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Kampf um Lohnerhöhungen ist entbrannt

Kampf um Lohnerhöhungen ist entbrannt

Die Krise scheint überstanden, die deutsche Wirtschaft boomt wieder. Und von diesem Erfolg wollen nun auch die Arbeitnehmer in Deutschland profitieren. Nach jahrelangen Nullrunden werden die Rufe nach kräftigen Lohnerhöhungen immer lauter. "Mindestens drei Prozent mehr müssten drin sein", sagte Wirtschaftsweise Peter Bofinger der 'Rheinischen Post'. "Für die ausgeprägte Lohnzurückhaltung der letzten Jahre gab es keine Rechtfertigung."

Arbeitsmarktexperten hatten zuvor geäußert, dass nach Jahren stagnierender Einkommen die Löhne vor allem wegen des Fehlens von Nachwuchs künftig wieder stärker steigen werden. Das Forschungsinstitut 'Kiel Economics' geht für die Jahre 2013 und 2014 von Anstieg der Bruttolöhne um über vier Prozent aus. Auch der Direktor des 'Instituts zur Zukunft der Arbeit', Hilmar Schneider, sagte eine Änderung in der Lohnpolitik voraus: "Die Verhandlungsmacht des normalen Arbeitnehmers wird sich erheblich verbessern."

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sieht trotz des Konjunkturaufschwungs hingegen keinen Spielraum für Lohnerhöhungen. Hundt hatte dem Deutschlandfunk gesagt, dass die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre der Grund für die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt gewesen sei und hohe Lohnforderungen den Aufschwung gefährden würden.

Weise widerspricht Brüderle

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gab es allein für Ingenieure im Juli fast 36.000 offene Stellen. Arbeitslos gemeldet waren nur 26.000 Menschen. Geht es nach Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sollen Firmen diese freien Stellen in Zukunft mit Spezialisten aus dem Nicht-EU-Ausland besetzen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Dem widerspricht hat der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank Jürgen Weise, vehement und ruft zur Nutzung eigener Potenziale auf: "Wir können nicht zulassen, dass Menschen in Arbeitslosigkeit sind, nur weil ihre Talente nicht genutzt werden", sagte er der 'Financial Times Deutschland'.

Weise sieht die Anwerbung von Fachkräften erst als zweiten Schritt. "Wer qualifizierte Kräfte haben und halten will, muss etwas bieten das können die Unternehmen selbst gestalten, da braucht man nicht nach dem Gesetz zu rufen." Das gelte vor allem angesichts des Mangels in der Kinderbetreuung, der viele qualifizierte Frauen daran hindere, zu arbeiten. "Das Kinderbetreuungsangebot reicht nicht aus, und die Kommunen haben in der Krise keinen Spielraum", sagte Weise. "Es ist auch Sache von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, das so zu organisieren, dass Familie und Beruf vereinbar sind", betonte der BA-Chef.
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