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Daniel Schwerd, Ober-Pirat des Kreisverbands Köln, steht im Interview mit RTLaktuell.de Rede und Antwort. Foto: Jakob Paßlick
Sind die Piraten mehr als die 'Protestpartei 2.0'?
Es ist wohl einfacher, den Papst zu erreichen, als einen Piraten. Zumindest, wenn es um direkten Kontakt - außerhalb des Netzes - geht. Wohlgemerkt handelt es sich bei der angesprochenen Klientel nicht um Freibeuter vor der Küste Somalias, die brutal Schiffe kapern. Nein, es handelt sich um eine Bewegung, die in Deutschland für ziemlich viel Gesprächsstoff sorgt. In der Parteienlandschaft lösen diese Piraten Verwirrung und große Fragzeichen aus.
Ist diese Bewegung eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Parteien? Die vergangenen Wahlergebnisse und Umfrage-Werte lassen aufhorchen. In Berlin sitzen die Piraten bereits im Abgeordnetenhaus, bei den Wahlen in Schleswig-Holstein kamen sie auf 8,2 Prozent, auch im Saarland waren sie erfolgreich. Nun stehen die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen vor der Tür. Die vorgezogenen Wahlen im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland gelten für die etablierten Parteien als enorm wichtiges Signal in Richtung Berlin und für die Bundestagswahl 2013. Die Piraten gibt es seit sechs Jahren. Oftmals werden sie auch mit den Grünen verglichen. Ist die Piratenpartei die 'Protestpartei 2.0', die 'Netz-Grünen-Reloaded'? Die Wünschis und die Machis seien bei den Piraten das, was bei den Grünen die Fundis und die Realos sind, gab STERN-Redakteur Hans-Ulrich Jörgens jüngst zu bedenken. Doch wer sind diese Piraten überhaupt, die sich vor allem durch Netzpolitik Gehör verschaffen, ansonsten oft einräumen: "Da sind wir dran, da müssen wir uns aber erst noch genauer damit befassen."
Wir versuchen, an die Kapitäne dieser Partei zu gelangen. Doch leider müssen wir feststellen: Das ist gar nicht so einfach. Wochenlang ist die Korrespondenz ins Leere gelaufen. Selbst der Pressesprecher der NRW-Piraten, Achim Müller, musste bei der Suche nach einem Termin zugeben, dass die Organisation teilweise noch ziemlich im Argen liegt. Auf den Hinweis, dass die Grünen Gerüchten zufolge zehn Jahre brauchten, um ihre Strukturen aufzustellen, antwortet Müller, dass man sich fest vorgenommen habe, das in der Hälfte der Zeit zu schaffen.
"Du kannst nicht immer nur meckern, du musst dich auch engagieren"
Schließlich treffen wir Daniel Schwerd, der auf der NRW-Wahlliste auf dem zehnten Platz steht, den Ober-Piraten von Köln. Der 46-Jährige ist seit 2009 bei der Partei und wurde 2010 Vorsitzender des Vorstandes vom Kreisverband Köln. Schwerd ist Ur-Kölner und neben seinem ehrenamtlichen politischen Engagement selbständiger Unternehmer. Hier wird deutlich, wie die Piraten aufgestellt sind und warum es oftmals noch schwierig ist, sie außerhalb des Netzes zu treffen und einen Termin im 'echten Leben' zu vereinbaren. "Wir arbeiten alle ehrenamtlich, die Wahlkämpfer in NRW nehmen sich meist Urlaub, um die Partei in dieser Zeit unterstützen zu können. Außerdem wurde das Medieninteresse überaus groß und ist nicht mit dem von 2010 zu vergleichen", so Schwerd.2010 fanden die letzten Wahlen in NRW statt, Schwerd war damals schon als Helfer im Einsatz. Er war durch die Debatte um 'Zensursula' zu der Partei gekommen. 2009 ging es in der 'Zensursula'-Debatte um die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten: "Das hat mich damals wütend gemacht, dass man diese Verbrechen instrumentalisiert." Also ein klassischer Weg vom Wutbürger zum Politikaktivisten? "Du kannst nicht immer nur meckern, du musst dich auch mal politisch engagieren", so Schwerd im Interview mit RTLaktuell.de. Ein Beweggrund, der in den Achtzigern viele Menschen zu den Grünen zog.
Schwerds Aussehen entspricht nicht dem Klischee vom Nerd: keine orangene Latzhose und keine verzottelte Mähne. Nein, der 46-Jährige trägt ein Hemd, er redet ruhig von seinen politischen Visionen und Vorstellungen. Uns interessiert vor allem, was so ein Ober-Pirat zu dem Erfolg seiner Partei sagt: "Klar wissen wir, dass die Sympathie für uns sehr groß ist und das aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen. Da steckt natürlich auch der Frust über die etablierten Parteien dahinter, aber das ist ja auch ganz gut so. Immerhin schaffen wir es so, Menschen für Parteien und Politik zu begeistern, die das vorher nicht getan haben", erklärt Schwerd offen und ehrlich.
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