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Die Geschichte hinter dem Album

Nino de Angelo und Chris Harms im Interview zum Album „Gesegnet und Verflucht“

Chris Harms (rechts) hat das Album "Gesegnet und Verflucht" von Nino de Angelo produziert
Chris Harms (rechts) hat das Album "Gesegnet und Verflucht" von Nino de Angelo produziert © Franz Schepers (links) & VDPictures / Jan Season (rechts)

„Gesegnet und Verflucht“ zeigt Nino de Angelos dunkle Seite

Von Mirjam Wilhelm

Auf seinem aktuellen Album „Gesegnet und Verflucht“* gewährt Nino de Angelo intime sowie schonungslos offene Einblicke in sein Seelenleben und zeigt sich musikalisch von einer neuen, dunklen Seite. Im Laufe seiner Karriere hat der Sänger ziemlich alle Höhen und Tiefen des Lebens kennengelernt und musste diverse Herausforderungen des Schicksals meistern. Der Longplayer entstand in Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten und Frontmann der Dark Rock-Band Lord Of The Lost, Chris Harms. Im Interview erzählen die beiden unter anderem, wie es zur Zusammenarbeit kam und ob es weitere gemeinsame Pläne gibt.

Wie ist der Kontakt zwischen euch eigentlich entstanden?

Chris Harms: Ich arbeite seit vielen Jahren in den den Chameleon Studios in Hamburg. Irgendwann habe ich mir mal die Goldenen Schallplatten, die dort hängen, genauer angeschaut, und da war „Jenseits von Eden“ dabei. Der Song wurde auch dort aufgenommen. Ich habe ein Foto davon auf Instagram gepostet, und Nino hat darunter kommentiert. Am nächsten Tag habe ich mit einem Freund, dem Musikmanager Eric Burton über neue Projekte gesprochen. Ich wollte unbedingt etwas mit Nino de Angelo machen, er hat eine der besten Stimmen der Republik. Über Eric, der Nino kennt, kam dann der Kontakt.

Nino, hast du sofort gemerkt, das passt zwischen euch?

Nino de Angelo: Es klang auf jeden Fall erstmal interessant. Eigentlich war ich zu diesem Zeitpunkt sehr demotiviert. Ich hatte keine Ahnung, was ich musikalisch überhaupt noch machen könnte. Dann kam diese Nachricht, und das klang so interessant, dass ich nach Hamburg gefahren bin. Wir wollten einfach mal was probieren, und schließlich kam der Song „Gesegnet und Verflucht“ heraus. Und wenn so eine Granate entsteht, muss man natürlich weitermachen. Das haben wir auch gemacht, denn die Zusammenarbeit funktioniert genial!

Nino de Angelo
Nino de Angelo © Franz Schepers

Ihr kommt aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen, Nino eher Schlager, Chris eher Dark Rock. Gab es da Vorbehalte?

Chris Harms: „Jenseits von Eden“ sehe ich erstmal gar nicht als Schlager an, dafür ist der Song viel zu ernst. Er ist nur irgendwie in diese Richtung gerutscht. Ich selbst habe außerdem keine feste musikalische Richtung, denn das, was ich privat mache als Musiker, steht auf einem ganz anderen Blatt als das, was ich als Produzent mache. Ich produziere alles von Hip Hop über Mallorca-Schlager zum Death Metal. Das ist ja das Schöne daran, Produzent zu sein – man kann so vieles machen, das man selbst nicht zwangsläufig auf der Bühne vermitteln müsste. Aus diesen beiden Gründen hatte ich überhaupt keine Berührungsängste. Ein guter Song ist ein guter Song! Ob du ihn jetzt mit einer Gitarre oder eine Tuba spielst, ist letztendlich egal.

Nino de Angelo: Ich hatte sowieso keine Vorbehalte. Ich fand das cool und abgefahren, was die Jungs da machen. Auch das, was Chris schon produziert hatte, hat mir sehr gefallen.

Chris, wie viel von dir steckt in dem Album „Gesegnet und Verflucht“?

Chris Harms: Das kann man nicht in Prozenten sagen, das ist ja eine Synergie, die dahinter steckt. Vielmehr haben Nino, mein Team und ich eine gemeinsame Fahrtrichtung gefunden ohne darauf zu achten, wie viel von wem das genau ist. Das ging alles zusammen.

Nino de Angelo: Genau – der eine ohne den anderen hätte es nicht hingekriegt. Chris bekam meine Songideen, mit denen er dann wiederum weitergearbeitet hat. Ich bin sowieso keiner, der gerne alleine arbeitet, ich bin ein Teamplayer.

Nino, du hast mal gesagt, „Gesegnet und verflucht“ sei dein Lebenswerk. Wie hast du das gemeint?

Nino de Angelo: Ich bin sehr gesegnet in diesem Leben: Mit meinem Talent, und ich habe zwei wunderbare Kinder, denen es gut geht. Ich habe sehr viele Krankheiten überlebt, das ist auch ein Segen – und ein Fluch zugleich, dass man sie überhaupt bekommt. Das hat mich alles zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich habe viele Erfahrungen im Leben gemacht und vielleicht kann ich durch meine Musik auch anderen Menschen etwas mitgeben. Ich bekomme auch unheimlich viel Feedback und finde es sehr schön, dass die Leute meine Musik auch reflektieren. Vielleicht ist das meine Berufung. Ich wollte nie „Tralala“ machen, ich wollte etwas Gutes tun.

Lord Of The Lost-Frontmann Chris Harms
Lord Of The Lost-Frontmann Chris Harms © VDPictures / Jan Season

Habt ihr beiden weitere gemeinsame Pläne?

Chris Harms: Wir sind schon dabei, weiterzumachen – das zu erzählen, würde ich aber Nino überlassen. Es ist jedenfalls so, dass wir schon einige neue Songs in der Mache haben.

Nino de Angelo: Da wir gerade über mein Lebenswerk gesprochen haben – ich werde das Lebenswerk etwas ausweiten. Weil nach dem Lebenswerk kommt ja eigentlich nichts mehr. (lacht). Das heißt, es wird Re-Editions geben von „Gesegnet und Verflucht“, eine noch dieses Jahr. Im nächsten Jahr geht es dann weiter. Das Album wird letztendlich 24 oder 25 Songs haben. Und dann möchte ich irgendwann nochmal auf Tour gehen, aber das wird noch dauern. Live zu spielen ist ein Ventil, das mir sehr fehlt. So ohne Bewegung auf der Bühne sitze ich hier und werde immer dicker (lacht).

Könnt ihr euch vorstellen, auch mal gemeinsam auf der Bühne zu stehen?

Nino de Angelo: Ich weiß nicht – ich kann mir vorstellen, dass meine Musik für richtige Dark Metal – Fans immer noch Kindergarten ist (lacht).

Chris Harms: Ich habe da überhaupt keine Berührungsängste. Ich finde auch nicht, dass man musikalische Genres voneinander trennen muss, denn für mich ist letztendlich die Mixtur immer das Interessante. Deshalb finde ich, man kann alles zusammen auf die Bühne stellen. In dem Moment, indem man zusammen agiert, entsteht ja wieder etwas Neues.

Nino de Angelo: Gemeinsam einen Song performen, wie zum Beispiel „Der Panther“ auf dem Album, das würde ich schon befürworten. Ich wollte das früher immer, so eine Mischung, aber das war schwierig in Deutschland. Chris ist einer der wenigen, der keine Berührungsängste hat!

Wie haben denn die Fans auf eure Zusammenarbeit reagiert?

Chris Harms: Ich kann mich an zwei oder drei Kommentare erinnern, die negativ waren – aber das waren wenige. Und es ist mir auch egal, wenn ich was anderes mache, als man von mir erwartet.

Nino de Angelo: Die meisten meiner Fans gehen den Weg mit. Es gibt aber auch welche, denen gefällt es nicht so gut – das sind aber eher diejenigen, die kaum eine Platte von mir haben. Ich glaube aber, ich habe sehr viele neue Fans dazu gewonnen.

Nino, das Video zu „Gesegnet und Verflucht“ ist sehr düster. Wolltest du damit auch ganz besonders den neuen Weg zeigen, den du nun gehst? Oder sogar mit deiner Vergangenheit abschließen?

Nino de Angelo: Mir war wichtig, dass es genauso authentisch ist wie die Musik. Gerade dieser Song ist ja sehr außergewöhnlich, es sollte kein Video von der Stange werden. Ich habe selbst den Produzenten ausgesucht, der es machen sollte, ich hatte die Location und eine Vorstellung davon, und so ist es auch geworden. Aber mit meiner Vergangenheit abschließen – nein. Es zeigt mein Leben, wie es ist. Mit meiner Vergangenheit abschließen kann ich, wenn ich sterbe (lacht).

Chris, gibt es von dir auch neue Pläne mit Lord Of The Lost?

Chris Harms: Ja, am 2. Juli bringen wir unser neues Album „Judas“* 🛒 heraus. Die Tour mit Iron Maiden musste wieder verschoben werden. Jetzt bin ich eher im Stand-by-Modus, was Live-Pläne angeht. Ich freue mich, wenn ich irgendwann wieder da stehe.

Vielen Dank für das Interview!

Nino de Angelo: "Sag es meinem Herzen bitte nicht"

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