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Christian Wulff bei seinem Großen Zapfenstreich vor dem Schloss Bellevue.
Ethik-Verband sieht schweren Schaden für Kontakt zwischen Politik und Wirtschaft
Mit sichtlich versteinerter Miene hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff den für ihn veranstalteten Großen Zapfenstreich vor dem Schloss Bellevue verfolgt. Bei seiner Verabschiedung harrte der 52-Jährige kerzengerade auf dem roten Podest aus, bevor seine Frau Bettina an die Seite ihres Mannes eilen konnte. Während Wulff in den letzten Minuten seiner Karriere als Staatsoberhaupt den Trommlern und Trompetern zuhörte, veranstalteten einige hundert Wulff-Gegner vor den Toren des Bundespräsidentensitzes ohrenbetäubenden Lärm.
Drei Wochen nach dem Rücktritt äußerte Wulff "Bedauern" darüber, dass er seine Amtszeit nicht zu Ende bringen konnte. Auf die näheren Umstände ging er jedoch nicht ein. Viel politische Prominenz blieb der militärischen Zeremonie fern. Trotz heftiger Kritik hatte der 52-Jährige auf den Zapfenstreich, der zu Ehren von scheidenden Staatsoberhäuptern üblich ist, bestanden.
Kritik kommt jetzt auch vom Ethik-Verband der deutschen Wirtschaft. Dieser befürchtet durch die Affären des Ex-Bundespräsidenten eine Beschädigung des Verhältnisses zwischen Politik und Wirtschaft. "Das ist eine Katastrophe", sagte der Präsident Ulf Posé. Er fürchte, dass der Kontakt zwischen Politikern und Unternehmern durch die Causa Wulff nun aus Vorsicht vor weiteren Verdächtigungen komplett einbricht. Das aber wäre "ein Schaden für die Gemeinschaft", sagte Posé weiter.
Während der Zeremonie im Garten des Präsidialamtes wirkte Christian Wulff sehr ernst. Auf seinen persönlichen Wunsch hatte die Bundeswehr vier Musikstücke im Programm, darunter auch die Europa-Hymne und den Song-Klassiker 'Over the Rainbow'.
Doch während im Präsidialamt die feierliche Verabschiedung stattfand, machten vor dem Schloss einige hundert Wulff-Gegner ihrem Ärger mit Triller-Pfeifen und Vuvuzela-Tröten Luft. Der ohrenbetäubende Lärm war auch im Garten des Präsidialamtes laut zu hören - solche Proteste gab es bei Politiker-Abschieden in der jüngeren Geschichte noch nie.
An der Zeremonie nahmen zwar Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) als amtierendes Staatsoberhaupt, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehrere Minister teil. Von Wulffs vier noch lebenden Vorgängern war jedoch kein einziger dabei. Auch die Opposition fehlte praktisch komplett.
Wulff wirbt nochmals für offene Gesellschaft
Über allem schwebten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover, weil Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer CDU-Ministerpräsident von einem befreundeten Unternehmer geldwerte Vorteile bekommen haben soll. Kritik gibt es vor allem auch daran, dass Wulff trotz einer Amtszeit von nicht einmal 600 Tagen zeit seines Lebens annähernd 200.000 Euro "Ehrensold" pro Jahr bekommen soll.Mit einiger Selbstironie sagte er in seiner Abschiedsrede: "Diesen Anlass hätte ich mir für das Jahr 2015 vorstellen können. Nun ist es anders gekommen." Seinem Nachfolger - vermutlich der DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck - wünschte er "eine glückliche Hand für Deutschland und breite Unterstützung". Erneut warb er für Toleranz. "Vielfalt, Weltoffenheit, Freiheit und sozialer Ausgleich - das macht unser Land aus und stark."
Ausdrücklich bedankte sich Wulff auch bei "allen Bürgerinnen und Bürgern in unserer so aktiven Bürgergesellschaft". Seine Frau Bettina lobte er, sie habe Deutschland "auf großartige Weise überzeugend repräsentiert". Zu seiner persönlichen Zukunft sagte er nur: "Ich gehe mit dem Gefühl der Neugier und der Vorfreude auf das, was kommt."
In seiner Rede dankte Wulff ausdrücklich der Kanzlerin und der Regierung, mit der er immer gut zusammengearbeitet habe. Er betonte, dass er mit der Gedenkfeier für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt und dem Dialog der Kulturen zwei wichtige Schwerpunkte als Präsident habe setzen wollen. Er betonte er zudem die Bedeutung der europäischen Einigung.
Weiterhin Kritik gab es daran, dass der Ex-Präsident auf den Zapfenstreich nicht verzichten wollte. Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast warf ihm im 'Hamburger Abendblatt' vor, mit der militärischen Verabschiedung der Bundeswehr zu schaden. Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel empfahl Wulff im SWR, einen Teil des Ehrensolds für gemeinnützige Zwecke zu spenden und "vielleicht selber eine gemeinnützige Arbeit" zu leisten.
Bayerns Ministerpräsident Seehofer als amtierendes Staatsoberhaupt lobte ihn hingegen dafür, dass er Deutschland "wichtige Impulse" gegeben habe. Wörtlich sagte er: "Sie waren ein guter Vertreter des modernen Deutschlands."
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