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Glut-Juni macht Riesensprung nach oben

Klima-Prognose: Zu warm oder zu kalt - wie wird das Klima dieses Jahr?

Wie warm oder kalt wird es in Deutschland?
Wie warm oder kalt wird es in Deutschland? Im Video: Temperatur-Vorhersage für 14 Tage 00:35

von Björn Alexander und Oliver Hantke

Ist es zu warm oder zu kalt? Wie normal waren die letzten Wochen und der erste Monat und das aktuelle Jahr bisher? Geht der Trend immer weiter, dass ein Jahr nach dem anderen zu warm wird? Wir vergleichen die aktuellen Messwerte in Deutschland und setzen diese in Bezug zum Klimamittel. Unsere Experten schätzen ein und beleuchten die Extreme und die Besonderheiten.

Oben im Video: Deutschlandtrend – so geht es mit den Temperaturen weiter

365-Tage-Klimatrend für Deutschland: Temperaturmittel im Vergleich

Die Temperaturkurve des langjährigen Durchschnitts gibt eine gute Prognose für das ab, was wir im laufenden Jahr in Sachen Wärme und Kälte noch zu erwarten haben. Und natürlich sagen Ihnen unsere Experten damit ebenfalls, ob es tendenziell zu warm, zu kalt oder am Ende normal temperiert durchs aktuelle Kalenderjahr gehen dürfte.

Klimatrend Juni 2022: Juni macht einen Riesensprung nach oben

Die Juni geht in seine letzte Phase und es bleibt das gewohnte Bild des ganzen Jahres. Nein, er legt sogar noch eine Schüppe drauf. Die heißen Tage des letzten Wochenendes und die eh schon warmen Tage über Pfingsten bescheren uns jetzt (Stand: 23. Juni) einen Wärmeüberschuss von über 2,6 Grad.

Und die Vorhersage für die letzten Tage im Juni verheißen nichts Gutes.Denn der Juni 2022 soll mit einem Plus von 3,5 Grad enden. Da müssen also noch ein paar heiße Tage auf uns zukommen. Die Berechnung für das komplette Jahr 2022 liegt weiter unverändert bei +2,4 Grad. Die größte Abweichung beim wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen lag bisher bei +2,25 Grad.

Diagramm: Temperaturabweichung vom Durchschnitt in Deutschland aus dem Jahr 2022

Temperaturanomalie in Deutschland für das Jahr 2022 (Stand 23.06.2022). Das Jahr ist weiterhin auf einem Rekordkurs.
Das Diagramm zeigt die Temperaturabweichung in Deutschland für das Jahr 2022 vom Durchschnitt. Juni macht einen Riesensprung nach oben. © wetter.de

Klimatrend Mai 2022: Trotz Kälte am Ende viel zu warm

Das war einer der kältesten Starts in einen 30.05. seit Messbeginn an einigen Stationen! Dazu unser wetter.de-Meteorologe Paul Heger: "Morgens war es noch nie so kalt Ende Mai. Es gibt über 10 neue Dekadenrekorde mit Schwerpunkt in Bayern und Baden-Württemberg." Darunter unter anderem auch Merklingen mit immerhin 72 Jahren Messreihe und einem vorläufigen Tiefstwert von -0,7 Grad.

Der Mai ist trotzdem mit einem satten Wärmeüberschuss zu Ende gegangen – und das trotz der kalten Tage am Ende des Monats. Sie halten die Abweichung nach oben noch einigermaßen in Grenzen.

Die heißen Tage sind gut an den Ausschlägen weit über die Durchschnittskurve hinaus zu erkennen. Der gesamte Mai endete schließlich bei einem Plus von +2,4 Grad. Das ist der Monat mit der drittstärksten positiven Abweichung im Jahr 2022. Der Januar war 3,5 Grad zu warm und der Februar sogar 4,1 Grad zu warm.

Der Weg zum wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, bisher +2,25 Grad aus dem Jahr 2018, ist weiter in Reichweite. Die Berechnung für das Jahr 2022 liegt derzeit bei +2,4 Grad.

Klimatrend April 2022: Erster normale Monat im Jahr 2022 bei den Temperaturen

Der April 2022 fing ähnlich an wie der März. Denn beide Monate starteten deutlich zu kalt. Nach der ersten Dekade (01.04. bis 10.04.) lag der April noch mit -1,6 Grad unter dem Klimamittel von 1961-1990. Jetzt nach der zweiten Dekade (01.04. bis 20.04.) ist der April dank der schönen Ostertage schon knapp über dem Klimamittel mit einem Plus von 0,1 Grad. Und am Ende wurde es ein leichtes Plus von 0,5 Grad. Somit ist der April der erste relativ normale Monat in diesem Jahr in Sachen Temperatur.

Bei der Sonne hat der April zwar im zweiten Drittel mächtig aufgeholt, aber im Durchschnitt bleiben wir knapp 20 Stunden im Minus.

Im ersten Drittel war schon eine Menge Regen gefallen und jetzt ist der April doch noch knapp zu nass (etwa 10 Liter mehr als Normal) geworden, auch wenn es regional große Unterschiede gibt. Trotzdem ist es der nasseste April seit 2016.

Den meisten Niederschlag gab es im Westen und Südwesten. Hier fiel teilweise fast das Doppelte an Regen. Auch der Norden wurde gut versorgt. Im Osten, vor allem in Sachsen und Thüringen, sah die Regenbilanz nicht so gut aus. Hier gab es örtlich weniger als die Hälfte des Niederschlags. Sehr wenig Regen oder Schnee fiel auch auf der Zugspitze, also direkt im Hochgebirge in den Alpen.

Klimatrend März 2022: Neuer Sonnenrekord, zu warm und bei den Frosttagen vor den Wintermonaten

Der Januar 2022 war 3,3 Grad zu warm, der Februar 2022 endete mit einem Temperaturplus von 4,1 Grad. Auch der dritte Monat im Jahr 2022 endete nach seinem Kaltstart am Anfang auch deutlich zu warm mit 1,7 Grad über dem Klimamittel von 1961-1990.

Auffällig am März waren noch zwei Dinge: Es gab deutschlandweit einen neuen Sonnenstunden-Rekord für den Monat März.

Und der März 2022 hat die Wintermonate in puncto Frost überholt. Die Anzahl der Frosttage, also Tage, an denen die Temperaturen binnen 24 Stunden unter den Gefrierpunkt sinkt, gliedert sich nämlich für ganz Deutschland im Durchschnitt wie folgt: Dezember 15,3, Januar 14,2, Februar 9,3 und der März hatte über 18,1 Frosttage!

Hier geht es zum aktuellen Bodenfrostrisiko in Deutschland

Klimatrend Februar 2022: Über 4 Grad zu warm, beträchtliche Regenmengen in Norddeutschland

Der Februar 2022 weicht noch stärker vom Durchschnitt ab als der Januar – mit einem Temperaturplus von 4,1 Grad. Klar, wir sind Meldungen über zu hohe Temperaturen ein Stück weit gewöhnt, aber diese Zahlen haben es in sich.

Zum Vergleich: Das Jahr 2021 ist auch zu warm gestartet, allerdings war damals der Januar nur 1,2 Grad zu warm, und der Februar nur 1,6 Grad. Die aktuellen Abweichungen sind also mehr als doppelt so hoch!

Wenn das so weiter geht, könnte das Jahr 2022 einen denkwürdigen Rekord erreichen und das wärmste Jahr in Deutschland seit Aufzeichnung der Wetterdaten werden. Dafür müsste es über das gesamte Jahr „nur“ ein Wärmeplus von 2,25 Grad überbieten – da liegt der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2018. Derzeit liegt das Gesamtjahr bei einem Plus von 2,9 Grad!

Der Februar 2022 fällt neben seiner Wärme auch noch durch seine hohen Niederschlagssummen auf. Im Norden Deutschlands sind teils das drei- bis vierfache der Regenmengen eines durchschnittlichen Februars gefallen. In der Mitte und im Süden Deutschlands ist die Regen-Bilanz weniger auffällig und liegt oft in der Größenordnung eines durchschnittlichen Februars im Zeitraum 1991 bis 2020.

Zu dem Regen gehören natürlich auch viele Wolken. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Sonnenscheinbilanz dürftig ausfällt. Auffällig ist allerdings, dass der Süden Deutschlands deutlich besser wegkommt als der Rest. Dort gab es teilweise 100 Prozent der durchschnittlichen Sonnenscheindauer eines Februars.

Klimatrend: Der Januar startete schon viel zu warm

Temperatur:
Im Norden und Osten war es verbreitet 2-3 Grad zu warm, die deutschlandweite Abweichung liegt bei 1,7 Grad über den Durchschnittswerten von 1991-2020. Verglichen mit 1961-90 war der Januar sogar durchschnittlich 3,3 Grad zu warm.

Betrachtet man nur den Südwesten Deutschlands war es ein normal temperierter Januar.

Sonnenschein:
Vom Schwarzwald bis in die Alpen liegt die Sonnenausbeute vor allem in den höheren Lagen bei über 100%, im Rest Deutschlands gab es bis auf die Küstenregionen oft nur die Hälfte des üblichen Solls.

In Bad Lippspringe kamen weniger als 15 Stunden Sonnenschein zusammen, auf der Zugspitze waren es dagegen mehr als 150!

Niederschlag:
In der Mitte Deutschlands wurde der Niederschlagssoll erfüllt oder übertroffen. Am meisten kam vom Hunsrück bis nach Thüringen herunter, an den Stationen Mertendorf und Suhl-Heidersbach sogar mehr als das doppelte einer durchschnittlichen Januarmenge.

In Suhl fielen mehr als 165 l/qm. Das wurde nur von der Station Neuhaus-Steinheid am Rennweg mit rund 175 l/qm übertroffen. Dort ist allerdings auch die Durchschnittsmenge höher (prozentual waren es dort etwas über 160%, also 60% mehr als üblich).

Diagramm: Temperaturabweichung vom Durchschnitt in Deutschland aus dem Jahr 2021

Temperaturanomalie in Deutschland für das Jahr 2021 (Stand 30.12.2021). Das Jahr ist insgesamt etwas zu warm ausgefallen.
Das Diagramm zeigt die Temperaturabweichung in Deutschland vom Durchschnitt für das Jahr 2021. Es überwiegen die positiven Temperaturabweichungen. © wetter.de

TOP 10 der wärmsten Jahre in Deutschland

Hier sind die TOP 10 der wärmsten Jahre in Deutschland mit ihrer Abweichung gegenüber der Durchschnittstemperatur der Referenzperiode 1961 bis 1990 (8,2 Grad):

  1. 2018: +2,25 Grad
  2. 2020: +2,23 Grad
  3. 2014: +2,13 Grad
  4. 2019: +2,08 Grad
  5. 2015: +1,74 Grad
  6. 2000: +1,67 Grad
  7. 2007: +1,65 Grad
  8. 1994: +1,50 Grad
  9. 2011: +1,44 Grad
  10. 2017: +1,38 Grad

Vorsicht! Klima ist nicht gleich Wetter - was ist der Unterschied?

Die Begriffe Klima und Wetter hängen zwar zusammen, sind aber natürlich nicht gleich zu setzen. Der Begriff Klima beschreibt das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum. In der Regel sind es 30 Jahre. Hierzu wird bei unseren Grafiken noch das durchschnittliche Wetter, also das Klima, des Referenz-Zeitraumes von 1961 bis 1990 angezeigt. Hier erfolgt eine Umstellung in Kürze. Generell gilt aber: Die vergangenen 30 Jahre (1991 bis 2020) waren rund ein Grad wärmer als die davor liegenden Jahre im Zeitfenster von 1961 bis 1990.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen, können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt.

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