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Elternkolumne von Eva Imhof

Das Schulöffnungs-Wirrwarr und unsere kollektive Überforderung – na und?!

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„So surreal, dass ich lachen muss“

Gerne falle ich bei der aktuellen Situation direkt mal mit der Tür ins Haus und bin ganz ehrlich: Ich fühle mich verwirrt, überfordert, gefordert und teilweise sogar beflügelt wie noch nie zuvor in meinem Leben. Als Unternehmerin mit zwei kleinen Fachgeschäften für Fruchtgummi stehe ich persönlich vor einem Scherbenhaufen meines Schaffens, als RTL-Moderatorin sende ich inzwischen sogar aus meiner Küche und meinem Garten und als Mama bin ich unfreiwillig zur Lehrerin befördert worden. Das ist alles so surreal, dass ich sogar teilweise darüber lachen muss. 

von Eva Imhof

Beim Potenzial als Lehrerin ist noch Luft nach oben

Da meine Töchter beide in die zweite Klasse einer Berliner Grundschule gehen, bin ich mir sicher: meine Lehrerinnenkarriere hat noch Potential! Denn die Beiden gehören logischerweise nicht zu den „obersten Schulklassen“ der Grundschule – und somit rechne ich auch damit, dass wir die Beiden noch ein paar Wochen daheim unterrichten dürfen.

Und wissen Sie was?! Nein, ich beschwere mich nicht darüber. Denn das halte ich in meinem Fall definitiv für unangemessen. Denn schließlich habe ich mit der Mediengruppe RTL einen extrem familienfreundlichen Arbeitgeber, der mich – wie gesagt – tatsächlich von daheim aus vor der Kamera stehen lässt. Und auch mein Mann Peter, der ebenfalls als TV-Moderator arbeitet, hatte in der Zwischenzeit bereits mehrere prominente Gäste für seine Sendung live bei uns im Garten auf der Couch sitzen. Von solchen verrückten, paradiesischen Fernsehverhältnissen habe ich bisher nur geträumt!

„Wir sind alle auf unsere eigene Weise überfordert“

Diejenigen, die gerade wirklich Probleme mit der „Corona-Lage“ haben, sind doch die Familien, bei denen beide Partner voll arbeiten (müssen), am besten noch in Pflege-, Krankenhaus- oder sonstigen so genannten „systemrelevanten“ Berufen und die ein echtes Betreuungsproblem haben, wenn die Kinder weiter nicht in die Schule bzw. Kita gehen.

Sehr aufgeregt habe ich mich über die Stimmen, die sich nun darum sorgen, ob wohl das Abitur in diesem Jahr ausfällt. Wie bitte?! In Anbetracht der humanitären Katastrophe, auf die wir in Folge von Covid-19 zusteuern, ist es doch maximal absurd sich wegen eines (!) vermeintlich „verlorenen“ Jahres verrückt zu machen, oder? Aber vielleicht ist das etwas, was wir Menschen verlernt haben bzw. woran wir uns gewöhnen müssen: an die nicht mehr vorhandene Kontrolle. Momentan ist jeder Tag anders. Wir sind alle auf unsere eigene Weise überfordert. Das zu akzeptieren und eben NICHT mehr alles zu kontrollieren, auf 10 Jahre im Voraus (oder besser noch: bis zur Rente!) durchplanen zu können – mit all diesen Dingen schlagen wir uns gerade herum. Und wissen Sie was? In diesem Chaos steckt auch ein großes Potential. Ja, ich weiß, das kann leicht jemand sagen, der – wie ich – dank RTL noch Geld verdient. Aber wie sagte bereits John Lennon so treffend: „Leben ist das, was passiert, während Du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen“.

Lücken und Unterschiede? Nicht so wild!

Wenn ich nächste Woche, also „nach“ den Berliner Ferien wieder als Homeschooling-Mama ran darf, habe ich mir auf jeden Fall etwas vorgenommen. Ich werde mich durch die ganzen Emails, Aufgaben und Tests weniger verrückt machen lassen als zu Anfang meiner Lehrerinnen-„Blitzkarriere“. Den Lehrkräften meiner Töchter habe ich bereits erklärt, dass ich in Mathe große Schwierigkeiten habe, da ich durch meine Mathe-Schwäche (Dyskalkulie) leider die Aufgaben der zweiten Klasse teilweise weder erklären, geschweige denn lösen kann. Und ganz ehrlich: was machen eigentlich die Kinder, deren Eltern nicht mal einen Computer zu Hause haben? Bei diesem ganzen Homeschooling-Thema ist mir einiges schleierhaft. Und Hand aufs Herz: es werden sich sicherlich derart große Lücken und Unterschiede zwischen den Leistungen der einzelnen Schüler*innen auftun, dass das Lehrpersonal sowieso alles nochmal durchkauen muss.

Eva Imhof über Homeoffice
Eva Imhof über Homeoffice Und wie ihre Kinder das Lernen zu Hause finden 01:07

„Ich freue mich, mit meinen Töchtern shoppen zu gehen“

Ganz ehrlich: was ist eigentlich so dramatisch daran? Wir sind nun gerade mal kollektiv in diese Krise geschlittert und es gibt ausnahmsweise gerade wichtigere Dinge zu klären und zu fördern, als die schulischen Leistungen unserer Kinder. Ich selbst wünsche vor allen Dingen den Menschen und ihren Familien, die gerade unerlässlich sind im Kampf gegen diese schreckliche Krankheit (und pausenlos im Dauereinsatz!), weiterhin viel Kraft und vor allem Unterstützung – bei der Kinderbetreuung, mental und monetär.

Ich freue mich, wenn ich mit meinen Töchtern nächste Woche shoppen gehe. In lauter kleinen Lädchen werden wir das Ostergeld von Oma Ellen und die Kohle, die die Mädels von Oma und Opa aus dem Harz bekommen haben, auf den Kopf hauen. Wir brauchen vor allem Schuhe und Jacken für den Frühling! Schließlich müssen wir die Wirtschaft ja langsam wieder ankurbeln.

Und ich habe immer den Spruch einer Karte im Kopf, die mir meine beste Freundin gerade geschrieben hat: Auf der Karte schaut ein lustiger Fischotter einem direkt entgegen. Und über ihm steht der Spruch: „Life is just swimming“.

In diesem Sinne: Lasst uns alle einfach mal (los-)schwimmen, nicht zu viel nachdenken und manchmal tatsächlich mehr Herz als Hirn einschalten! Und – bei allem Chaos – dankbar sein für das Glück im Kleinen.

Alles Liebe, Ihre Eva Imhof

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