Gesundheit

In diesem Jahr kommen Grippe und Corona zusammen

Kinder, Oma, Schwangere: Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Junge wird geimpft
Sollten Kinder in diesem Jahr vermehrt gegen Grippe geimpft werden? © iStockphoto, MandicJovan

Grippe und Corona können gemeinsam auftreten

Wir befinden uns in einer Pandemie, das Coronavirus ist unser ständiger Begleiter. Und im Herbst wird unweigerlich ein alter Bekannter dazukommen: die Grippe. Auch bei der Influenza handelt es sich um eine Virenerkrankung, die sich – vollkommen unsichtbar – in der Bevölkerung ausbreitet. Und auch die Grippe kann für einige Risikogruppen tödlich enden. Das ist zwar Jahr für Jahr der Fall, doch ab diesem Herbst können Grippe und Corona gemeinsam auftreten, einzelne Krankheitsverläufe noch schwerer machen und unser Gesundheitssystem an die Grenzen bringen. Daher fordern viele Ärzte und Politiker, dass sich in der kommenden Grippesaison noch mehr Menschen impfen lassen als sonst!

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Droht eine „Superinfektion“?

„Die Grippeimpfung ist dieses Jahr sehr bedeutsam“, findet SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. „Wenn jemand an Grippe erkrankt ist und dann eine Coronavirus-Infektion bekommt, dann ist das wirklich lebensgefährlich. Das ist eine ganz besonders gefährliche Kombination“, erklärt er RTL im Interview. Auch Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, und Epidemiologe Timo Ulrichs haben sich im Gespräch mit uns dafür ausgesprochen, dass sich noch mehr Menschen gegen die Grippe impfen lassen als sonst.

„Es ist sinnvoll, den Impfstoff, den man sicher haben wird, konsequent einzusetzen“, so Ulrichs. Die Experten sind sich einig, dass eine besondere Gefahr besteht, wenn sich Patienten gleichzeitig mit Corona und Influenza anstecken. Ulrichs spricht von einer „Superinfektion“ durch zwei Viren, die vor allem die Lunge angreifen. 

Ein weiteres Problem sei, dass die Krankenhäuser, die wir über die vergangenen Monate gut vor einer Überlastung schützen konnten, mit beiden Infektionswellen gleichzeitig an ihre Grenzen kommen. „Jeder, der nicht krank wird, entlastet uns in der Herausforderung, die durch Corona entsteht“, so Reinhardt. „Und aus diesem Grund halten wir es für richtig und angemessen, dass sich möglichst viele Menschen gegen die Influenza impfen lassen.“

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Wer sollte sich impfen lassen?

„Wir haben deutlich mehr Impfdosen zur Verfügung als in den vergangenen Jahren“, erklärt Klaus Reinhardt. „Das heißt, dass wir auch über die eigentlichen Risikogruppen hinaus andere Gruppen impfen können.“ Aber wer genau sollte sich denn in diesem Jahr gegen Grippe impfen lassen? Da sind die Experten sich nicht ganz einig. Während Karl Lauterbach bei Kindern eher nur für die Risikogruppe eine Impfung empfehlen würde, gehören Kinder und Lehrkräfte für Reinhardt und Ulrichs zu den Gruppen, auf die der Schutz ausgeweitet werden sollte.

„Alles, was dazu führt, dass Kinder nicht neben Corona an anderen Infektionskrankheiten erkranken, hilft, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten“, so Reinhardt. Er empfiehlt deshalb Impfungen für folgende Personengruppen:

  • Menschen ab dem 60. Lebensjahr 
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen (vor allem der Atemwege, des Stoffwechsels und des Herzens) 
  • medizinisches Personal
  • Alten- und Krankenpflegepersonal 
  • Lehrkräfte und Kinder

Timo Ulrichs wünscht sich einen Impfschutz „eigentlich für alle“. Er empfiehlt eine priorisierte Impfung. „Also eben erst das medizinische Personal, dann die Risikopopulation und dann alle weiteren“.

Helfen Corona-Maßnahmen auch gegen die Grippe?

Was uns jedoch auch ein bisschen hoffnungsvoll stimmen könnte: Die Maßnahmen, die wir gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergreifen, schützen uns auch vor Grippeviren. Diese werden nämlich ähnlich übertragen – also vor allem durch Tröpfcheninfektion und Aerosole. Die Mund-Nasen-Bedeckung, die Abstands- und Hygieneregeln, die wir inzwischen so verinnerlicht haben, könnten laut Timo Ulrichs auch die Grippesaison positiv beeinflussen: „Es besteht zu hoffen, dass wir mit der konsequenten weiteren Anwendung dieser ganzen Hygienemaßnahmen auch die Grippesaison erfolgreicher überstehen können als in den früheren Jahren.“

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