Schneller als die Polizei erlaubt

Streckenradar gegen Raser: Demnächst jeder Autofahrer im Visier?

Ergänzung zu stationären Kontrollen

Es ist eine nicht endende Diskussion: deutsche Autofahrer und deutsche Blitzer. Auch ohne Innovationen regelmäßig ein Aufreger, sei es, wenn in einem Bundesland wieder einmal ein sogenannter Blitz-Marathon stattfindet, oder perfide Verkehrspolizisten sich hinter Brückenpfeilern oder ähnlichem verstecken, und dem Autofahrer keine Vorwarnzeit bleibt und so jegliche Möglichkeit genommen wird, noch schnell die Geschwindigkeit zu verringern.

Streckenradar
In Österreich ist das Streckenradar schon eine gängige Methode in der Geschwindigkeitsmessung. © dpa, apa Helmut Fohringer

Das ist zum Beispiel an der Bundesstraße 442 bei Stadthagen (Niedersachsen) ein beliebtes Mittel, schadlos durch einen 'Blitzbereich' zu kommen. Das berichtet Anwohner Manfred H., der direkt an der Blitze wohnt. Da brettern viele Autofahrer schon mal bis auf wenige Meter heran, um dann voll abzubremsen, das störende Kontrollgerät vorschriftskonform zu passieren, und dann wieder aufs Gas zu steigen.

Um solches Verhalten zu bekämpfen, gibt es bereits mobile Messungen und bundesweite Marathon-Blitztage. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) will nun weitergehen, sich am Europäischen Ausland orientieren und in seinem Bundesland ein sogenanntes Streckenradar testen. 'Section Control' heißt das in Österreich: Bei Einfahrt in einen Bereich werden alle Autofahrer erfasst, ebenso bei der Ausfahrt, nach zum Beispiel fünf oder zehn Kilometern. Die ausgerechnete Durchschnittsgeschwindigkeit sagt dann eindeutig, ob und wieviel man zu schnell gefahren ist.

Damit will man vor allem in Gefahrenabschnitten wie unübersichtlichen Kurven die Geschwindigkeit überwachen und insgesamt senken. Denn wird auf einer definierten Strecke jedes Fahrzeug gemessen, so könnte das tatsächlich auch jeden Fahrer anhalten, die Höchstgrenzen einzuhalten. Wie das allerdings bei den Autofahrern ankommt – man kann es sich denken.

Und auch die Datenschützer sind alarmiert: Bei herkömmlichen stationären Messungen werden nur die Sünder geblitzt. Die 'Section Control' aber fotografiert jedes Auto, auch wenn die Aufnahmen zunächst verschlüsselt werden. Jeder wird gespeichert und gilt damit auch als potenziell verdächtig.

Die Ermittlerinnen schöpfen Verdacht

Von Hartz IV zum Designerschmuck

Die Ermittlerinnen schöpfen Verdacht