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Studie zeigt: Lehrer lassen sich vom Gewicht beeinflussen

Kassieren übergewichtige Kinder schlechtere Schulnoten?

Dicke Jungs haben es schwer, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn sie trifft es in der Schule noch härter, als Mädchen.
Dicke Jungs haben es schwer, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn sie trifft es in der Schule noch härter, als Mädchen. © imago images/Shotshop, DC_2 via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Studie: dick = schlechte Note

Wie gemein: Übergewichtige Kinder kassieren in der Schule schlechtere Noten bei gleicher Leistung wie ihre normalgewichtigen Mitschüler. Zu diesem Schluss kommt jetzt eine Studie der Hochschule Worms. Aber: warum?

Problemfach: Übergewicht!

Rund 15% der 3-17 jährigen in Deutschland sind übergewichtig.
Rund 15% der 3-17 jährigen in Deutschland sind übergewichtig. © dpa, C3495 Jörg Carstensen

Die Untersuchung zweier Sozialwissenschaftlerinnen der Hochschule Worms und der Universität Trento in Italien hat sich die Schulnoten in Deutsch und Mathematik von 3.700 Siebtklässlern an deutschen Gymnasien angeschaut. Und zusätzlich den BMI der Schüler mit einbezogen. Das krasse Ergebnis: Kinder mit Übergewicht werden schlichtweg schlechter benotet als Kinder mit Normalgewicht.

Und: Es zeigt sich auch noch ein Unterschied in den Geschlechtern. Insgesamt wurden dickere Jungs häufiger schlechter bewertet als dickere Mädchen.

Am heftigsten zeigt sich die ungleiche Benotung im Fach Deutsch: Hier bekommen gerade übergewichtige Jungen um vier Prozent seltener die Note 1 und um 13 Prozent seltener die Note 2 erhalten.

Bei den übergewichtigen Mädchen ist das Gewicht dafür nicht ausschlaggebend: Laut Studienleiterin Mona Dian „werden Mädchen für Übergewicht oder Adipositas nicht mit schlechteren Noten bestraft.“

Wie gemein! Und dass Übergewicht ein dickes Problem ist, zeigen diese Zahlen: Rund 15% der Kinder in Deutschland sind übergewichtig. Jedes dritte Kind hat sogar schon eine Diät hinter sich!

Vorurteile bei beiden Geschlechtern - nur eines davon zieht den Kürzeren

Der Grund für die unfaire Benotung durch die Lehrer sei ein altes Vorurteil: dick = gemütlich = faul. So beschreiben die beiden Studienleiterinnen, dass Jungs im allgemeinen bei vielen Lehrern als eher weniger fleißig gelten. Sind die Jungen dann auch noch übergewichtig, schließen offenbar viele Lehrer daraus, ihre männlichen Schüler seien weniger diszipliniert. Und vergeben deshalb auch schlechtere Noten.

Mädchen gelten ohnehin fleißiger und strebsamer als Jungs, deswegen hat deren BMI auch keinen Einfluss auf die Benotung.

Und jetzt? Sich zu wehren wäre natürlich eine Möglichkeit. Das kann allerdings langwierig und mühsam werden und im Zweifel nicht zum Erfolg führen.

Lesetipp: Was Sie sonst noch tun können, wenn Ihr Kind übergewichtig ist.

Die Sozialwissenschaftlerinnen schlagen eine Reformierung des Leistungsbewertungsprozesses vor. Ähnlich wie bei vielen beruflichen Bewerbungen, wo Namen, Herkunft, Foto, Alter oder Geschlecht bereits anonymisiert werden und somit nur die Leistungen und Fakten zählen, soll auch in Schulen die Leistung der Schüler geprüft und bewertet werden. Nämlich ohne jeglichen Rückschluss auf den jeweiligen Schüler.

Heißt im Klartext: auf den Klassenarbeiten könnten statt eines Namens nur ein Code stehen, so dass der Lehrer beim Korrigieren und Benoten nicht weiß, um welchen Schüler es sich handelt.

Eine gute Idee, die für mehr Fairness sorgen könnte – nur fraglich, ob sich das behäbige Schulsystem darauf einlässt.

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