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Amira Pocher hatte Angst vor dem Baby im eigenen Bauch

Panikattacken und Ängste in der Schwangerschaft: Wie kommt es dazu - was kann man tun?

Ängste in der Schwangerschaft kommen häufig vor und können verschiedene Gründe haben.
Ängste in der Schwangerschaft kommen häufig vor und können verschiedene Gründe haben. © iStockphoto, iStock, becon

Amira Pocher: Panikattacken mit der ersten Geburt

Amira Pocher schockte in der aktuellen Podcast-Folge von „Die Pochers Hier!“ mit einem Geständnis: Sie leidet unter Panikattacken. In ihrem eigenen Podcast „Hey Amira“ spricht sie nun ausführlich mit einer gesprächspsychologischen Beraterin über das Problem und auch darüber, dass es so weit ging, dass sie Angst vor dem Baby im eigenen Bauch bekam.

Bedrohliche Ursache wird im Körper gesucht

Herzrasen, Schweißausbrüche und Erstickungsgefühle: Das sind typische Symptome einer Panikattacke. Bei Panikattacken überfällt die Betroffenen massive Angst. Bei manchen führt das sogar zu einer regelrechten Todesangst. Viele sind dann davon überzeugt, dass eine bedrohliche körperliche Ursache die Beschwerden auslöst. Und das kann so weit gehen, dass sogar das Baby im eigenen Bauch Panikattacken und Angstzustände auslöst.

Amira Pocher kämpft mit Panikattacken
Amira Pocher kämpft mit Panikattacken "Ich habe keine Luft mehr gekriegt" 01:08

„Ich habe gewusst, da ist ein Baby drin - und dann hab ich Panik bekommen“

So geschah es auch bei Amira Pocher: „Ich habe eine Panikattacke in meinem eigenen Körper gekriegt [...] Ich habe meinen Bauch angefasst. Ich habe gewusst, da ist ein Baby drin. Und dann hab ich Panik bekommen.“ Es überrollte sie die blanke Angst vor den banalsten Gedanken: „Wächst der Bauch, strampelt der Kleine... ich habe da keine Kontrolle drüber“, beschreibt sie im Podcast ihre damaligen Gedanken.

Hormonelles Ungleichgewicht reaktiviert Trauma

Mit der gesprächspsychologischen Beraterin Claudia Borchers-Thier zusammen kommt Amira auf den Grund der Attacken: Sie vermutet, dass die Schwangerschaft ein hormonelles Ungleichgewicht ausgelöst haben könnte, was dann einem unverarbeitetem Trauma aus Amiras Vergangenheit Zugang gewährt habe. Borchers-Thier bestätigt im Podcast, dass diese Kontrollverlustängste unter jungen Müttern weit verbreitet seien – nur eben kaum thematisiert.

Zehn Prozent aller Frauen betroffen

Die österreichische Hebamme und Hypnosepsychotherapeutin Tanja Liebl kennt solche Problematiken aus ihrer eigenen Praxis. Sie sagt: "Es ist gar nicht so selten, dass Angststörungen in der Schwangerschaft auftreten." Je nach Studie geht man davon aus, dass bis zu 10% der werdenden Mütter betroffen sind. Dabei handele es sich um Frauen, bei denen sich im Rahmen der Schwangerschaft erstmalig Ängste zeigen und auch Frauen, die schon vor der Schwangerschaft mit einer Angststörung zu tun hatten.

Ängste in Form von Panikattacken sind häufig

Die Gründe dafür, so Liebl, seien sehr unterschiedlich. "Man spricht von einem multifaktoriellen Geschehen." Sehr unterschiedlich seien dabei auch die Art und Weise, wie sich die Sorgen und Ängste zeigen: "Manche Schwangere berichten von Ängsten, die sich um viele verschiedene Dinge und Aspekte des Lebens drehen – die Angst generalisiert sich." In diesem Fall spricht man in der Psychologie von einer generalisierten Angststörung. "Dann sind Ängste in Form von Panikattacken häufig. Diese kommen gefühlt aus dem 'Nichts' heraus und überfallen einen regelrecht." Kontrollverlustängste, Panikattacken wegen des Babys im Bauch, Ängste um das Baby, sich selbst oder nahe Angehörige seien dafür bezeichnend, so die Expertin.

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Ängste drehen sich häufig um Gesundheit des Babys

Sehr häufig drehen sich die Ängste um das Wohlergehen und die Gesundheit des Babys im Bauch oder auch um geliebte Menschen, erklärt uns die Hypnosepsychotherapeutin. "Andere Sorgen beinhalten die Fragen danach, wie das Leben mit Baby aussieht, ob frau das alles schaffen wird und ob man eine gute Mutter sein kann." Für Schwangere, deren vorhergehende Geburt nicht ganz leicht oder sogar traumatisch gewesen ist, bedeute dies dann auch Angst und Panik vor einer erneuten Geburt.

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Psychotherapie und fachärztliche Begleitung

Die Behandlung von Angststörungen während der Schwangerschaft und danach bestehe im Idealfall aus einer Kombination von Psychotherapie und, so nötig, einer fachärztlichen Begleitung, erklärt uns Liebl. "Außerdem ist es hilfreich, das nahe Umfeld, den Partner oder die Partnerin sowie die Familie mit einzubeziehen. Gerade für den Partner oder die Partnerin kann es eine gewisse Hilflosigkeit bedeuten, wenn die Schwangere in deren Ängsten gefangen ist."

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