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Nachdenklich und dünnhäutig: Verteidigungsminister zu Guttenberg machen die Bundeswehr-Skandale zu schaffen
Schlechtes Krisenmanagement mit Folgen
Die Affären und Probleme, die Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in den letzten Wochen ereilt haben, schaden nicht nur seinem Ansehehn in der Bevölkerung. Der CSU-Mann - von vielen schon als neuer Kanzlerkandidat gehandelt - verliert wegen seines schlechten Krisenmanagements auch das Vertrauen in der Truppe.
"Gerade Offiziere mit Führungsverwendung fragen sich: Wie viel Vertrauen können wir noch in die politische Führung haben?", sagte der Marinesprecher des Bundeswehrverbands, Uwe Sonntag, der 'Rheinischen Post'. Er nannte die schnelle Absetzung des Gorch-Fock-Kapitäns Norbert Schatz durch Guttenberg eine Überreaktion.
Am Freitag soll ein Ermittler-Team seine Arbeit auf dem Schulschiff beginnen. Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour teilte diese Einschätzung: "Meine Wahrnehmung ist, dass die militärische Führung das Vertrauen in die politische Führung verliert." Auch Marine-Inspekteur Axel Schimpf sei am 21. Januar von Guttenbergs Entscheidung überrascht worden.
Auf der Gorch Fock sollen Offiziersanwärter drangsaliert worden sein. Die Bundeswehr steht wegen der Zustände auf dem Segelschulschiff, eines tödlichen Unfalls in Afghanistan und geöffneter Feldpost in der Kritik. Guttenberg hatte am Mittwoch eingeräumt, dass die Bundeswehr bei der Unterrichtung des Parlaments zunächst nicht auf das Fremdverschulden des Todes eines Soldaten in Afghanistan verwiesen hatte. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier beklagte das im Deutschlandfunk erneut.
Unbeschadet kommt er durch die Krise nicht durch
Die 'Bild'-Zeitung berichtete, der amtierende Gorch-Fock-Kommandant Michael Brühn sei während seiner Zeit als Kapitän 2004 Wasserski um das Segelschiff gefahren. Das Verteidigungsministerium wies Kritik daran zurück: "Die heute veröffentlichten Fotos lassen kein vorwerfbares Verhalten von Kapitän zur See Michael Brühn erkennen." Es handele sich um eine "Betreuungsmaßnahme" und gängige, erlaubte Praxis in der Marine. "Die Wasserskier wurden seinerzeit aus Betreuungsmitteln beschafft und standen der gesamten Besatzung zur Verfügung."Dennoch: Unbeschadet wird der Politstar nicht aus diesen Affären hervorgehen. Begonnen hatte sein Negativ-Lauf mit dem zur Show stilisierten Truppen-Besuch in Afghanistan, an dem ein Fernsehmoderator und seine Frau teilnahmen. "Zur Kanzlerreife fehlt ihm noch etliches", schreibt beispielsweise die 'Neue Westfälische' in einem Kommentar.
Und: Die Unkenrufe aus den eigenen Reihen wollen auch nicht verstummen. Wer den Schaden hat, braucht eben für den Spott nicht zu sorgen. "Die Bundeswehr (ist) in vielen Kommunen fest verwurzelt", sagte zu Guttenberg der CSU-Zeitung 'Bayernkurier'. "Trotzdem wird es am Ende nicht ohne Standortschließungen abgehen können." CSU-Chef Horst Seehofer hatte ihn davor gewarnt, Standorte fallen zu lassen.
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