es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Die Chronologie der Reaktion und der Emotion ist fast immer identisch. "Man fühlt sich wie im falschen Film", ist einer der verbindenden Aussagen. Anschließend folgt eine emotionale Ohnmacht, welche von Fassungslosigkeit in Wut umschlägt. Und genau diese Wut ist es, welche die Verurteilten antreibt, für ihre Unschuld zu kämpfen.

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