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Mein Kind, dein Kind

Papa-Kolumne: Leute, mein Kind ist Schokotarier!

Das Kind isst deutlich zu viel Schokolade
Meine Tochter Lene isst nichts mehr, was mal Eltern hatte. Dafür aber haufenweise Schokolade. © istock/Privat

Von Sebastian Priggemeier

Manchmal sind es ja die ganz kurzen Sätze, die uns ganz lange nachdenklich machen. Wenige Worte, die in Kombination einen kleinen Sprengsatz ergeben. So wie neulich beim Abendbrot: „Papa, war das mal ein Tier?“, fragte meine Tochter Lene (4) und deutete auf die Fleischwurst. Ich war gerade dabei, ihr Butterbrot zu belegen. Hui, pikantes Thema am Esstisch. Was jetzt?! Erstmal Ehrlichkeit - vielleicht hat sie ja nur eine Wurst-Fachfrage: „Ja, das war mal ein Schweinchen“, sagte ich und zeigte ihr das Tiersymbol auf der Packung. „Dann esse ich das nicht. Ich will nicht, dass Tiere gejagt werden.“ PENG! 

Ist das nur eine dieser Phasen?

Ok… Wow. Wurst weg, Hunger weg, Bilder im Kopf: Schweine, die um ihr Leben fürchten. Hackfleisch im Sonderangebot. Sülze in Aspik. Mett-Igel. Sie hat ja recht, unsere Welt ist schon ziemlich pervers. Aber deshalb gleich Vegetarier werden? Wiener Schnitzel und Bratwurst für immer links liegenlassen, um das ausbeuterische System der industriellen Massentierhaltung zu untergraben? Respekt, klare Kante für eine Vierjährige. Das verdient Unterstützung. Also, Aufschnitt zurück in den Kühlschrank, Honig aufs Butterbrot. Wo der herkommt, besprechen wir, wenn sie zehn ist. Falls es dann noch Bienen gibt.

Meine Tochter lehnt sich auf. Wahrscheinlich plant sie insgeheim Streiktage wie Greta Thunberg. Ich sehe uns schon Handzettel verteilen: Freitags-Demos vor der Kita, damit keine Tiere mehr gejagt werden. Von wem hat sie das bloß? Und die nächste Frage: Ist das nur eine dieser Phasen? Falls nicht: Muss ich als guter Papa Solidarität zeigen und auch auf alles Fleischliche verzichten? Ich mag Tiere – am liebsten gegrillt, mit Senf oder Barbecue-Sauce. Trotzdem, im Kopf war ich plötzlich bereit, Currywurst & Co. zu entsagen, testweise zumindest. Meine Wurst-Welt war ins Wanken geraten, weil ich sie durch Kinderaugen gesehen habe. 

Nein, die Kleine meint es ernst!

Das Problem ist nur, dass Kinderaugen ziemlich auf Süßkram fixiert sind. Und da ist der Haken an der schönen Vegetarier-Geschichte: Eigentlich ist Lene nämlich eher Schokotarier. Denn seit bei uns kein Fleisch mehr auf den Tisch kommt, bleiben noch genau drei Grundnahrungsmittel, die sie regelmäßig und gerne zu sich nimmt – Schokolade in sämtlichen Formen, Obst-Quetschies, Nudeln. Ok, und rohe Paprika (in Streifen geschnitten, bloß nicht gewürfelt). Ausgewogene Ernährung sieht anders aus. Aber wir sind ja schon froh, wenn die Kleine sich überhaupt etwas auf den Teller packt. 

Inzwischen, knapp sechs Monate nach dem ersten Veggie-Vorstoß beim Abendbrot, ist übrigens klar: Lene zieht es echt durch, es war keine Phase. Das Kind isst nichts mehr, was mal Eltern hatte. Meine Frau auch nicht. Ich bin also der letzte verbliebene Fleischfresser der Familie – ein Auslaufmodell. Papasaurus Rex. Oder besser Flex. Denn ich entwickle mich langsam zum Flexitarier: An drei von fünf Arbeitstagen schnappe ich mir in der Kantine das vegetarische Gericht. Da ist die Schlange auch nicht so lang, und meistens schmeckt es sogar ganz gut. Das Beste ist aber: Es musste kein Tier sterben, damit ich satt werde.

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