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Zwei Jahre nach der Loveparade-Katastrophe: "Es war eine einzigartige Tragödie"

Hunderte Angehörige und Betroffene trauerten gemeinsam am Unglückstunnel in Duisburg.
Hunderte Angehörige und Betroffene trauerten gemeinsam am Unglückstunnel in Duisburg.

Duisburg will einen Neuanfang


Zwei Jahre nach der Loveparade-Massenpanik mit 21 Toten sind die Wunden noch immer tief. Hunderte Angehörige und Betroffene trauerten gemeinsam am Unglücksort in Duisburg. Der neue Oberbürgermeister der Stadt Sören Link (SPD) entschuldigte sich bei der Trauerfeier in allen Sprachen der Herkunftsländer bei den Betroffenen und versprach eine rückhaltlose Aufklärung der Katastrophe. Seinen Vorgänger Adolf Sauerland (CDU) hatten die Duisburger zu Jahresbeginn abgewählt, weil sie ihn für die Katastrophe mitverantwortlich gemacht hatten.

"Es war eine einzigartige Tragödie", sagte Link vor Tausenden Duisburgern auf dem Opernplatz der Stadt. Der ersten Tragödie sei aber eine zweite gefolgt, "die quälend lange Zeit der Sprachlosigkeit in der Stadt". Dies wolle er nun ändern, Gräben zuschütten und Vertrauen zurückgewinnen, versprach Link. Als Zeichen für einen Neuanfang pflanze die Stadt 21 Magnolien vor dem Duisburger Hauptbahnhof - "ein wachsendes, blühendes Zeichen der Hoffnung". Es werde eine würdevolle Gedenkstätte am Unglücksort geben, dessen Gestaltung sich nach den Wünschen der Angehörigen richte.

Bereits in der Nacht zu dem Jahrestag hatten sich Trauernde am Unglücksort in der Nähe des Hauptbahnhofs eingefunden. Mit unzähligen roten Grablichtern erinnerten sie an die Menschen, die am 24. Juli 2010 in einer Massenpanik ums Leben kamen. Im Gedränge waren außerdem mehr als 500 Besucher des Techno-Festivals verletzt worden.

"Die Stadt hat endlich Frieden gefunden"

Die Gedenkfeiern zum zweiten Jahrestag begannen mit der Sperrung des ansonsten viel befahrenen Karl-Lehr-Tunnels, wo das Unglück geschah. Am einzigen Zu- und Ausgang des Partygeländes an dem Tunnel hatte sich die Panik gebildet. Nach der Trauer am Unglücksort zogen 150 bis 200 Menschen schweigend zur Gedenkveranstaltung in der Innenstadt. Unter den Gästen war auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Sie hatte vor zwei Jahren auch um ihren Sohn gebangt, der die Party besuchte, aber unverletzt blieb.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt wegen Planung und Ablauf der Techno-Party gegen 17 Beschuldigte, darunter elf Bedienstete der Stadt. Der Zugang nahe dem engen Straßentunnel bot zu wenige Ausweichflächen. Außerdem fehlten etwa Lautsprecheranlagen für Durchsagen an die Menge. Kurz vor dem zweiten Jahrestag schloss die Sonderkommission der Polizei ihre Ermittlungen weitgehend ab. Ein Team von Staatsanwälten ist aber weiter mit der Aufarbeitung des Geschehens befasst.

Zum Jahrestag forderten Anwälte der Betroffenen Akteneinsicht in dem Ermittlungsverfahren. "Wir haben ein Recht, ebenso gut vorbereitet wie die Beschuldigten unsere Rechte wahrzunehmen", hieß es in einer Erklärung. Weitgehend aufgebraucht sind auch die Mittel aus einem Nothilfefonds des Landes, der Stadt, des Veranstalters und seiner Versicherung. Bis zu 20.000 Euro hatten vor allem die Opfer bekommen, die längere Zeit stationär behandelt werden mussten. Viele Traumatisierte, die etwa bis heute nicht mehr voll arbeitsfähig sind, brauchen aber weiter Hilfe.

Anfang Juli hatte es in der Stadt nach langem Streit eine Einigung mit dem Eigentümer des Geländes über eine würdige Gedenkstätte gegeben. "Jetzt wird bald gebaut. Dann hat die Stadt endlich Frieden gefunden", sagte Stadtsprecher Frank Kopatschek.
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